13. März 2001 C e B I T


"Kunst im Alltag"

von Frank Patalong

Wenn das keine Innovation ist: Fujitsu/Siemens stellen zur Cebit eine PC-Baureihe vor, die "keine unnötigen Bauteile" enthält. Dafür sind die Rechner schön bunt. Und vollgepackt mit Extras. War da gerade ein Widerspruch?


Jetson: "Neue Generation der High Class Easy PC"...
© Fujitsu Siemens Computers 
Jetson: "Neue Generation der High Class Easy PC"...
    Apple hat es vorgemacht: Mit Design fängt man Kunden. Seit Jahren hält nun der Trend zu Design-Rechnern an, Creme und Mausgrau sind out, bonbon-bunte Rechner gibt's an jeder Straßenecke. Mit Farbe und Form allein lassen sich die Verkaufszahlen also nicht mehr beflügeln, da muss schon mehr her. Fujitsu/Siemens setzen bei der "Jetson"-Reihe auf die Befreiung des PCs von "unnötigen Komponenten".

Deren Existenz haben wir alle ja immer geahnt. Und da man ein solches Konzept nicht einfach "abgespeckt" nennen kann, haben die Marketing-Strategen des Herstellerdoppels auch einen schönen neuen Begriff für von allem Überfluss befreite Rechner gefunden: "Legacy-free" sind sie, nicht einfach nur "abgespeckt".

Jetzt wissen wir auch, was da so alles wirklich überflüssig ist: der Wirrwarr an Schnittstellen zum Beispiel. Die Jetson-Reihe bietet dem User gerade noch vier USB-Ports. Mehr, meinen die Hersteller, muss heute nicht mehr sein. CD-Rom und DVD-Laufwerk sind ein Muss - auf Disketten kann hingegen getrost verzichtet werden. Auch das erinnert an den iMac.

Weniger, behaupten die Hersteller, brauchen die Jetsons auch in puncto Zeit: Nach dem Start sollen die Rechner spürbar schneller als andere betriebsbereit sein. Nein, Fujitsu/Siemens sind nicht als Betriebssystem-Optimierer aktiv geworden, sondern das soll deshalb möglich werden, weil die trotz "Legacy-free" verbauten Teile halt ganz fürchterlich optimal aufeinander abgestimmt sein sollen. Das wird wohl so sein, auch wenn solche "Claims" zur absolut notwendigen Grundausstattung jeder PC-Werbekampagne gehören.



Und was bieten die Jetsons noch weniger als andere?

Geschwindigkeit, zum Beispiel. Dem Einsteigermodell "1171" genügt ein 677-MHz-Celeron-Hirn, das Topmodell taktet mit einem immerhin 800 MHz schnellen Pentium III. Der Rest allerdings ist ein Etikettenschwindel.

Denn davon, dass die Jetsons weniger zu bieten hätten, kann nicht wirklich die Rede sein: Das Konzept steht nicht für die Unterkante des Fujitsu/Siemens-Angebotes, sondern für die Oberkante der für den Consumer-Markt gemeinten Rechner. Die "neue Generation der High Class Easy PCs" haben die Hersteller damit aus der Taufe gehoben.

Deshalb tragen die zwei angebotenen Standard-Monitore ein "TFT" im Namen, was nicht nur mehr ist, als was die meisten Konkurrenten zu bieten haben, sondern auch mehr kostet. Ansonsten beinhalten die Jetsons alles, was man für die multimediale PC-Welt heute so braucht - und mehr.
   
...was die Frage aufwirft, wer oder was denn die "alte Generation
© Fujitsu Siemens 
Computers 
...was die Frage aufwirft, wer oder was denn die "alte Generation" war: der iMac?

Eine Standardausrüstung mit Fast-Ethernet-Karten für das fixe Heimnetzwerk dürfte man auch heute noch als ungewöhnlich bezeichnen, und sogar die Glückspilze, denen tatsächlich die Anmeldung eines DSL-Anschlusses bei der Telekom gelingt, dürfen sich freuen: Auch darauf sind die Dinger vorbereitet.

Schick sind sie, die Jetsons, kommen im silberfarbenen Aluminiumgehäuse daher, mit verspielten blauen Farbapplikationen. Von der Maus, über die PC-Boxen bis zur Tastatur ist alles durchgestylt. "Für uns", dichten die Jetson-Werber, "ist Design eine Möglichkeit, Kunst im Alltag nutzbar zu machen". Das ist gut zu wissen.

Was man jetzt noch wissen will? Preise zum Beispiel, aber über solche profanen Dinge lassen sich Fujitsu/Siemens bisher nicht aus. Vielleicht erfährt man solche Nebensächlichkeiten auf der Cebit: Halle 1, Stand 5e2.