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 Russland Kultur


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Literatur
Die Geschichte der russischen Literatur nimmt ihren Anfang in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Die nachfolgenden 700 Jahre bilden eine Periode, die als altrussische Literatur bezeichnet wird. Als erstes literarisches Werk gilt die sogenannte "Rede eines Philosophen", in der die Geschichte der Welt von ihrer Erschaffung an bis zur Entstehung der Kirche kurzgefaßt dargelegt wird. Zu den frühesten unter den bekannten Werken von Alt-Rußland gehören Predigten und Chroniken: Nestor-Chronik, "Erzählung über die Ermordung von Andrej Bogoljubski", "Die Gebete von Daniil Satotschnik", "Die Belehrungen von Grigori, Bischof von Belgorod" und andere. Im 11.-12. Jahrhundert, als Kiew das Zentrum der literarischen Kultur war, wurde das einzig dastehende Epos in Prosa "Die Mär von Heereszug Igors" geschaffen.
An der Schwelle des 14. Jahrhunderts verlegte sich das litararische Zentrum Rußlands nach Moskau. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden politische Briefe des Zaren Iwan des Schrecklichen (der Briefwechsel mit dem Fürsten Andrej Kurbski) und religiöse Aufsätze des Protopopen Awwakum (1629-1681), der zum erstenmal in der Literatur anstelle der Kirchenslawischen die allgemeingebräuchliche slawische Sprache gebrauchte, zu merklichen literarischen Erscheinungen.
Die moderne russische Literatur wurde mit dem Namen von Michail Lomonossow (1711-1765) eingeleitet. Er vereinigte erfolgeich Elemente der kirchlichen altslawischen Sprache mit der Umgangssprache des einfachen russischen Volkes, was zur Entstehung eines gemittelten effektiven Schreibstils führte.
In jener Periode verspürte die russische Literatur den Einfluß des Klassizismus, was nur natürlich war. Es erschienen die Oden von Lomonossow und Gawrila Dershawin (1743-1816), die Tragödien von Alexander Sumarokow (1717-1777) und Jakow Knjashnin (1740/1742?/-1791). Der Einfluß der französischen Literatur ließ sich in den Werken des Fabeldichters Iwan Krylow (1768-1844) und des Historikers Nikolai Karamsin (1765-1826) spüren.
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 | Alexander Puschkin |
 | Nikolai Gogol |
 | Lew Tolstoi |
 | Fjodor Dostojewski | Maler: Orest Kiprenski, Fjodor Moller, Iwan Kramskoi, Wassili Perow. |
Die höchste Blüte erreichte die russische Poesie im 19. Jahrhundert. Diese Errungenschaften verknüpfen wir mit den Namen von Alexander Puschkin (1799-1837), Begründer der russischen literarischen Sprache und der neuen russischen Literatur, und des Romantikers Michail Lermontow (1814-1841). Eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des russischen realistischen Theaters spielte die Komödie "Verstand schafft Leiden" von Alexander Gribojedow (1795-1829). In der Prosa herrschte das Oberhaupt der "Natürlichen Schule" Nikolai Gogol (1809-1852).
Die progressiven Stimmungen der Gesellschaft von Mitte des 19. Jahrhunderts fanden ihre Widerspiegelung in Werken des Prosaikers und Publizisten Alexander Herzen (1812-1870). Zu den Helden von Werken des 19. Jahrhunderts wurden immer öfter Menschen, die mit der Unvollkommenheit der damaligen Gesellschaft unzufrieden waren. Zu dieser Kategorie gehören der Reisende von Alexander Radistschew (1749-1802), der revolutionäre Ideen ankündigte, Onegin von Puschkin und Petschorin von Lermontow.In der Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeichnete sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer deutlicher ein Held ab, der sich für die Zustände in Rußland verantwortlich fühlte und nach Wegen zur Einführung der sozialen Gerechtigkeit und Humanität suchte. Die Frage "Was tun?" wurde von Nikolai Tschernyschewski (1828-1889) gestellt.
Es brach das goldene Zeitalter des russischen realistischen Romans an, der auf die Weltliteratur einen großen Einfluß ausgeübt hat. Lew Tolstoi (1828-1910) schuf seine Werke "Krieg und Frieden", "Anna Karenina" und "Auferstehung". Wie ein roter Faden zieht sich durch sein ganzes Schaffen das Thema der qualvollen Suche nach dem moralischen Ideal, der Eingliederung in das natürliche Leben des Volkes und in die Natur. Der Schriftsteller betrachtete die Zivilisation als ein Übel, lehnte jegliche Gewalt ab und rief sogar dazu auf, dem Bösen nicht mit Gewalt zu widerstehen, predigte die Ideen der moralischen Vervollkommnung der Persönlichkeit. Iwan Turgenjew (1818-1883) schrieb die Romane "Rudin", "Adelsnest", "Väter und Söhne";"Oblomow" und "Die Schlucht". Die Romane von Fjodor Dostojewski (1821-1881) "Schuld und Sühne", "Die Brüder Karamasow" und "Der Idiot" wurden zu einer markanten Erscheinung nicht nur in der russischen, sondern auch in der Weltliteratur. Als die Hauptidee seines realistischen Schaffens betrachtete Dostojewski das Streben danach, "im Menschen einen Menschen zu finden". Die Persönlichkeit befand sich in seinen Romanen in Grenzsituationen und wurde schweren Prüfungen unterzogen. Nach Ansicht von Dostojewski ist der Mensch letzten Endes unter allen Umständen für alle seine Taten verantwortlich.
Beim Werdegang des russischen realistischen Theaters spielten die Bühnenwerke von Alexander Ostrowski (1823-1886): "Ein einträglicher Posten", "Wald", "Wölfe und Schafe", "Das Gewitter" u.a. eine kolossale Rolle.
In der russischen Poesie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lassen sich deutlich zwei Tendenzen verfolgen: sozial-engagierte und lyrische. Ein hervorragender Vertreter der ersteren ist Nikolai Nekrassow (1821-1877) mit seinen Poemen "Russische Frauen", "Wer lebt glücklich in Rußland?", "Frost-Rotnase", der letzteren - Afanassi Fet (1820-1892). Etwas abseits, in der Welt der philosophischen, geistig-gespannten Poesie, steht Fjodor Tjutschew (1803-1873).
Stark satirisch gefärbt ist das Schaffen von Michail Saltykow-Stschedrin (1826-1889): "Skizzen aus dem Gouvernement", "Pompadoure und Pompadourinnen", "Geschichte einer Stadt".
In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts herrschten Stimmungen des Pessimismus und des Unglaubens an die Umgestaltung der Gesellschaft nach den Grundsätzen des Humanismus und der Gerechtigkeit vor. Tragische Schicksale talentierter Menschen aus dem Volk schilderte eindrucksvoll Nikolai Leskow (1831-1895), ein großer Meister der Sprache und des sagenhaften Stils: "Der verzauberte Wanderer", "Der stählerne Floh" und "Ein kunstvoller Friseur". Diesen Themen wenden sich auch Wsewolod Garschin (1855-1888) und Wladimir Korolenko (1853-1921) zu. In den Bühnenwerken "Der Kirschgarten", "Drei Schwestern" und "Die Möwe" offenbart sich mit voller Kraft das Genie von Anton Tschechow (1860-1904).
Später wird der alles durchdringende Pessimismus im Schaffen des "Sturmvogels der Revolution" Maxim Gorki (1868-1936) überwunden, der zum Begründer der Literatur des "sozialistisehen Realismus" wurde und in seiner Roman-Epopöe "Klim Samgin" das Leben und den ideologisch-gesellschaftlichen Kampf in den vorrevolutionären Jahrzehnten schilderte.
Die klassische Tradition der russischen Literatur setzten souverän die Prosaiker Iwan Bunin (1870-1953), Nobelpreisträger von 1933, und Alexander Kuprin (1870-1938) fort.
Genau der Gegensatz zu ihnen waren die bedrückend-depri-mierten und alles negierenden Leonid Andrejew (1871-1919) und Michail Arzybaschew (1878-1927).
Der Anfang des 20. Jahrhundertes war durch das Aufgehen des silbernen Zeitalters der russischen Literatur gekennzeichnet. Es entstand eine Reihe von neuen Schulen und Richtungen. In der russischen Kunst, ebenso wie in der europäischen, war der Symbolismus tonangebend, der aus der Welt der bürgerlichen Werte ungestüm die "verdeckte Realität" und die "unvergängliche Schönheit" anstrebte. Zu seinen Vertretern wurden der große russische Dichter Alexander Block (1880-1921) -"Gedichte von der schönen Dame", Andrej Belyj (1880-1934), Wjatscheslaw Iwanow (1866-1949), Fjodor Sologub (1863-1927).
In der russischen Poesie der 10er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Akmeismus, der die Kompliziertheit und Mehrdeutigkeit des Symbolismus zu überwinden suchte, zu einer bedeutsamen Richtung. Angesehene Vertreter des Akmeismus sind: der frühe Nikolai Gumiljow (1886-1921), die frühe Anna Achmatowa (1889-1966) und der frühe Osip Mandelstam (1891-1938); Michail Kusmin (1875-1936) und Sergej Gorodezki (1884-1967).
Zu der Oktoberrevolution 1917 standen russische Schriftsteller verschieden. Einige emigrierten ins Ausland, viele begrüßten aber die neuen Ereignisse, so zum Beispiel Alexander Block (im Poem "Die Zwölf"); die Futuristen Wladimir Majakowski (1893-1930) (die Poeme "Wladimir lljitsch Lenin" und "Gut und schön. Oktoberpoem") und Welemir Chlebnikow (1885-1922).
In den 20er Jahren bildeten sich zahlreiche literarische Gruppierungen heraus: "Kusniza" (proletarische Romantiker), "Serapionsbrüder" (betont apolitische Einstellung), "Lef" (wirkungsstarke revolutionäre Kunst), "Perewal" (Intuitivismus und Selbstausdruck), RAPP (vulgärer Soziologismus). Eine Menge Schriftsteller schlossen sich diesen Gruppierungen nur formell an, blieben aber praktisch ausgeprägte Einzelgänger. Zu den letzteren gehörten Boris Pasternak (1890-1960), der später zum Nobelpreisträger wurde (1958 für den Roman "Doktor Shiwago"); Andrej Platonow (1899-1951), ein eigenartiger lyrisch-epischer Prosaiker.
In denselben Jahren nahm in der Poesie auch der feinste Lyriker Sergej Jessenin (1895-1925), Sänger des bäuerlichen Rußland, einen bedeutenden Platz ein.
Die kritische Auffassung der Wirklichkeit spiegelte sich scharf in den satirischen Werken von Michail Sostschenko (1895-1958) und von Michail Bulgakow (1891-1940) (der Roman "Der Meister und Margarita") wider.
In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sank das allgemeine Niveau der Literatur. Aber auch in dieser Zeit arbeiteten bemerkenswerte Schriftsteller: der Prosaiker Michail Scholochow (1905-1984), Nobelpreisträger von 1965 (der Roman "Der stille Don"); die Dichter Osip Mandelstam, Anna Achmatowa, Nikolai Tichonow (1896-1979).
Starke Impulse gab dem Schaffen der Schriftsteller das Thema des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945). Die Verse der Dichter Konstantin Simonow (1915-1979), Alexander Twardowski (1910-1971) und vieler anderer sind zu einem wahren Gemeingut des Volkes geworden. Diesem Thema wandten und wenden sich von der Position des Realismus aus zeitgenössische Dichter und Prosaiker zu: Konstantin Wanschenkin, Juri Trifonow, Juri Bondarew, Grigori Baklanow, Viktor Astafjew und viele andere.
In der nach Stalins Tod angebrochenen Periode des Tauwetters wurde der Roman "Nicht von Brot allein" (1956) von Wladimir Dudinzew veröffentlicht. Es war eine Plejade talentierter Dichter und Prosaiker erschienen, die ihre Treue zu den Idealen der bürgerlichen Freiheit laut kundtaten. Das sind die sogenannten "Schestidesjatniki": Bulat Okudshawa, Jewgeni Jewtuschenko, Andrej Wosnessenski, Bella Achmadulina und Robert Roshdestwenski.
Über das Schicksal des russischen Dorfes dachten qualvoll die sogenannten "Derewenstschiki" nach: Wassili Below, Valentin Rasputin, Boris Moshajew, Fjodor Abramow und Jewgeni Nossow.
Die nachfolgende Zeit der breshnewschen "Stagnation" war durch die verstärkte Zensur gekennzeichnet. In die erzwungene Emigration gerieten: der Prosaiker Alexander Solshenizyn, dem 1970 ein Nobelpreis verliehen wurde, ("Der Archipel Gulag", "Im ersten Kreis", "Krebsstation") und der Dichter Iossif Brodski (1940-1996), Nobelpreisträger von 1987.
Die Epoche der Öffentlichkeit und die nachfolgende Periode der Demokratisierung der russischen Gesellschaft führten dazu, daß der literarische Nachlaß der in Emigration gelebten Schriftsteller: Iwan Schmeljow (1873-1950), Boris Pilnjak (1894-1941), Boris Saizew (1881-1972), Alexander Remisow (1877-1957), Jewgeni Samjatin (1884-1937) und anderer intensiv erschlossen wurde.
In den klassischen Traditionen der russischen Literatur arbeiteten und arbeiten unsere Zeitgenossen, die Prosaiker Wladimir Makanin, Anatoli Kim, Ruslan Kirejew, Anatoli Kurtschatkin: die Dichter Wladimir Sokolow, David Samoilow, Juri Lewitanski und Oleg Tschuchonzew.
Die Übergangsperiode im gesellschaftlichen Leben Rußlands ist durch das Aufblühen und den Widerstreit verschiedener literarischer Strömungen gekennzeichnet, von denen die wichtigsten der Postmodernismus (Dmitri Prigow, Viktor Jerofejew, Wladimir Sorokin, Viktor Polsin) und der Traditionallismus (Oleg Pawlow, Alexej Warlamow, Wladislaw Otroschenko, Igor Melamed) sind.
Die russische Literatur schuf ideologisch-künstlerische Werte vom Weltstand, sowohl was die Weite der sozial-moralischen Problemstellung als auch die Neuartigkeit der ästhetischen Lösungen betrifft. Der weltweite Erfolg und die Popularität der russischen Literatur wurzeln in deren Volkstümlichkeit, Tiefe und Mannigfaltigkeit der angeschnittenen Probleme, der Verschiedenartigkeit der Genres und Schaffensmethoden.
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Bücher
Die ersten handgeschriebenen Bücher in slawischer Sprache erschienen in der Rus im 9. Jahrhundert. Das erste der erhalten gebliebenen Bücher ist das "Ostromir-Evangeliar" (1057). Als erstes gedrucktes Buch gilt "Apostel", ein Sammelband biblischer Texte, der 1564 vom Diakon Iwan Fjodorow in Moskau herausgebracht wurde. Das Denkmal für den ersten russischen Buchdrucker, das 1909 von Mitteln erbaut wurde, die unter der Bevölkerung aufgebracht worden waren, steht im Zentrum der Hauptstadt in Teatralny projesd.
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"Apostel", das erste russische gedruckte Buch |
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In Rußland entfallen mehr als 3000 Exemplare der Neuausgaben auf je 1000 Einwohner.
Im Vergleich zur Sowjetperiode gingen die Buchauflagen wesentlich zurück. Es muß jedoch betont werden, daß es in der kommunistischen UdSSR ungeachtet einer sehr intensiven Arbeit der Zellstoff- und Papier- sowie der polygraphischen Kombinate an Büchern akut mangelte. Und Menschen, wenn sie keinen Zugang zum Netz der Sonderverteilungsstellen für die Obrigkeit hatten, waren gezwungen, die nötigen Bücher auf dem "schwarzen Markt" zu kaufen.
Das Land nahm wirklich bei der Edition der Literatur einen führenden Platz in der Welt ein. Aber bei der Herausgabe der Bücher spielten nicht die Lesernachfrage, sondern die politischen und ideologischen Erwägungen eine entscheidende Rolle.
Deshalb machten die nur für einige wenige interessanten Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus, die Vorträge der Parteifunktionäre, die gesellschaftspolitischen Broschüren, die die Errungenschaften des Sozialismus lobpriesen und den Weltimperialismus brandmarkten, und die Werke der mittelmäßigen, dafür aber ideologisch gut beschlagenen Schriftsteller einen beträchtlichen Teil der Ausgaben aus. Diese ganze pseudoliterarische Produktion wurde in astronomisch anmutenden Auflagen gedruckt, obwohl ein großer Teil davon gewöhnlich keine Anwendung fand und von Bücherdepots ungelesen an Altpapierlager gelangte.
Indessen wurden die Werke der bei den Lesern populären (aber vom Standpunkt der Behörden andersdenkenden) einheimischen und ausländischen Autoren in minimalen Auflagen und des öfteren überhaupt nicht herausgegeben. Unter diesen Bedingungen erfuhr der "Samisdat" - die selbstgemachte Produktion der verbotenen Bücher mit Hilfe einer Schreibmaschine und des Kohlepapiers - eine Entwicklung. Diese Beschäftigung war äußerst gefährlich: Die Menschen, die dieser Beschäftigung überführt wurden, wurden eingesperrt.
In den Zeiten der totalitären Regierung (und das ist praktisch die ganze Geschichte Rußlands, ausgenommen wohl nur einige letzte Jahre) entstand eine Gewohnheit, Poesie, Prosa und Dramatik als eine Art Ventil, anders gesagt, als "einen Lichtstrahl im finsteren Reich" anzusehen. Man las die Bücher "zwischen den Zeilen" durch, indem man darin allerlei Allegorien und Allusionen sorgfältig fixierte, nach der den Uneingeweihten vorenthaltenen "Lebenswahrheit" und nach der wie durch ein Wunder durch die Zensurfilter durchgesickerten Kritik an der bestehenden Sachlage suchte.
Wie ärgerlich das für die Berufsschriftsteller auch sein mag, beginnt der weit verbreitete Ausdruck "Der Dichter ist in Rußland mehr als ein Dichter" (diesen Ausdruck bezog man auch auf Vertreter anderer literarischer Genres) heutzutage zu veralten. Alles kommt allmählich ins rechte Licht: Die Literatur verlagert sich aus dem Gebiet der gesellschaftspolitischen Interessen und der bürgerlichen Leidenschaften in den Bereich der rein ästhetischen Werte.
Die Literatur - um so mehr die modernistisch-avantgardistische, die heute Mode ist - zieht die Aufmerksamkeit eines nicht zu großen Kreises von Kennern und Intellektuellen auf sich. Entsprechend verringern sich die Auflagen der Poesie und der Prosa. Und das Volk, das von der kommunistischen Propaganda "das lesefreudigste in der Welt" genannt wurde, verwandelt sich in der Epoche der technischen Revolution immer mehr in eine Fernsehernation, wie dies heute übrigens überall geschieht.
Mit der Abschaffung der ideologischen Zensur gelangten die literarischen "verbotenen Früchte", einschließlich verschiedenartige erotische Schriften, in Massenauflagen zum Verkauf, die zunächst ein großes Interesse der Leser auslösten und dann sie nach und nach anödeten. Heute sind die Buchverkaufsstände auf den Straßen und in der U-Bahn von den neuesten westlichen Bestsellern, Kriminal-, Abenteuer- und erotischen Romanen, Lehrbehelfen für die schwarze und weiße Magie, Parapsychologie, Astrologie, Chiromantie, das Wahrsagen aus den Karten und Sexlehrbüchern, d.h. von all dem überfüllt, was früher fast oder absolut unzugänglich war. Diese Bücher werden allmählich ausverkauft, aber es gibt keine Agiotage.
Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß der Übergang zum freien Markt das Buchverlagswesen und den Buchhandel merklich belebt hat. Nichtsdestoweniger darf sich der Staat keinesfalls von der Durchführung einer durchdachten und koordinierten Politik auf dem Gebiet der Bildung und der Kultur fernhalten. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Ausarbeitung von neuen Schul- und Hochschullehrbüchern sowie von Enzyklopädien und Wörterbüchern, die die übermäßig ideologisierten, moralisch und wissenschaftlich veralteten früheren Ausgaben endgültig ablösen sollen.
Ein anderes Problem besteht darin, wie die Werke des "goldenen Fonds" der russischen und der Weltklassik für alle zugänglich zu machen sind. Früher war es darum so bestellt: Die Bücher waren billig, aber es mangelte an ihnen. Heute gibt es an Verkaufsstellen und Kiosken, man sollte meinen, alles. Aber die Preise sind für einen einfachen Käufer, vor allem den traditionellen Verbraucher der literarischen Produktion - für die russischen Intellektuellen, die mit dem Übergang zur Marktwirtschaft keine leichten Zeiten erlebt, unverkennbar unerschwinglich.
Schließlich ist eine staatliche Hilfe für die Berufsschriftsteller als Ergänzung zur Unterstützung notwendig, die Sponsors und Mäzene erweisen. Wenn sie ausbleibt, so geht die in der ganzen Welt durch ihre Meisterwerke berühmte russische Literatur ein Risiko ein, im bohemeartigen Dilettantismus und in der Konjunkturkommerzialisierung zu versumpfen.
Gegenwärtig zählen die russischen Schriftstellerverbände (in der Periode der Perestroika spaltete sich die einheitliche Organisation in "Demokraten" und "Patrioten") 8000 Mitglieder. Viele Schriftsteller, insbesondere junge, gehören überhaupt keinen Zunftkongregationen an. Früher, in jenen Jahren, da die Literaturschaffenden als "Herren der Geister" und "Ingenieure der menschlichen Seelen" galten, war die Mitgliedschaft im offiziellen Verband recht angesehen und verhieß die greifbaren materiellen Vorteile. Aber heute fristen viele "Männer der Feder" aus der Mitte der ehemaligen mit Wohltaten überhäuften und privilegierten (selbstverständlich sind sie nicht alle in gleichem Maße begabt) ein nicht beneidenswertes Dasein. Die druckfertigen Manuskripte werden nicht veröffentlicht. Wenn viele Werke früher wahrhaftig "für das Schubfach des Schreibtisches" geschrieben wurden, weil die Zensur wütete, so werden sie auch heute wegen des Geldmangels für ihre Ausgabe darin hineingeschoben. Natürlich reift unter den Literaturschaffenden eine Unzufriedenheit mit neuen Zuständen und den heutigen Behörden heran. Wenn die letzteren die künstlerische Intelligenz für sich gewinnen wollen, so müssen sie anscheinend reale Schritte in dieser Richtung unternehmen.
1995 wurde das föderale Zielprogramm "Unterstützung der staatlichen Polygraphie und des Buchverlagswesens in Rußland in den Jahren 1996-2001" angenommen. Sein Hauptziel sind die Sicherung der staatlichen Prioritäten im Verlagswesen und die Schaffung einer zuverlässigen materiell-polygraphischen und der Ressourcenbasis in diesem Bereich, die für die Lösung der gesamtnationalen Aufgaben in Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur notwendig ist. Dieses Programm enthält eine Reihe von Unterprogrammen, unter anderem das Unterprogramm "Große russische Enzyklopädie".
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Webseiten:
Biographien russischer Autoren (ru)
russisches Literaturarchiv (ru)
russische Literatur & Philosophie (ru)
Museen:
Puschkun-Museum
Dostojewski-Museum
Tolstoi-Museum
Brot-Museum, St. Petersburg
Dyatkovo Crystal Museum
Moskauer Geschichte
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