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 Deutsche in Wjatka/Kirov Geschichte

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1418 Tage des Großen Vaterländischen Krieges umfassen so viel, dass sie auch heute, 55 Jahre danach, nicht leicht ihre Geheimnisse verrraten. Eine der wenig erforschten Seiten der Geschichte des vergangenen Krieges geht den Aufenthalt kriegsgefangener Soldaten und Offiziere der Wehrmacht auf dem Wjatka-Boden an.
Auf dem Wjatka-Boden wurden die Wehrmachtsoldaten behandelt und umerzogen
Aus den Büchern und Filmen kennen wir die Lage sowjetischer Kriegsgefangener in faschistischen Lagern. Die Hitlerschen Direktiven verordneten alle Kriegsgefangenen zu vernichten, die für den Nazismus gefährlich sein konnten - Kommissare, Russen, Intellektuellen, Juden usw. Auf keine Weise zu vergleichen mit diesen verbrecherischen Befehlen ist die "Verfügung über Kriegsgefangene", angenommen vom Rat der Volkskommissare der UdSSR am 1.Juli 1941. Dementsprechend war verboten, Kriegsgefangene zu beleidigen, sich ihnen gegenüber zu benehmen; es wurde verordnet, sie mit Kleidung, Nahrungsmittel zu versorgen; in der medizinischen Betreuung wurden sie den Militärpersonen der Roten Armee gleichgesetzt.
In örtlichen Archiven sind Zeugnisse über die Unterbringung auf dem Territorium der Region in den Kriegsjahren von acht Sonderspitälern für Kriegsgefangene erhalten geblieben: in den Rayons Belaja Choluniza, Werchnekamsk, Werchoschishemje, Wjatskije Poljany, Oritschi, Chalturin und Faljonki.
Man bereitete sich auf die Ankunft ausländischer "Gäste" vor: Territorien von Spitälern wurden umzäunt mit Wänden von 2,5 m hoch und Stacheldraht oben, es wurden Wachtürme aufgestellt, Bewachungshäuser, zweirängige Pritschen wie in einem Waggon.
Unter dem "Spezkontingent" (Sonderbestand an Menschen - Übers.) gab es Intaliener, Deutsche, Ungarn,Rumänen, Österreicher, Tschechen, Polen, Juden, als auch Russen, die bei den Deutschen gedient hatten, und die "Wlassower". Hier waren auch ehemalige Rotarmisten. Die politischen Berichte erklärten, auf welche Weise sie zu "Fremden unter unseren" geworden waren: "Die absolute Mehrheit unter ihnen befand sich in den Kriegsgefangenenlagern zu jener Zeit, als die Rote Armee die feindliche Armee umrungen hatte, auf diese Weise wurden sowohl feindliche Soldaten, als auch ehemalige Rotarmisten gefangengenommen..." Sie standen auch unter Bewachung, hatten kein Recht auf den Briefwechsel mit der Verwandtschaft und durften nicht, mit Krankenschwestern und -pflegerinnen zu sprechen. Sogar das einfachste "Guten Tag" wurde nicht gestattet. (Erinnern Sie sich wohl an Andrej Sokolov aus der Erzählung von M-.Scholochov "Eines Menschen Schicksal"? Er, geflüchtet aus deutscher Gefangenschaft mit einem deutschen Auto in einer deutscher Uniform, wurde ernährt, im Bad gewaschen, er bekam einen Urlaub nach Hause. Ob man dem Klasssiker glauben darf?)
In der ersten Hälfte 1943 war die Sterblichkeit in Sonderspitälern sehr hoch. Der Dystrophie gesellte sich der Typhus. Zusammen mähten sie Hunderte. (Im Sonderspital Nr. 3947 in Pischtschalje starben 1943 97, im Nr. 1773 in Bystrjagi - 280 Menschen.) Mehrheit der Vberstorbenen waren Italiener und Ungarn. Unter ihnen herrschte eine vollständige Schwermut. Es schien, dass das Wjatka-Klima zu hart war und dass sie es nicht austragen konnten.
Die Thyphusepidemie erfasste auch das Personal, nicht selten mit Todesfällen.
Doch, wie es die politischen Berichte mitteilten, arbeitete das medizinische Personal aufopferungsvoll. Die Menschen von Wjatka sind mitleidsvoll und nicht rachsüchtig. Obwohl es strengstens verboten worden war, brachten sie Brot und Gemüse für schwache und leidende ehemalige Feinde.
Zum Sommer 1943 wurde die epidemische Lage günstiger. Und gegen Herbst starben bereits nicht hunderte, sonder 3-10 Menschen in jedem Spital pro Monat.
Und die Dystrophie bewältigte man auch. Bei der Versorgung mit Lebensmitteln wurden die Kriegsgefangenen den Rotarmisten der Hinterfronteinheiten gleichgesetzt. Und dies gab es in den politischen Benachtrichtigungen über unsere Landsleute: "Ärzte und Krankenschwester, die kranke Kriegsgefangenen behandeln und pflegen, bekommen keine Verpflegungsration, sie begnügen sich damit, was man ab und zu nach Ordnern runterlässt. Diese Ordner werden meistens nicht mit Waren versorgt, und die Ernährung von Ärzten und der medizinischen Bedienung ist nicht befriedigend... Es gab Fälle, wann die Pflegerinnen und Büffetmitarbeiter Reste nichtgegessener Nahrung verzehrt hatten. Dagegen wird ein entsprechender Kampf geführt." Es scheint, dass sich die Mächte gegenüber dem gestürzten Feind besser benommen haben, als zum eigene Volk.
Über den moralischen Zustand der Kriegsgefangenen wurde in politischen Berichten folgendes mitgeteilt: "Intaliener, Ungarn, Juden, Rumänen, Polen sind sehr zufrieden, dass sie in russische Gefangenschaft geraten sind. Die absolute Mehrheit ist überzeugt, dass sie am Leben bleiben und nach Hause zurückkehren. Sie sagen, dass "Mussolinin und Hitler kaputt sein werden." "Lustig und zufrieden erzählen sie, dass sie nicht hätten kämpfen wollen, dass sie Deutsche hassen dafür, dass die über sie herzlos gespottet hätten." Und als im Juli 1943 die Nachricht über den Sturz von Mussolini und dem Ausgang Italien aus dem faschistischen Block gekommen war, gerieten die Italiener noch mehr in Begeisterung. Sie forderten, dass man sie mit Deutschen in verschiedene Baracken unterbrächte, und äußerten den Wunsch, gegen die Faschisten zu kämpfen. In diesem Wunsch waren mit ihnen auch Rumänen einig.
"Die Deutschen, - meldete der politische Leiter, - sind erstens nicht offen, zweitens neugierig und interessieren sich für die Lage der Gegend... Unzufrieden, dass man ihnen nicht erlaubt, über neutrale Länder Briefe an ihre Verwanten zu übersenden..." Diese Kriegsgefangenen glaubten an die Niederlage ihres Landes nicht und hielten die Erzählungen über die Erfolge der Roten Armee für "Moskauer Propaganda."
Und so lange sich die Italiener, Polen, Rumänen, Tschechen über unsere Siege erfreuten und vom schnellen Rückkehr nach Hause träumten, führten die Deutschen in ihren Kammern folgende Gespräche (Sonderspital Nr. 3941 in Werchoschishemje):
- Was werden wir machen, wenn sich deutsche Landungstruppen am Spital zeigen?
- Wir öffnen Türen, gehen auf die Straße, rechnen mit der Spitalleitung und dem Bedienungspersonal ab.
- Und was machen wir mit den Italienern?
- Hängen die auf die Telefonmäste.
Politische Leiter, sich mit der gewöhnlichen Agitations- und Propagandaarbeit beschäftigend, versuchten die "Fritzen" (Spottname für Deutsche in Russland - Übers.) umerziehen: machten sie mit der Lage an Fronten bekannt, erzählten über Greueltaten der Faschisten in den okkupierten Rayons, über die Stalinsche Verfassung, den Kolchosbau, die Stachanov-Bewegung. Sie brachten Zeitungen, darunter in deutscher, rumänischer, ungarischer, italienischer Sprache.
Nach dem Krieg wurden die Sonderspitäler aufgelöst, ihre Patienten kehrten in ihre Heimat zurück. Das letzte Sonderspital Nr. 2047 auf der Eisenbahnstation Pinjug wurde im Oktober 1949 geschlossen. Nach 1949 und bis 1955 blieben in den Lagern nur jene Kreigsgefangenen, die wegen krimineller Verbrechen verurteilt worden waren. Und für immer blieben in der Wjatkaer Erde jene, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten.
Am 1.April 1996 erließ die Administration der Region Kirov eine Verordnung zur Vollstreckung des Beschlusses der russischen Regierung vom 13.Januar 1995 "Über die Maßnahmen zur Realisierung der Zwischenregierungsabkommen über die Gewährleistung der Bewahrung und Ordnung des Unterhalts von russischen (sowjetischen) Militärnegrabungen im Ausland und der ausländischen Militärbegrabungen in der Russischen Föderation". Als Anlage an diese Liste gab man ein Verzeichnis der Friedhöfe ausländischer Kiregsgefangener auf dem Territorium der Region Kirov, worin die Begrabungen in der Nähe von den Siedlungen Pischtschalje und Werchoschishemje, in der Stadt Wjatskije Poljany, wo Sonderspitäler während des Krieges untergebracht worden waren, nicht angegeben sind. Das ist ein braches Land für örtliche Historiker und Heimatforscher, die berufen sind, "weiße Flecken" in der Geschichte unserer Region zu tilgen.
E.Tschudinowskich
(Zentrum für die Dokumentation der neuesten Geschichte der Region Kirov)
Abgedruckt in der regionalen Zeitung: Wjatskij Kraj. - 2000. - 20.Januar. - Nr.13 (2221). - S.6.
Übersetzung. A.Makarov - Kirov, 2000.
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