Prussak will eine Idee wiederbelebenDer Nowgoroder Gouverneur wird zum ParteichefInzwischen gibt es auch im rechten politischen Flügel Veränderungen. So hat sich der Gouverneur des Gebietes Nowgorod, Michail Prussak, bereit erklärt, die Demokratische Partei Russlands (DPR) zu leiten. Es ist bemerkenswert, dass er im Gespräch erklärte, dass er „in Moskau kein Team sehe“, mit dem er in der politischen Szene auftreten würde. Gerüchte besagten eher, dass sich Prussak der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Russlands anschließen würde. Nicht einen Monat später hat sich nun der Gouverneur für die DPR entschieden. „In letzter Zeit schwankt Michail Prussak hin und her. Er hat die Vereinigung der Sozialdemokraten begrüßt, hat jedoch seinen eigenen Weg gewählt“, kommentierte Michail Gorbatschow Prussaks Entscheidung. Prussak selbst erklärte, er habe diese Entscheidung getroffen, nachdem sich DPR-Mitglieder an ihn gewandt haben. Er sagte: „Die demokratische Idee wurde in Russland in Verruf gebracht, deshalb muss eine neue Partei her, in der die Arbeit von Anfang an gemacht werden muss.“ Die DPR ist allerdings kein Neuling in der Politik. Sie wurde im Mai 1990 als eine Alternative zu der KPdSU gegründet. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 1993 bekam sie 5,5 Prozent der Wählerstimmen. Dann löste aber der ehemalige KPdSU-Funktionär Georgij Hazenkow den Vorsitzenden Nikolaj Trawkin ab. Und damit änderte sich die DPR-Linie. Die neue Führung schloss eine Zusammenarbeit mit der KPdSU nicht mehr aus, und Trawkin wurde der „Antikommunismus“ vorgeworfen. Der Vorsitzende Prussak will scheinbar die Traditionen der DPR a la Trawkin wieder beleben. Der erste Parteitag der DPR findet in der russischen Hauptstadt am 7. September statt. „Wir wollen die Partei selbständig gründen, damit uns später niemand vorwerfen kann, dass uns jemand geholfen oder am Anfang unserer Organisation gestanden hat“, betont Prussak vor dem Treffen. Diese Äußerung kann durchaus als ein Vorwurf an die sich vereinigenden Sozialdemokraten aufgefasst werden, die offen den russischen Präsidenten Putin unterstützen. Des Weiteren erklärte Prussak, dass die DPR eine „zentralistische Partei mit einer überschaubaren Struktur und ohne Sektionen und Fraktionen sein wird, in der das Prinzip der Einzelleitung mit einem Vorsitzenden eingehalten werden soll“. Zu seinen Ideen gehört beispielsweise die Unterstützung des Vorschlags von Putin, dass Gouverneure ernannt werden sollen, und Kritik der Regierungsreformen und des Amtes der Bevollmächtigten. Somit könnte die neue Partei mit ihrer strengen Linie und der Einzelleitung sowohl die unentschlossenen Gorbatschow-Anhänger als auch die SPS etwas zurückdrängen. Entgegen der „weichen Opposition“ der gemäßigten Vertreter des linken und des rechten Flügels bietet Prussak eine konstruktive und klare Meinung. Damit ködert er den Teil der Bevölkerung, der sich in all den Reformjahren an den Glauben gewöhnt hat, dass „dagegen sein“ eine respektable Losung ist. MDZ-Infodienst |