Der Untergang
1896 wurden in der Moskauer Uspenski-Kathedrale Nikolaus II. aus dem Hause Romanow und seine Gattin Alexandra als Zarenpaar gekrönt. Sie sollten die letzten Zaren sein. Bis zu ihrem Untergang lebte die Zarenfamilie in einer anderen Welt, mied die Öffentlichkeit und zog sich ins Private zurück.

Zar Nikolaus II. hielt sein Volk auf Distanz
Katastrophe beim Krönungsfest
Nach dem Tod Alexander III., der Russland mit eiserner Hand regiert hatte, trauten nur wenige seinem Sohn Nikolaus zu, ein geeigneter Nachfolger zu sein. Erstes Kopfschütteln löste bei den Kritikern der Zarenentschluss aus, sich aus dem prachtvollen Katharinen-Palais und dem Winterpalast in den weniger prunkvollen Alexander-Palast zurückzuziehen. Bei der Krönung der letzten Romanow-Zaren wurden jedoch keine Kosten und Mühen gescheut. Überschattet wurde das Krönungsfest von einer Katastrophe. Das Volk feierte auf den Chodynka-Wiesen. Als unter der Menge eine Panik ausbrach, wurden mehrere Tausend zu Tode getrampelt. Das Zarenpaar wollte die Feierlichkeiten abbrechen, die Familie jedoch war dagegen. Sie legte damit den Grundstein für eine Mauer zwischen dem Zarenhaus und dem Volk, die das Zarenpaar in den folgenden Jahren immer höher zog.
Paläste als Museen
Nikolaus II. und Alexandra mieden nicht nur den Kontakt zum Volk, auch der Petersburger Gesellschaft und sogar der eigenen Familie gingen sie aus dem Weg. Die Prunkräume in den großen Schlössern standen meist leer. Sie glichen Museen. 1903 fand im Winterpalast der letzte große Ball statt, ein Kostümball. Während jedoch im Palast getanzt wurde, streikten draußen im Land die Arbeiter, zog im Fernen Osten Kriegsgefahr herauf. 1905 brach der Russisch-Japanische Krieg aus. Im selben Jahr kam es im russischen Reich zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und der Armee. Nikolaus sah sich daraufhin gezwungen, eine Verfassung und eine parlamentarische Demokratie zu garantieren.

Beisetzung der Zarenfamilie, Opfer der Oktoberrevolution
Die Distanz blieb
Im Jahre 1913 erstrahlte noch einmal, zum letzten Mal, der alte Glanz der Romanows. Doch die Feierlichkeiten anlässlich des dreihundertjährigen Bestehens der Romanow-Dynastie konnten nicht das zurückbringen, was durch die Distanz der Zarenfamilie zu ihren Untertanen verspielt worden war: die Ehrerbietung vor einem Monarchen, der in Russland sogar ein Tyrann oder wenigstens ein Autokrat sein durfte.
Späte Beisetzung
Die Oktoberrevolution 1917 bedeutete den endgültigen Untergang der Zarenfamilie. Die Romanows wurden zunächst verbannt und schließlich in Jekatarinburg jenseits des Urals ermordet. 81 Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste in der Peter- und Pauls-Festung in Petersburg beigesetzt.
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