Wachrütteln durch Klimadaten und Gletscherlehrpfad:
LR Anschober präsentiert Klimabilanz Oberösterreich:

Massive Steigerungen der CO2-Emissionen in der aktuellen Oö. Klimabilanz: erste Erfolge bei der Energie, massive Zuwächse im Verkehr - alarmierende Entwicklung der oö. Gletscher - Projekt Gletscherlehrpfad - neues oberösterreichisches Klimaschutzprogramm. Anschober: "Will Oberösterreich die Kyotoziele noch erreichen, dann müssen wir unser Klimaschutzengagement massiv verstärken."


Entwicklung der CO2-Emissionen in Oberösterreich 2002

Kohlendioxid (CO2) ist durch die Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas mit mehr als 80% das "bedeutendste" Treibhausgas in Österreich. Nun liegen die von Statistik Austria übermittelten Zahlen und Zeitreihen der Energiebilanzen von 1988 bis 2002 vor und werden heute erstmals veröffentlicht. Folgende wichtige Schlüsse für die Klimaschutzpolitik können daraus abgeleitet werden:

Die Kohlendioxidemissionen liegen seit Mitte der 90er Jahre um ca. 2 Mio. t über dem Beginn der Kyotoperiode und Bezugsjahr 1990. Der Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre ergibt eine Steigerung um 5,8% gegenüber 1990. Oberösterreich ist daher vom Ziel, bis 2010 eine Einsparung von 13% zu erreichen, weit entfernt. Aufgrund der Emissionssteigerungen ergibt sich sogar ein Einsparungsbedarf von knapp 19%!

Die vielen Landesaktivitäten bei den erneuerbaren Energieträgern zeigen positive Wirkungen bei den Bilanzzahlen. Hohe Zuwächse gibt es im Zeitraum 1990/2002 bei der Wasserkraft (+31%), bei Sonnenkollektoren und Nutzung der Umgebungswärme (+483%) und bei Hackschnitzeln und Pellets (+224%). Seit Mitte der 90er Jahre kamen auch wesentliche Beiträge der Windenergie: Mit 93 Petajoule gab es im Jahr 2002 einen neuen Spitzenwert beim Absolutverbrauch an erneuerbaren Energieträgern (1990: 57 PJ).

Der Energieverbrauch stieg im Zeitraum 1990-2002 um 25,8%. Knapp die Hälfte des Zuwachses entstand durch den höheren Treibstoffabsatz im Verkehr. Das ist etwa gleich viel wie der absolute Zuwachs bei den Erneuerbaren Energieträgern. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger ist etwa konstant in einer Bandbreite von 26 bis 31,5% in Abhängigkeit der Witterungsverhältnisse (Strenge des Winters, Wasserführung der Flüsse). Energie-Landesrat Rudi Anschober will deshalb mit einem nun in Ausarbeitung befindlichen und im Herbst der Landesregierung vorliegenden Energieeffizienzprogramm neben der Steigerung der Ökoenergie eine zweite Initiative für den Klimaschutz setzen.


Gletscherentwicklung in Oberösterreich - alarmierende Rückgänge im Vergleich zu den letzten Jahren - Gletscherschmelze im Rekordtempo

Am Hallstätter Gletscher war 2003 an allen Gletscherteilen verstärkter Rückgang zu verzeichnen, der an der Hauptzunge mit -20,5 m! drei Mal größer war als im Vorjahr und insgesamt den stärksten Längenverlust der letzten 25 Jahre ergab.

Die Oberfläche im obersten Firngebiet ist ca. 5m eingesunken, die Felsköpfe am Gjaid Sattel sind zu einer 75 m langen Felsrippe geworden, unter dem Eisstein ist eine neue Felsinsel ausgeapert. Auch am Schladminger Gletscher apern im Zungenbereich Felsinseln aus. Vier zugängliche Marken zeigen klare Rückzugsbeträge.

Der Längenverlust des Großen Gosaugletschers ist mit 14,1m nahezu drei mal größer als im Vorjahr. Der kleine gut beschattete Schneelochgletscher hatte mit 16,4 m größeren Längenverlust als sein Nachbar. Frühe Ausaperung und auffallend große Spaltendichte kennzeichneten die Situation.

Die Temperaturwerte des letzten Sommers waren die höchsten seit Beginn der Instrumentenbeobachtung vor 220 Jahren. Alle Gletscherungunstfaktoren haben sich im Haushaltsjahr 2002/03 wiederholt und das in einem wesentlich verstärkterem Ausmaß.

Der Sommer 2003 muss im Rahmen der Statistik als außergewöhnlich festgehalten werden.


Wachrütteln mit Projekt Gletscherlehrpfad

Im Zuge des Klimaschutzprogramms und des Runden Tisches "Weltkulturerbe Hallstatt" wurde die Idee geboren, am Hallstattgletscher einen Gletscherlehrpfad einzurichten. Mittels begleiteter Führungen könnte dieser über den "Nature Trail" vom Krippenstein zur Simonyhütte führen. Dort könnte eine sogenannte "Blickinterpretation" eingerichtet werden, indem der Gletscherrückgang mittels Markierungen und Infotafeln visualisiert wird. Zusätzlich sollen an belebten Orten wie z.B. dem Linzer Hauptbahnhof Infostellen errichtet werden, die durch Übertragung mit Web-Cams den derzeitigen Zustand des Hallstattgletschers dokumentieren.


Neue Klimaschutz-Offensive 2004 beschlossen - wichtiger Schritt hin zur Trendwende und Absenkung der CO2-Emissionen

Anfang Mai wurde das von Umwelt-Landesrat Anschober eingebrachte Klimaschutz-Aktionsprogramm 2004 in der Landesregierung einstimmig beschlossen. Das umfangreiche Maßnahmenpaket reicht dabei vom Ausbau der Ökostrom-Schwerpunktinitiative, dem Landesgebäudevorbildprogramm mit konkreten Pilotprojekten, einer Informations- und Beratungsoffensive, über die Verstärkung von Klimarettung und Klimabündnis bis hin zu einer an den Kyoto-Zielen orientierten Gesamtverkehrsplanung sowie der Erstellung einer Umsetzungsstudie "Umweltinvestitionsprogramm".

"Mit dem vorliegenden Programm ist ein erster wichtiger Schritt gesetzt, den Klimaschutz in Oberösterreich deutlich zu verstärken," freut sich Anschober, "das geht nicht mit Ein-Punkt-Maßnahmen, sondern nur mit einem Klimaschutz-Netzwerk - einem vielfältigen ressortübergreifenden Programm, welches auch die verschiedenen Handlungsebenen von der Industrie, über die Energieerzeugung und die Gemeinden, den Verkehr bis hin zum Einzelnen umfassend abdeckt," so Anschober, der abschließend darauf verweist, dass die Klimastatistik nur mittelfristig auf Maßnahmen reagiert: "Heute präsentieren wir die Bilanz für 2002 und die Maßnahmen für 2004, die sich in der Statistik frühestens in 2-3 Jahren niederschlagen werden. Umso entscheidender wird das nun vom Klimabeauftragten DI Drack mit den Fachabteilungen in Koordination befindliche nächste 2-Jahresprogramm für 2005/2006, das sehr konsequente Maßnahmen bringen muss, damit wir in Oö. tatsächlich noch eine Chance haben, die Kyoto-Ziele zu erreichen. Alle sind gefordert, am meisten aber die Verkehrspolitik."

Quelle: Land Oberösterreich