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RusslandLand und Leute
bernstein01.html 


Geschichte des Bernsteinzimmers



1941 belagern deutsche Truppen St. Petersburg - damals Leningrad. Der Katharinenpalast in Zarskoje Selo gerät zwischen die Fronten und wird schwer beschädigt. Wie durch ein Wunder überlebt das Bernsteinzimmer fast unversehrt die Katastrophe. Doch im Oktober 1941 werden die Wandverkleidungen von deutschen Truppen abgebaut, requiriert und als Kriegsbeute ins ostpreußische Königsberg entführt.



   Die für das Jahr 1941 geplante komplette Renovierung des Bernsteinzimmers kommt nicht zustande. Da der Bernstein sehr zerbrechlich ist, wird das Bernsteinzimmer nicht wie die anderen Schätze des Katharinenpalastes evakuiert. Man hängt lediglich die Wände mit Papierbahnen ab und verhüllt diese mit Baumwolle.

1941: Deutsche Truppen belagern St. Petersburg - damals Leningrad. Der Katharinenpalast in Zarskoje Selo gerät zwischen die Fronten und wird schwer beschädigt. Wie durch ein Wunder überlebt das Bernsteinzimmer fast unversehrt die Katastrophe. Doch im Oktober 1941 werden die Wandverkleidungen von deutschen Truppen abgebaut, requiriert und als Kriegsbeute ins ostpreußische Königsberg entführt.

Im Stadtschloss von Königsberg wird das Kunstwerk als "ins Reich heimgekehrte Trophäe" - nach Ausbesserungsarbeiten - zwei Jahre ausgestellt. Bevor es 1944 wiederum verpackt wird. Diesmal soll es vor den anrückenden Truppen der Roten Armee in Sicherheit gebracht werden, aber auch vor den massiven Bombardements der westlichen Alliierten, die Schloss und Innenstadt von Königsberg in Schutt und Asche legen.



Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel
   1944: Nach der Invasion der Alliierten in der Normandie wies der Direktor der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Berlin seinen Königsberger Statthalter, Direktor Alfred Rohde, an, das Bernsteinzimmer nach Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel auszulagern. Die Kisten waren schon verladen, als der Befehl kam, das Zimmer in Königsberg zu belassen, um die Moral der deutschen Truppen nicht zu schwächen.

Vermutlich ließ Rohde 1944 einen kleinen Teil des Bernsteinzimmers in einen tiefen Keller im Südteil des Schlosses bringen. Die Original-Paneele kamen wahrscheinlich in den Bunker am Botanischen Garten in Berlin.

In der Nacht vom 26. zum 27. August 1944 wurde das Schloss Königsberg zerbombt. Als die Sowjetarmee 1945 das eingeschlossene Königsberg nach schweren Kämpfen einnimmt, beginnt die eigentliche Karriere des Bernsteinzimmers: Weil die Kisten plötzlich verschwunden sind - und seither nicht wieder gesehen wurden. Über den Verbleib wird seitdem spekuliert: Ist es beim Brand des Königsberger Schlosses zerstört worden oder haben die Nazis es damals versteckt?


   Erst durch das Verschwinden avancierte das abhanden gekommene Kleinod weltweit zum Symbol für Kulturverlust, zum Geheimnis des Jahrhunderts, zum Mythos der "Jäger des verlorenen Schatzes“. Sein ideeller Wert übersteigt längst den tatsächlichen Wert des kostbaren Materials.

Überall, im Osten wie im Westen, wird gesucht. Zu Lande in Bunkern, Bergwerksstollen und selbst unter Wasser - wie im Wrack der Wilhelm Gustloff - sind Experten und "selbsternannte Experten", Glücksritter und Fanatiker erfolglos.


  Detail des rekonstruierten Zimmers

1979: Russische Spezialisten begannen, das Bernsteinzimmer nach alten Zeichnungen und Vorlagen zu rekonstruieren.

1997: Überraschend tauchen in Deutschland Stücke aus dem Original-Bernsteinzimmer auf: Ein Marmor-Mosaik und eine Empire-Kommode.

April 2000: Die kostbaren Stücke werden an Russland zurückgegeben und stehen nun wieder im Katharinenpalast.

Mai 2003: Eröffnung des neuen, rekonstruierten Bernsteinzimmers im Katharinenpalast von Zarskoje Selo.



bernstein03.html 


Das Bernsteinzimmer


1. Der Mythos


Das "achte Weltwunder", einst ein Geschenk des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen, wurde 1941 von deutschen Soldaten aus dem Zarenschloss nach Königsberg verschleppt. Dort verlor sich bei Kriegsende jede Spur des Kunstwerks.

»Alle, die das Rätsel hätten lösen können, sind ums Leben gekommen. Das Bernsteinzimmer hat sein tragisches Geheimnis bewahrt.« (Iwan Sautow, Direktor des Katharinenpalastes)

Königsberg im Dezember 1945. Die Metropole Ostpreußens liegt in Schutt und Asche. Was die britischen Luftangriffe im August 1944 noch übrig gelassen hatten, fällt dem Sturm der Roten Armee zum Opfer. Hunger und Seuchen wüten in den Trümmern der einstigen Festungs­stadt.


Mysteriöser Tod


Es ist daher kein Einzelfall, als Museumsdirektor Alfred Rohde und seine Frau in Anonymität an Hungertyphus sterben. Ein tragisches Schicksal, eines unter Tausenden in jener Zeit. Und doch schießen schon kurz darauf die Gerüchte ins Kraut. Der Mann sei ermordet worden, heißt es; der Arzt, der den Tod bescheinigte, verschwunden.

Das auffällige Interesse am Schicksal des Ver­storbenen hat einen Grund: Er war der Kurator der Königsberger Kunstschätze und somit der Einzige, der nach Kriegsende die ganze Wahrheit über das Bernsteinzimmer wusste - bis zu seinem mysteriösen Tod.


Der Katharinenpalast in Zarskoje Selo


Geschenk an den russischen Zaren


Der Bernsteinkenner hatte von Amts wegen die Obhut über das wert­volle Getäfel, das in Königsberg die vorläufige Endstation einer langen Odyssee erreicht hatte. Vom ersten Preußenkönig Friedrich in Auftrag gegeben, ging die wertvolle Wandvertäfelung 1717 als Geschenk an den russischen Zaren Peter den Großen in die von ihm gegründete, neue Hauptstadt Sankt Petersburg. Dort fand das Bernsteinzimmer nach einigen Stationen ein bleibendes Zuhause im Sommerpalast von Zarskoje Selo vor den Toren der Stadt.


Bernsteinzimmer in Kisten


Nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion verschleppte die deutsche Wehrmacht das Zarenzimmer 1941 in die ostpreußische Metropole Königsberg. "Heimholung" nannten die Deut­schen den Kunstraub beschönigend. Doch der Krieg holte den vermeint­lich sicheren Hort 1944 wieder ein. Rohde packte die bernsteinbe­stückten Eichenplatten in Kisten und verwahrte sie an einem sicheren Ort, wie er beteuerte. Andere vermuten, er habe sie rechtzeitig in den Westen gebracht.


Lars-Broder Keil Hüter des Schatzes: Alfred Rohde


Gut gehütetes Geheimnis


Als die Sowjets Königsberg im April 1945 eroberten, war das Bernsteinzimmer jedenfalls verschwunden - wohin, weiß nur der Hüter des Schatzes. Alfred Rohde aber nahm sein Geheimnis mit ins Grab. Nach seinem mysteriösen Tod begann das Rätselraten. Wurden die Kisten noch rechtzeitig aus der Festung geschleust? Oder liegen sie bis heute in einem verschütteten Depot? Beides ist denkbar. Denn wichtige Hinweise sprechen dafür, dass das Konvolut aus Sicherheitsgründen nicht komplett an einem Ort aufbewahrt, sondern rechtzeitig in kleinere Bestände aufgeteilt wurde. Nachweisbar zerstört wurde allenfalls ein geringer Teil davon. Die Mehrzahl der Kisten ruht weiter im Verborgenen. Es konkurrieren mehr als 100 Theorien über ihren Verbleib.

»Das Bernsteinzimmer war einzigartig. Die Deutschen haben sicherlich alles getan, um es in den Westen zu bringen. Es befindet sich dort irgendwo, davon bin ich überzeugt.« (Iwan Sautow)


"Fluch des Zimmers"


Generationen von Schatzsuchern haben sich der Suche nach den Bernstein-Kisten verschrieben. Manche haben ihr Lebensglück dafür preisgegeben, ihr Vermögen und ihre Existenz. Einer von ihnen war Georg Stein. Als er 1987 tot aufgefunden wurde, ging das Wort vom "Fluch des Zimmers" um. Irgend­jemand habe den Hobbydetektiv beseitigen wollen, weil er der Wahr­heit zu nahe gekommen sei. Der gebürtige Königsberger war besessen von der Idee, das Bernsteinzimmer zu finden und er wähnte es auf Grund einiger Indizien in dem verschütteten Kalibergwerk Wittekind in Volpriehausen bei Göttingen.


A. P. Owsjanow Georg Stein: Nahe an der Wahrheit?


Der Film


Der Film geht den Gerüchten um Georg Steins Tod nach und bringt Licht in die seltsamen Vorgänge rund um den möglichen Endlagerort "Schacht Wittekind". Die Sendung folgt diesen und anderen Spuren, zeigt, welche Wirkung die Schatzsuche auf die Beteiligten hat und wie haltbar ihre Überle­gungen sind. Sie zieht die Bilanz einer über ein halbes Jahrhundert währenden Jagd. Ein Ergebnis steht fest: Die vielfach verbreitete An­nahme, das Bernsteinzimmer sei vollständig verbrannt, ist überzeu­gend widerlegt. Authentische Berichte belegen: der Leiter der ersten russischen Suchkommission Alexander Brjussow, auf dessen Notizen diese Behauptung beruht, hat sie später selbst zurückgezogen. Die Kisten existieren also aller Wahrscheinlichkeit nach im Verborgenen weiter.



Noch heute graben Suchteams in der Nähe des ehemaligen Königsberger Schlosses nach dem Bernsteinzimmer


 



Das Bernsteinzimmer

2. Die Suche


Stasi-Fahnder waren dem Zaren-Schatz jahrzehntelang auf der Spur. Unter dem Decknamen "Puschkin" spürte Mielkes Schnüffel-Truppe jedem greifbaren Hinweis nach. Über 100 vermeintliche Fundorte auf dem Gebiet der DDR nahm das Suchkommando unter die Lupe.

"Gefunden" titelte eine große Boulevardzeitung im Sommer 1997. In Bremen beschlagnahmte die Polizei ein Original-Steinmosaik aus dem Bernsteinzimmer. Kurz darauf tauchte noch eine Empire-Kommode auf, die einst ebenfalls das "achte Weltwunder" zierte. Vorboten für das gesamte Zarenzimmer?


1997 aufgetaucht: Marmor-Mosaik aus dem Original-Bernsteinzimmer


Stasi-Fahnder auf der Spur


Die Hinweise auf diese unschätzbaren Kunst­werke kamen aus dem Dunstkreis des früheren DDR-Devisenbe­schaffers Alexander Schalck-Golodkowski. Hatte der Staatssicher­heitsdienst das Bernsteinzimmer klammheimlich schon gefunden? Wollte man den Fund jetzt Stück für Stück versilbern? Die beiden Fundstücke rechtfertigen diese Annahme nicht. Sie sind während des Krieges auf anderen abenteuerlichen Pfaden in den Westen gelangt. Doch tatsächlich waren Stasi-Fahnder dem Bern­steinzimmer jahrzehntelang auf der Spur. Unter dem Decknamen "Puschkin" spürten Mielkes Suchtrupps jedem greifbaren Hinweis nach. Über 100 "Objekte der Begierde" wurden penibel aufgelistet im Vorgang "AV 14/79".


Detail aus dem rekonstruierten Bernsteinzimmer


Geheimer Abtransport?


Darunter die viel versprechende Spur "Popp": Der Nazi-Beauftragte Alfred Popp soll nicht nur die aus den Besatzungsgebieten zusammenge­raubte Kunstsammlung des ostpreußischen Gauleiters Erich Koch nach Thüringen eskortiert haben. Ihm wird auch der geheime Ab­transport der Bernsteinzimmerkisten zugeschrieben. Doch ehe die Re­cherchen zu einem greifbaren Ergebnis führten, beendete die Wende das Treiben der Stasi.


Mehr als 10.000 Seiten: Stasi-Akten zum Fall "Puschkin"


Unterirdische Lagerstätte?


Geblieben sind Regalreihen von Akten und ein letzter Hinweis auf eine unterirdische Lagerstätte. Die Spur führt nach Thüringen, in ein geheimes Stollensys­tem, in dem noch bis Kriegsende mehr als 3.000 Menschen untertage für den Bau einer Flugbenzin-Raffinerie schufteten. "Schwalbe V", so der NS-Deckname, ist das größte, bislang noch nicht untersuchte Geheimprojekt der Nazi-Zeit. Liegt hier das Bernsteinzimmer begraben? Ist es überhaupt noch gelungen, die wertvollen Kisten aus der um­kämpften "Festung" Königsberg hinaus zu schaffen?


Alexander Brjussow, Leiter der ersten russischen Suchkommission


Neue Erkenntnisse


Der Film führt zurück in das alte Krönungsschloss der preußischen Könige während der Belagerungszeit. Dort wurde das Zimmer zum letzten Mal gesehen, bevor es zunächst in Kisten und schließlich vollständig verschwand. Der unveröffentlichte Nachlass eines Augenzeugen und Aussagen von Zeitgenossen, die bis dahin noch nicht an die Öffent­lichkeit getreten waren, enthüllen, wie in Königsberg während der ent­scheidenden Winteroffensive der Roten Armee noch ein ganz anderer Kampf tobte: eine Auseinandersetzung um das Schicksal jenes legen­dären Schatzes, den seine Hüter offenbar gar nicht auslagern wollten.

»Ich glaube, dass das Bernsteinzimmer nicht verloren gegangen ist und sich am ehesten im Bunker in der 'Langen Reihe' in Königsberg befindet.« (Notiz von Alexander Brjussow, 1955)


Große Teile des Zimmers erhalten


Der Ablauf der Ereignisse, wie er jetzt erkennbar wird, legt den Schluss nahe: Zumindest ein großer Teil des Zimmers hat den Krieg und die Nachkriegszeit unter den Ruinen von Königsberg überdauert - in jenen zahlreichen Kellern und Bunkern, die bis heute nicht einmal im Ansatz erforscht und freigelegt worden sind.

Auch Alexander Brjussow, Leiter der ersten russischen Suchkommission, auf dessen Aussagen die Annahme vom verbrannten Bernsteinzimmer beruht, schrieb 1955, das Bernsteinzimmer sei nicht verloren gegangen. Welche Bedeutung hat der von vielen Augenzeugen genannte "Bunker", dessen verschüt­teter Standort bis jetzt lediglich auf Grund von Georadar-Untersuchungen vermutet wird? Was ist mit den Kellerräumen des Königsberger Schlosses, die ein Kronzeuge in neu entdeckten Aufzeichnungen als definitiven Lagerort bis zum Untergang der Stadt benennt?

Bisher unter Verschluss gehaltene Dokumente aus russischen Archiven und eigene Recherchen geben Anhaltspunkte, welche Fährten in Wahrheit Irrwege und welche Fundorte am aussichtsreichsten sind.

Karte der Suchorte


 



Die Stasi und das Bernsteinzimmer



Die Staatssicherheit war jahrzehntelang auf der Spur des Zaren-Schatzes. Über 100 vermeintliche Fundorte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nahm das Suchkommando unter die Lupe.

Im Mai 1997 findet ein konspiratives Treffen statt. Ein Informant und ein Mittler warten auf einen Käufer. 53 Jahre nachdem das Bernsteinzimmer zum letzten Mal gesehen wurde, wird von einem Anwalt im Namen seines Mandanten ein Mosaik aus dem Zimmer zum Kauf angeboten. Doch jemand hat geplaudert. Als Käufer getarnt erscheint Polizeidirektor Schultheiss.


Das Ministerium für Staatssicherheit. Eine ganze Abteilung, angeführt von Erich Mielke, hatte jahrzehntelang versucht, das Bernsteinzimmer zu finden.


Erste Funde


Bei dem Informanten handelt es sich, so Schultheiss, um einen Mitarbeiter der DDR-GmbH "Kunst & Antiquitäten". Zu DDR-Zeiten hatte sie den Auftrag, in der DDR Kunstgegenstände aufzukaufen und diese gegen Devisen in das westliche Ausland zu verkaufen. Hatten alte Stasi-Seilschaften hier ihre Finger im Spiel? Ein Sondereinsatzkommando stürmt die Anwaltskanzlei. Das Marmor-Meisterwerk, das auf dem grauen Markt verhökert werden sollte, ist beschlagnahmt und wird nun auf seine Echtheit überprüft.


Empire-Kommode aus dem Bernsteinzimmer

h genauer Untersuchung steht fest: Das Mosaik ist echt. Fotos vom Original-Bernsteinzimmer beweisen, dass das Mosaik im Katharinenpalast noch zur Ausstattung gehörte. Durch die öffentliche Anteilnahme taucht noch ein weiteres Stück aus dem Bernsteinzimmer auf: Eine Empire-Kommode. Auch hier führen die Spuren wieder zur "Kunst & Antiquitäten GmbH" des Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski. Das Objekt sollte zu Geld gemacht werden, ungeachtet der erkennbar russischen Herkunft.


"Genosse Bernsteinzimmer"


Eine ganze Schnüffelabteilung der DDR, angeführt vom Minister für Staatssicherheit Erich Mielke, hatte jahrzehntelang versucht, das Bernsteinzimmer zu finden. Dr. Paul Enke, Oberstleutnant für den besonderen Einsatz, kümmert sich um den Vorgang "Bernsteinzimmer". Enke durchstreift seine Republik. Er ist berüchtigt für seine unermüdlichen Nachforschungen, die ihm schließlich den spöttischen Namen "Genosse Bernsteinzimmer" einbringen. Die Partei belohnt ihn später mit einem Kampforden in Gold für seine Hingabe und seine intensiven Nachforschungen. Mitte der 80er Jahre werden Paul Enke weitere Kollegen zur Seite gestellt. Ihnen gibt Enke zunächst nur vage Hinweise, worum es geht.

»Dr. Enke war ein, möchte fast sagen, von seiner Idee besessener Mensch, der jede Minute seiner Freizeit dazu hergegeben hat, um auf die Spur des Bernsteinzimmers zu kommen.« (Jürgen Tschiedel, Mitarbeiter von Dr. Paul Enke)


Schätze gut versteckt


Das Staatsgeheimnis, für das Enke fahndet, ist niedergeschrieben auf 1800 Seiten, der "Puschkin-Akte" - im Stasi-Deutsch - "allgemeiner Vorgang, 14/79". Ein Dokument verbissener und hartnäckiger Suche nach dem Bernsteinzimmer. Die Stasi durchsucht mindestens 100 Objekte. Keller werden aufgestemmt, Stollen angebohrt und Gutshäuser überprüft. Paul Enke gibt nicht auf. Mit modernster Mess- und Suchtechnik ausgerüstet, begibt er sich selbst auf die Suche. Denn er weiß, dass die Nationalsozialisten ihre wertvollsten Schätze gut versteckt hatten. So fiel zum Beispiel den vorrückenden Amerikanern das Reichsbankgold in die Hände, als sie die vermauerten Schächte eines Kaliberbergwerkes in Thüringen öffneten. Auch kostbare Ölgemälde alter Meister waren dort eingelagert. Warum nicht auch das Bernsteinzimmer?


BStU Dr. Paul Enke

»Die Absicht der Feinde, durch Bombenwurf die deutsche Rüstung zu zerschlagen, ist gescheitert. Rechtzeitig und mit deutscher Gründlichkeit wurden kriegsentscheidende Fertigungen unter die Erde verlagert.« (Originalton Deutsche Wochenschau)


Der Stollen "Schwalbe V"


Und so gräbt Enkes Truppe ein Objekt nach dem anderen auf. Ein Beispiel ist der Stollen mit dem Decknamen "Schwalbe V". Im Herbst 1944 hat die SS in Thüringen bei Berga an der Elster begonnen, 17 Stollen in den Fuß eines Berges zu treiben. In "Schwalbe V" soll unterirdisch Benzin hergestellt werden. Insgesamt sind acht Anlagen für das Reich projektiert. Hallen von bis zu 30 Metern Höhe sollen entstehen. Keine der Produktions-Stätten wird vollendet. 500 reguläre Bergarbeiter und 350 Kriegsgefangene schuften hier unter Tage. Hinzu kommen 1000 KZ-Häftlinge aus Buchenwald: Sklavenarbeiter, derer man sich als Mitwisser notfalls leicht entledigen kann.


NA NS-Stollensystem "Schwalbe V", 1945


Dauerhafte Zusprengung?


Kurz bevor die Amerikaner "Schwalbe V" erreichen, wird die Baustelle am 10. April aufgelöst. Mit einer einzigen Sprengung verschließt das SS-Baukommando die unterirdische Anlage. Die Detonation findet am 9. und 10. April 1945 statt, genau in den Tagen, an denen in Weimar, einem Zwischenlager für Kunstgüter, zwei Transporte mit "alten Koffern" abfahren. Am 10. April ereignet sich in Berga ein ungeklärter Vorfall. Eigentlich ist die Baustelle von "Schwalbe V" schon geschlossen. Doch in den Kirchenbüchern der Stadt findet sich für diesen Tag ein bemerkenswerter Eintrag: Um 16.15 Uhr verstirbt der Bergmann Alfred Moschner, Todesursache: im Stollen tödlich verunglückt. War es also tatsächlich so, dass ein Spezial-Kommando die Anlage dauerhaft zusprengen sollte? Verbirgt sich hier das Rätsel des Bernsteinzimmers?

»Die, die diese Sprengung durchgeführt haben am Stollen 1, hatten nicht die Absicht, einfach irgendwas zuzusprengen, sondern etwas dauerhaft, etwas haltbar und unangreifbar zuzusprengen.« (Dietrich Müller, Geologe)


BStU Planskizze von "Schwalbe V"

Im Sommer 1995 wollen es Enkes alte Kameraden wissen und bringen schweres Gerät in Stellung. Das Problem ist, dass zu diesem Zeitpunkt niemand weiß, welchen Stollen die SS und welche später die Rote Armee zugesprengt haben. Schließlich kommt es zur Öffnung eines Stollens. Doch die Enttäuschung ist groß. Der Stollen ist leer - dieser Stollen zumindest.
klappe0601300.htm


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letzte Änderung 06.05.2004



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