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Der Nachtigallen-Elf



n einem tiefen, tiefen Walde lebte vor vielen, vielen hundert Jahren das muntere Volk der Blumenelfen. Sie führten ein herrliches Leben: Tagsüber schaukelten sie sich auf Blumen und spielten miteinander, abends kamen die Heinzelmännchen zu Besuch, und dann tanzten sie zusammen auf der Waldwiese. Alle waren glücklich und froh, und keines von den Blumenkindern hätte mit irgend jemandem auf der ganzen Erde tauschen mögen. Nur ein Elfchen war unter ihnen, das mit seinem Los nicht zufrieden war. Einmal, in einer Vollmondnacht, hatte sich das Elfchen, müde vom Tanzen, von den anderen fortgestohlen und war tiefer und tiefer in den Wald gegangen. Es war schon weit fort von den anderen entfernt, als plötzlich eine leise, schluchzende und doch jubelnde und jauchzende Stimme an sein Ohr schlug. Neugierig ging das Elfenkind weiter; es kam zu dem Busch, aus dem die wundervollen Klänge tönten, und was erblickte das Elfchen da? Einen kleinen, grauen, unscheinbaren Vogel, aus dessen Kehle das wundervolle Lied ertönte, das es unwiderstehlich angezogen hatte. Atemlos lauschte das Elfchen, und als die Nachtigall endlich schwieg und davonflog, ging es still zu den anderen Schwestern zurück, und seit dieser Nacht war das sonst so übermütige Elfenkind traurig und nachdenklich. Es tanzte nicht mehr mit den Heinzelmännchen im Mondschein und mochte nicht mehr mit seinen Gespielinnen umhertollen; und alle Versuche, es aufzuheitern und zu zerstreuen, waren vergeblich. Das Lied des Vogels hatte es so ergriffen, daß sein sehnlichster Wunsch jetzt war, auch eine Nachtigall zu werden und so schön singen zu können. - Einer von den Erdgeistern nun hatte das kleine Elfchen immer sehr lieb gehabt, und zu dem ging es und klagte ihm sein Leid. Der wußte auch keine Rat, erzählte ihm aber, daß in der Mitte des Waldes eine weise Fee wohne, die ihr sicher helfen könne. Am nächsten Morgen war das Elfchen spurlos verschwunden, und weine Schwestern konnten es trotz allen Suchens nicht finden. Es hatte sich in der Nacht von den anderen fortgestohlen und sich unter einer Wurzel versteckt; am nächsten Morgen ging es fort, um die weise Frau zu suchen und sie um Rat zu fragen. Es wanderte durch den Wald und kam allmählich in immer unbekanntere Gegenden. Nachts schlief es unter Baumwurzeln und nährte sich von Tautropfen, die morgens in den Blumenkelchen schimmerten. Nach drei Tagen wußte das Elfchen nicht mehr, wohin es sich wenden sollte; verzweifelt setzte es sich auf eine Stein und dachte nach, was es tun sollte. Als das Blumenkind wieder aufblickte, umgaukelte es ein schöner Schmetterling; nachdenklich sah es den spielenden Bewegungen des schönen Falters zu, und darüber vergaß die Elfe all ihren Kummer. Als der Schmetterling davonflatterte, erhob sie sich und ging ihm nach. Der Tag neigte sich, immer noch folgte sie ihm, und plötzlich stand sie vor Hüttchen der - Waldfrau. Bescheiden trat sie in die Hütte und erzählte ihr, warum sie den weiten Weg zu ihr gemacht hätte. Die Fee sagte: "Liebes Elfenkind, ich kann dir helfen und dir deinen Wunsch erfüllen. Bist du aber einmal eine Nachtigall, dann niemand auf der ganzen Welt dir deine ursprüngliche Gestalt wiedergeben. Weißt du das, kleines Elfchen, und bestehst du auf deinem Wunsch?" - "Ja", antwortete das Blumenkind leise. Weiter sprach die weise Frau: "Meine Macht reicht nicht so weit, als du denkst. Wenn ich dir die gewünschte Gestalt gebe, so darfst du nur in hellen, klaren Vollmondnächten singen; tust du es zu anderer Zeit, so mußt du sterben! Fühlst du dich stark genug, das Gebot zu halten?" - "Ich will es versuchen. Lieber will ich sterben, als meinen höchsten Wunsch unerfüllt zu sehen. Verwandle mich!" Die Zauberin mischte einen Trank und reichte ihn der Elfe. Sie trank ihn in einem Zug aus und fiel sogleich in einen tiefen Schlaf. Als sie wieder erwachte, war ihr Herzenswunsch erfüllt. Es war tiefe Nacht, der Vollmond war gerade aufgegangen und schimmerte durch die Zweige. Die kleine Nachtigall flog auf einen Fliederzweig, und überglücklich fing sie an zu singen. Alle ihre Freude und ihr früheres Leid kam in dem Lied zum Ausdruck. Sie sang die ganze Nacht, bis der Tag graute und sie todmüde ihr Köpfchen unter die Flügel steckte. - Viele Monde waren seitdem vergangen; schon oft hatte die kleine Nachtigall singen dürfen. Jedesmal hatte sie die Nacht kaum erwarten können, doch diesmal fiel es ihr besonders schwer. Traurig flog sie durch den Wald und kam zu der Lichtung, wo sie früher mit ihren Schwestern gespielt hatte. Die Zwerge waren gerade da und tanzten mit ihren ehemaligen Gespielinnen. Bei diesem Anblick kam es der kleinen Nachtigall zum erstenmal zum Bewußtsein, wie einsam sie dahinlebte, und als sie ihr jetziges Leben mit dem früheren verglich, befiel sie eine leise Wehmut; sie konnte sich nicht mehr halten, sie mußte singen, singen und konnte nicht mehr aufhören. Sie sang die ganze Nacht, bis die Sonne rot über dem Wald aufging, und als der erste Strahl sie traf, schluchzte sie noch einmal auf, und - dann war sie verschwunden, und nur eine kleine Nebelwolke stieg aus dem Strauch, in dem sie gesungen hatte.

in einen tiefen Schlaf. Als sie wieder erwachte, war ihr Herzenswunsch erfüllt. Es war tiefe Nacht, der Vollmond war gerade aufgegangen und schimmerte durch die Zweige. Die kleine Nachtigall flog auf einen Fliederzweig, und überglücklich fing sie an zu singen. Alle ihre Freude und ihr früheres Leid kam in dem Lied zum Ausdruck. Sie sang die ganze Nacht, bis der Tag graute und sie todmüde ihr Köpfchen unter die Flügel steckte. - Viele Monde waren seitdem vergangen; schon oft hatte die kleine Nachtigall singen dürfen. Jedesmal hatte sie die Nacht kaum erwarten können, doch diesmal fiel es ihr besonders schwer. Traurig flog sie durch den Wald und kam zu der Lichtung, wo sie früher mit ihren Schwestern gespielt hatte. Die Zwerge waren gerade da und tanzten mit ihren ehemaligen Gespielinnen. Bei diesem Anblick kam es der kleinen Nachtigall zum erstenmal zum Bewußtsein, wie einsam sie dahinlebte, und als sie ihr jetziges Leben mit dem früheren verglich, befiel sie eine leise Wehmut; sie konnte sich nicht mehr halten, sie mußte singen, singen und konnte nicht mehr aufhören. Sie sang die ganze Nacht, bis die Sonne rot über dem Wald aufging, und als der erste Strahl sie traf, schluchzte sie noch einmal auf, und - dann war sie verschwunden, und nur eine kleine Nebelwolke stieg aus dem Strauch, in dem sie gesungen hatte.


Das Märchen stammt aus dem Buch "Auerbach's Deutscher Kinder-Kalender".



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