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 Russland Land und Leute

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Sankt Petersburg gilt als eine der schönsten Städte der Welt. Historische Plätze, großzügige Prachtalleen, ein außergewöhnlicher Blick aufs Meer - diese Eindrücke bleiben bei den rund drei Millionen Gästen hängen, die jedes Jahr das "Venedig des Nordens" besuchen. Nicht zu vergessen die viel gerühmten "Weißen Nächte".
St. Petersburg ist mit ca. 4,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der russischen Föderation. Das historische Zentrum liegt auf mehrere Inseln verteilt. Die Inseln sind durch Brücken miteinander verbundenen. Auf dem Festland bildet der Newski-Prospekt die Hauptachse der Stadt. Alexander Newski war ein bekannter russischer Fürst. Peter der Große beauftragte die bedeutendsten Baumeister seiner Zeit mit der Ausgestaltung der neuen Residenz. Prachtvolle Paläste, Parks und großzügige Plätze entstanden.
 Sankt Petersburg
Der Gründungserlass Peters des Großen wird auf den 27. Mai 1703 datiert. Er hat Petersburg als erste europäische Stadt in Russland und sein "Fenster nach Europa" innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Zunächst ließ er im Newa-Delta Sümpfe trockenlegen und die heutige Peter- und Paulfestung bauen. 1712 löste Petersburg Moskau als Hauptstadt ab.
Die Geschichte St. Petersburgs weist viele Brüche auf: Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem führenden Wissenschafts- und Kulturzentrum in Europa. Petersburg ist die Stadt Puschkins, Dostojewskis und Tschaikowskis. Seinen Namen änderte die Stadt gleich drei Mal. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges kland der Name St. Petersburg in den Ohren der Russen viel zu deutsch. Deshalb wurde sie kurzer Hand in "Petrograd" umgenannt. Nach dem Tode Lenins hieß die Stadt 1924 dann Leningrad, um den Gründer der Sowjetunion zu ehren. Nach dem Ende der Sowjetunion erhielt sie nach einer Volksabstimmung 1991 schließlich wieder den alten Namen Sankt Petersburg zurück.
Im November 1917 begann hier die Okoberrevolution. Die bolschewistische Partei und ihre Anhänger putschten erfolgreich gegen die provisorische Regierung Kerenskis. Die Bolschewisten verlegten 1918 den Regierungssitz zurück nach Moskau. In Leningrad siedelte sich die Schwerindustrie an (Traktoren, Rüstungsindustrie). Das historische Erbe wurde vernachlässigt.
Im zweiten Weltkrieg, während der "Leningrader Blockade", belagerte die Deutsche Wehrmacht Leningrad fast 900 Tage. Der Blockade sind mehr als eine Millionen Menschen zum Opfer gefallen.
Wie andere Großstädte der ehemaligen Sowjetunion hat auch Sankt Petersburg mit wirtschaftlichen Transformationsproblemen zu kämpfen. Die Infrastruktur ist veraltet. Großbetriebe sind nicht mehr rentabel.
Aber Petersburg kann weiterhin den Anspruch erheben, Kulturhauptstadt Russlands zu sein: die Eremitage, das Mariinski-Theater oder das Orchester der Staatlichen Schostakowitsch Philharmonie genießen Weltruf.
Deutsche haben zur Entwicklung St. Petersburg im 18. und 19. Jahrhundert wichtige Beiträge geleistet: Viele der ersten Professoren kamen aus Deutschland, so der Mathematiker Euler und der Historiker Baier. Deutsch blieb lange Zeit die lingua franca der Wissenschaften. Auch deutsche Verleger, Unternehmer und Handwerker waren sehr erfolgreich.
Die Firma Siemens hat die elektrische Beleuchtung für den Newski-Prospekt entwickelt, deutsche Banken haben die erste Eisenbahnlinie Petersburg-Moskau finanziert. Die Beziehungen brachen nach dem Ersten Weltkrieg ab.
Heute ist Deutschland Haupthandelspartner für St. Petersburg. 2002 betrug das Volumen knapp 14 Prozent des Gesamtvolumens. In Petersburg und der Umgebung haben deutsche Firmen wie Knauf, Henkel oder Siemens bedeutende Direktinvestitionen getätigt. Das Interesse an deutscher Kultur und Sprache ist groß. Es gibt ein Goethe-Institut. Lektoren des DAAD sind an mehreren Hochschulen tätig.
Informationen zu historischen Plätzen in Sankt Petersburg
Russisches Museum (Marmorpalast)
Für ihren Favoriten Graf Orlow ließ Katharina II. 1785 den Marmorpalast von Antonio Rinaldi erbauen. Die Gestaltung des "Weißen Saales" mit den gänzlich marmorverkleideten Wänden ist in Russland einmalig. Der Palast war bis zur Oktoberrevolution Familiensitz der Großfürsten der Romanow-Dynastie.
Seit 1992 ist die Abteilung für Moderne Kunst des Russischen Museums im Marmorpalast untergebracht. Das Russische Museum, das von Zar Nikolaus II. als Erinnerung an seinen Vater Alexander III. gegründet wurde, verfügt über die weltweit größte Sammlung russischer Kunst, die von der Ikonenmalerei bis zur Gegenwart reicht.
Als Schenkung des deutschen Unternehmers und Kunstsammlers Peter Ludwig wurde 1995 im Marmorpalast das "Museum Ludwig im Russischen Museum" eröffnet, das eine Auswahl westeuropäischer und russischer Kunst von Picasso, Beuys, Warhol bis zur Kunst der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts umfasst. Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Museum Ludwig und dem vom Russischen Museum betriebenen Ausstellungsprojekt "Neueste künstlerische Entwicklungen" werden regelmäßig Wechselausstellungen moderner Kunst mit Schwerpunkt Deutschland gezeigt. Im Winter 2002 fand im Marmorpalast eine umfangreiche Werkschau Jörg Immendorffs statt.
Reiterstandbild Peters des Großen
Das Reiterstandbild, im Volksmund "Eherner Reiter" genannt, gilt als berühmtestes Denkmal Peters des Großen. Geschaffen wurde es vom französischen Bildhauer Etienne-Maurice Falconet zwischen 1766 und 1778.
Das Denkmal wurde von Katharina der Großen in Auftrag gegeben. Das Gesamtkonzept für das Monument und die Parkanlage hat der russlanddeutsche Künstler Juri Velten erarbeitet. Die lateinische Inschrift besagt lakonisch: "Für Peter den Ersten. Katharina die Zweite."
Peter der Große reitet auf einer stilisierten Woge, die die großen Veränderungen und Reformen unter seiner Herrschaft symbolisieren soll. Unter den Pferdehufen windet sich als Symbol für die besiegten Feinde Peters des Großen eine bronzene Schlange. Am Denkmal legen Hochzeitspaare heute Blumen nieder und lassen sich fotografieren.
Isaakskathedrale
Die Isaakskathedrale ist mit ihrer goldenen Kuppel eines der Wahrzeichen St. Petersburgs.
Dem Bau liegt ein Entwurf des französischen Architekten Montferrand zugrunde, der 1818 mit der Bauleitung beauftragt wurde. Aufgrund technischer Schwierigkeiten - es mussten allein mehr als 10 000 Baumstämme in den Sumpfboden eingelassen werden - zog sich das Bauvorhaben vierzig Jahre hin.
Bis zu 400 000 Menschen sollen direkt oder indirekt in den Bauprozess miteinbezogen worden sein. An der Innenausgestaltung der Kirche beteiligten sich namhafte russlanddeutsche Künstler wie der Maler Karl Brüllow, der die Kuppel ausgemalt hat.
Die Kathedrale kann bis zu 14 000 Menschen Platz bieten. Von ihrem Turm aus genießt man die beste Aussicht auf die Dächer St. Petersburgs. Nach der Revolution wurde die Kirche zu einem Museum, und nur zu besonderen Anlässen werden heute wieder Gottesdienste abgehalten.
Mariinski-Theater
Das Mariinski-Theater (in der Sowjetzeit: Kirow-Theater) erbaute der französische Architekt Albert Cavos auf dem Gelände des ehemaligen kaiserlichen Zirkus. Die Ähnlichkeit des Theaters mit der Dresdner Semper-Oper ist nicht zufällig - Gottfried Semper war einer von Cavos' Vorbildern.
In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der russlanddeutsche Architekt Schröter damit beauftragt, das Gebäude wegen akuter Platznot um zwei Flügelanbauten zu erweitern.
Das Mariinski gilt heute wieder als eines der führenden russischen Häuser auf dem Gebiet der Oper und des Balletts. Es gastiert unter seinem Chefdirigenten Valerij Gergiew regelmäßig in Deutschland.
Gergiew hat die erste komplette Inszenierung von Richard Wagners "Ring" in Russland auf die Bühne gebracht. An der Produktion waren auch deutsche Dirigenten und Regisseure beteiligt. Für seine Verdienste um Wagners Werk, dessen Opern in der Sowjetunion geächtet waren, wurde Gergiew mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Konstantinspalast in Strelna
Peter I. selbst wählte den am finnischen Meerbusen gelegenen Ort als Sitz seiner ersten Residenz außerhalb der Stadt. Der Ort Strelna liegt strategisch günstig auf dem Weg von St. Petersburg zur Garnisonsstadt Kronstadt.
Man vermutet, dass die Planung der Schlossanlage auf eigenhändige Skizzen des Zaren zurückgeht. Ein Entwurf des französischen Architekten Leblond diente als Grundlage für den Bau des Schlosses.
Peter I. verlor bald Interesse an dem Projekt in Strelna und schenkte den Bau seiner Tochter. Der Palast wurde von der Zarenfamilie jedoch nicht genutzt und war deshalb in kürzester Zeit in einem so maroden Zustand, dass von Besuchen abgeraten werden musste.
Paul I. schenkte die Anlage seinem Sohn Konstantin, nach dem der Palast bis heute benannt ist. 1803 wurde der Palast durch einen Brand stark beschädigt. Am Wiederaufbau und der Innenarchitektur waren maßgeblich zwei russlanddeutsche Architekten, Stakenschneider und Meier, beteiligt, die die beiden Prunksäle, den Blauen Saal und den Marmorsaal, ausgestaltet haben.
Während der deutschen Besatzung wurden das Schloss und der Park verwüstet. Erst unter der Präsidentschaft Wladimir Putins hat man damit begonnen, den Palast als Residenz für den Präsidenten und als Ort für Konferenzen wieder instand zu setzen. Mittel dafür stellten im wesentlichen private Spender.
Katharinenpalast in Zarskoje Selo (Puschkin)
In Zarskoje Selo (wörtlich: Zarendorf), 28 Kilometer im Südosten St. Petersburgs gelegen, stand eine der Sommerresidenzen der Zaren. Peter I. (Peter der Große) hatte das Gelände selbst aufgrund der für Parkanlagen idealen Bedingungen ausgewählt. Den dort errichteten ersten Palast baute der italienische Architekt Rastrelli zwischen 1740 und 1750 in eine einheitliche Palastanlage um, indem er die einzelnen Gebäude durch Galerien miteinander zu einem 900 Meter langen Komplex verband. Die großräumigen Zimmerfluchten wurden bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts im jeweiligen Zeitgeschmack dekoriert. Der Große Saal wird heute wieder für Bälle und Konzerte genutzt. Auf dem Weg zum Arbeitszimmer des Zaren Alexander I. kommt der Besucher am Bernsteinzimmer vorbei. Der schottische Architekt James Cameron gestaltete im streng klassizistischen Stil die letzten Räume aus. In dem Schlosspark, an dessen Gestaltung sich Cameron auch maßgeblich beteiligte, befinden sich nicht nur künstliche Ruinen und die Kleine Eremitage ("Einsiedelei"), sondern darüber hinaus ein von dem russlanddeutschen Architekten Juri Velten erbautes Chinesisches Dorf.
Nach dem Ende der Zarenherrschaft wurde der Palast zu einem Museum. Während der Besetzung Zarskoje Selos durch deutsche Truppen wurden Teile des Schlosses und des Parks zerstört. Der Wiederaufbau begann zügig nach dem Ende der Besatzung im Januar 1944.
Eremitage
Das Museum "Staatliche Eremitage" befindet sich in einem verzweigten Gebäudekomplex, bestehend aus dem Winterpalast, der Alten und Neuen Eremitage. Der Winterpalast, den Hofarchitekt Rastrelli gebaut hat, diente als Stadtresidenz der Zaren. Der Architekt de la Mothe baute die Alte Eremitage. Der bayerische Hofarchitekt Leo von Klenze konzipierte die Neue Eremitage im Auftrag des Zaren Nikolaus I., mit dem er ausführlich über das Projekt korrespondierte. Die Neue Eremitage war bereits im 19. Jahrhundert der Öffentlichkeit zugänglich, der Winterpalast wurde es nach der Oktoberrevolution.
Die Sammlungen gehen auf Erwerbungen Katharinas der Großen zurück, deren Privatsammlung 2000 Gemälde zählte. Weltberühmt sind die Madonnen Leonardo da Vincis und Raffaels. Einen besonderen Höhepunkt bildet die Rembrandt-Sammlung, die größte außerhalb der Niederlande. Da Nikolaus I. ein Bewunderer Caspar David Friedrichs war, sind auch die deutschen Romantiker mit einigen Gemälden vertreten. Nach der Oktoberrevolution kamen Werke französischer Impressionisten und Henri Matisses aus Privatsammlungen hinzu, deren Besitzer enteignet worden waren. Neben Gemälden umfasst die Sammlung der Eremitage auch Skulpturen, Antiquitäten und eine Schatzkammer mit antiken Goldschmiedearbeiten aus der Schwarzmeerregion.
Schloss Peterhof (Petrodworetz)
Auch für die Palastanlage in Peterhof fertigte Peter I. selbst die ersten Entwürfe, die der deutsche Architekt Johann Friedrich Braunstein ab 1713 umsetzte. Das heutige Bild prägt der große Palast, den der französische Architekt Leblond erbaut hat. Der Palast liegt direkt über der 18 Meter hohen Kaskadenanlage mit ihren berühmten Wasserspielen. Diese Kaskade gilt mit 225 vergoldeten Bleiskulpturen als eine der größten Brunnenanlagen der Welt. Den Park dominiert die Skulptur "Samson zerreißt den Löwen", die 1734 in Erinnerung an den historischen Sieg über die Schweden bei Poltawa eingeweiht wurde.
Der Park von Peterhof bietet verschiedene architektonische Kleinode: Das von Braunstein entworfene Schlösschen Monplaisir war der Ort, den Peter für seine Trinkgelage bevorzugte. Braunstein baute auch die in dem Park befindliche Eremitage, einen kleinen Pavillon mit Wassergraben und Zugbrücke und, nach Entwürfen von Leblond, das Palais Marly.
Während der Blockade Leningrads durch deutsche Truppen wurden die Anlagen bei Artillerieduellen fast vollständig zerstört. Die Innenreinrichtung konnte man jedoch evakuieren; die wichtigsten Skulpturen wurden im Park vergraben.
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