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 Russland Gesellschaft

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St. Petersburg (dpa) - Das Bernsteinzimmer im Katharinen-Palast der russischen Zaren bei St. Petersburg galt wegen seiner Schönheit über Jahrhunderte als «Achtes Weltwunder». Im Zweiten Weltkrieg ging das goldgelb schimmernde Kunstwerk verloren. Selbsternannte «Schatzsucher», Geheimdienstler sowie Historiker forschen seit einem halben Jahrhundert danach, doch nur zwei Teile sind bisher wieder aufgetaucht.
Russische Restauratoren haben jetzt nach mehr als zwei Jahrzehnten mühevoller Kleinarbeit ein neues Bernsteinzimmer als wissenschaftlich exakte Kopie aus sechs Tonnen des fossilen Harzes geschaffen. Der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder werden das Kleinod an diesem Samstag bei einem Festakt im Katharinen- Palast der Öffentlichkeit übergeben.
Im Jahr 1716 schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die kostbar geschnitzten Wandtäfelungen aus Bernstein dem russischen Zaren Peter I. als Zeichen der Freundschaft mit dem aufstrebenden östlichen Nachbarn. Ab 1755 ließ Zarin Elisabeth das kostbare Geschenk in den neuen Sommerpalast von Zarskoje Selo einbauen. Dazu musste das Bernsteinzimmer um einige Paneele und Spiegel vergrößert werden. Zur neuen Einrichtung gehörten auch vier florentinische Mosaike aus Marmor und Halbedelsteinen.
Deutsche Wehrmachtssoldaten montierten 1941 das Zimmer ab und brachten es ins Schloss von Königsberg (heute Kaliningrad). Ein Großteil verbrannte dort bei Kriegsende, vermuten manche Kunsthistoriker. 1997 wurde ein verschollenes Mosaik in Bremen und eine Kommode aus dem Bernsteinzimmer in Berlin gefunden. Deutschland gab beide Teile im April 2000 an Russland zurück.
Die Rekonstruktion des Zimmers aus einer halben Million fein geschliffener Bernsteinplatten ist pünktlich zum 300. Jubiläum von St. Petersburg vollendet worden. Die im Erdgas-Geschäft mit Russland tätige Ruhrgas AG aus Essen hat die Fertigstellung der Arbeiten mit rund 3,5 Millionen Dollar möglich gemacht.
Gleichwohl gehen Spekulationen über das spurlose Verschwinden des kostbaren Originals weiter. Zum Verbleib des Bernsteinzimmers, dessen Mythos ungebrochen ist, existieren mehrere hundert, teils abenteuerliche Theorien, die das Kunstwerk in mitteldeutschen Bergbau-Schächten, in Königsberger Kellern oder sogar in Moskauer Bank-Depots vermuten.
"Achtes Weltwunder" erstrahlt wieder
Sa, 31.05.2003
Höhepunkt der Feierlichkeiten zur 300-Jahrfeier war die Übergabe des legendaeren Bernsteinzimmers an die Öffentlichkeit durch Bundeskanzler Schröder und Prasident Putin. Die Sowjetunion hatte bereits in den 80er Jahren mit der Restaurierung begonnen. Aber erst deutsche Sponsorengelder konnten das "achte Weltwunder" endgültig wieder in seiner alten Pracht erstrahlen lassen.
Der russische Präsidenten Putin und Bundeskanzler Schröder haben am 31. Mai 2003 zum Abschluss des 300. Stadtgeburtstages von Sankt Petersburg das legendäre Bernsteinzimmer der Öffentlichkeit feierlich übergeben. Ab 2. Juni können sich Besucherinnen und Besucher des Katharinen-Palastes persönlich einen Eindruck davon verschaffen.
Das wegen seiner Schönheit als "achtes Weltwunder" gerühmte Kunstwerk hat eine lange Geschichte: Im Jahre 1716 schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter I. mehrere Bernsteinpaneele. Andreas Schlüter hatte sie entworfen. Als Gegengeschenk soll der Preußenkönig. 55 "Lange Kerls" für seine Garde erhalten haben. Die Paneele wurden zunächst im Winterpalast des Zaren, der heutigen Eremitage, untergebracht. Rastrelli, der Hofarchitekt Katherinas der Großen, vereinigte sie 1755 im Sommerpalast in Zarskoje Selo (Zarenforf) zu einem völlig mit Bernstein ausgekleideten Zimmer. Es gilt in der Kunstgeschichte als Unikat. Rastrelli ergänzte die Bernsteinpaneele um wertvolle Mosaike mit allegorischen Motiven.
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Bundeskanzler Gerhard Schröder und Gattin Doris Schröder-Köpf während der ersten Besichtigung des neuen Bernsteinzimmers |
Deutsche Soldaten haben im Zweiten Weltkrieg das Bernsteinzimmer gestohlen. 1945 ist es in den Verliesen des Königsberger Schlosses (im heutigen Kaliningrad) das letzte Mal gesehen wurden. Dann verliert sich seine Spur. Bizarre Theorien und abenteuerliche Fantasiegeschichten ranken sich um den Verbleib dieses Zimmers. Wo liegen die Eichen-Paneelen mit den aufgeklebten Bernsteinstückchen wirklich, wo endete die Odyssee des bedeutendsten Kunstraubes der Nazi-Zeit? Trotz intensivster Recherchen wurde das Zimmer nie gefunden.
Die Sowjetunion hat mit der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers schon in den achtziger Jahren begonnen. Aber erst die 3,5 Millionen US-Dollar, die die Ruhrgas AG als Exklusivsponsor für die Fertigstellung des Projektes zur Verfügung gestellt hat, ermöglichten den Abschluss der Arbeiten zum Jubiläumsjahr 2003. Etwa 50 Restauratoren und Restauratorinnen schnitten ein halbe Millionen Bernsteinplättchen zum Nachbau der Wandtäfelchen. Rund sechs Tonnen des versteinerten Harzes wurden dabei verarbeitet. Ein Mosaik und eine aus dem Bernsteinzimmer stammende Kommode wurden im Jahre 2000 aus deutschem Privatbesitz an das Schloss zurückgegeben.

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Das Bernsteinzimmer. Das "Achte Weltwunder" wird von Bundeskanzler Schröder und dem russischen Präsident Putin am 31. Mai zum Abschluss des G 8-Gipfels eingeweiht. |
"Das Bernsteinzimmer war bisher ein Symbol der dunklen Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Seit heute aber ist es ein helles Symbol der guten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland", sagte Russlands Kulturminister Michail Schwydkoi am 17. Mai, dem Tag, an dem die Rekonstruktion offiziell beendet wurde.
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