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kamtschatka.htm
Ein Leben lang Wildnis
Text und Bild: Wladimir Rjabkow
Für Korjaken
auf Kamtschatka sind Jagd und Fischfang immer noch einzige
Wohlstandsquelle
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Der russische Fotograf Wladimir Rjabkow hat zwei Helden: den
Menschen und die Natur. Nicht Städte, Fabriken, Denkmäler oder gewaltige Brücken
interessieren ihn bei seinem Blick durch den Sucher, denn "die sind weltweit
ähnlich", meint der 49-Jährige. |
Doch die Vielfalt der menschlichen Gesichter, Traditionen, Gesten und Verhaltensweisen sowie die unerschöpfliche Kreativität der Umwelt, in der sie leben, sei nicht kopierbar und nicht wiederholbar. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf pirschte der Fotograf jahrelang durch den Norden seiner russischen Heimat. Er nahm die Beringstraße ins Visier, fuhr an die Ostsee und hinauf zum Eismeer. Entstanden sind so etwa 300 Aufnahmen von Menschen, Tieren und Landschaften - ein Kaleidoskop des riesigen Vielvölkerstaates.
"Schönes Russland" hat Wladimir Rjabkow seine Sammlung genannt, die er nun zusammen mit seinem deutschen Geschäftsfreund Richard Ernst Kasulke als Buch herausgegeben hat. "Der Titel hat zweifellos seine Berechtigung, denn Russland ist ein aufregend schönes Land", meint der gelernte Ingenieur Kasulke, der seit mehr als zehn Jahren in Moskau lebt. Er war oft zusammen mit Rjabkow durch die schönsten Gegenden des Landes gefahren. Unterwegs sahen sie Flüsse im Magadaner Gebiet, die bei 50 Grad minus bis auf den Grund zugefroren waren. Sie begegneten am jakutischen Flecken Ojmjakon Menschen, die am Kältepol des Landes ausharrten. Alte Mütterchen buken ihnen einen "Sibirskij Rybnik", die traditionelle Fischpirogge aus Russlands hohem Norden und dem Fernen Osten.
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"Das Fotoalbum soll ein Beitrag sein, die unendlichen Weiten dieses Kontinentes bildlich darzustellen", meint der deutsche Mitinitiator der Bildersammlung.
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Den Westeuropäern soll es "in unserer Zeitenwende ein besseres Verständnis für Russland geben". Die heutigen westeuropäischen Generationen kennen sehr viel voneinander, meint der 61-Jährige. "Doch gleichzeitig wissen sie so wenig über den großen Nachbarn im Osten des gemeinsamen Kontinentes. Das ist bedauerlich und betrüblich." Die Zeitenwende könne nicht an den heutigen Grenzen der EU Halt machen, Russland müsse unter Berücksichtigung seiner nationalen Interessen, seiner Würde und seiner kulturellen Besonderheiten integriert werden.
Einen Ausschnitt der kulturellen Vielfalt des Riesenreiches im Osten stellt die MDZ auf diesen beiden Seiten mit einigen Bildern Wladimir Rjabkows vor. Dabei haben wir eine der exotischsten Gegenden Russlands ausgewählt - das Korjakenland auf der Kamtschatka-Halbinsel. Dieser Autonome Bezirk zwischen Beringstraße und Ochotskischem Meer ist fast so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, doch leben dort nur rund 30 000 Bewohner. Auf zehn Quadratkilometern verirrt sich durchschnittlich nur ein Mensch. Die Rubrik "Größte Städte" auf der Internetseite der Region verzeichnet keinen Eintrag. Lediglich eine "Siedlung städtischen Typs" gebe es dort, so die Autoren der Website. Sie meinen damit Palana, den Hauptort des Bezirks, der 12 866 Kilometer von Moskau entfernt ist. Wenn abends im Kreml die Lichter ausgehen, sind die Korjaken längst wieder auf den Beinen. Russland ist hier ganz weit weg, San Francisco liegt näher als Moskau. Neun Stunden Zeitunterschied liegen zwischen der russischen Kapitale und dem fernen Land der Rentiere. Kein Wunder, dass die Region in den Nachrichtenspalten nur ganz selten auftaucht. Wenn, dann meist mit negativen Superlativen. Etwa, weil Korjakien prozentual die meisten Arbeitslosen hat, die niedrigsten Einkommen oder die höchsten Preise für Grundnahrungsmittel.
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Nur noch jeder sechste Bewohner gehört heute zu den Korjaken, den eigentlichen Ureinwohnern dieses Landstrichs. Zwei Drittel dagegen sind Russen, auch eine kleine Minderheit der Tschuktschen und der Itelmenen siedeln in dem unwirtlichen Gebiet im äußersten Osten Russlands. Sie alle leben fast überwiegend von der Elchzucht oder vom Fischfang - Lachse und Heringe tummeln sich in rauhen Mengen in den Gewässern rund um die Halbinsel.
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Weitere Einkommensquellen sind die Jagd und die Rentierzucht. Straßen oder Wege sind hier so selten wie Besucher aus dem fernen Europa - auf Tausend Quadratkilometern gibt es laut Statistik nur 200 Meter Straßen. Aber Geschwindigkeiten und Entfernungen sind sowieso relativ in dieser Gegend, in der die Wildnis konserviert wurde, wie kaum irgendwo sonst in Russland.
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