Die Transsib
Was es in Amerika und Kanada bereits gab, sollte nun auch Ausgang des 19. Jahrhunderts in Russland entstehen: eine transkontinentale Eisenbahnverbindung. Unter unvorstellbaren Bedingungen entstand mit der Transsibirischen Eisenbahn, die von Moskau nach Wladiwostok führte, die mit fast 9.300 Kilometern längste Eisenbahnstrecke der Welt.

Initiator Alexander III., mörderisches Unterfangen
Ein eigennütziger Vorschlag
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der amerikanische Millionär Perry M. Collins in Petersburg den Plan unterbreitet, am Amur eine Eisenbahnlinie zu bauen. Es war ein ganz eigennütziger Vorschlag, um amerikanisches Unternehmertum nach Sibirien zu bringen. Es dauerte aber noch bis 1886, ehe mit den Planungen für diesen Bau begonnen wurde. Nikolaus, dem Sohn Alexander III. und späterer Zar Nikolaus II., war es vorbehalten, am 19. Mai 1891 in Wladiwostok den symbolischen Spatenstich für den Baubeginn der Transsib vorzunehmen.
Mit Säge und Spitzhacke
Um die Kosten niedrig zu halten, gingen die Erbauer schon im Vorfeld Kompromisse ein, die sich später rächen sollten. So sollte nur eingleisig gebaut werden, beim Material - Schwellen, Schotterbett und Gleise - ging man an die Grenzen des Vertretbaren. Die Strapazen für die Arbeitskräfte, darunter Tausende von Sträflingen, waren unvorstellbar. Arbeitsbedingungen, klimatische Verhältnisse und die primitiven Arbeitsmittel - Säge, Spitzhacke, Schaufel und Schubkarre - sorgten dafür, dass viele während der Bauzeit starben. Ständig waren Trupps unterwegs, um die vielen Fehler und Mängel zu beheben. Dennoch fuhr erstmals im Jahre 1906 der Sibirienexpress von Moskau nach Wladiwostok.

Stolz der Russen: Transsib, Bahnhof in Irkutsk
Französisches Geschenk?
Russland war hoch verschuldet, die Finanzierung des Unternehmens verlief trotzdem recht reibungslos. Sergei Witte, damaliger russischer Finanzminister, schuf Überschüsse im Haushalt, in dem er Auslandsanleihen als Einnahmen deklarierte. Vor allem die Beziehungen zu Frankreich ermöglichten es, die notwendigen Gelder aufzubringen. Über die Rückzahlung des fremden Kapitals liegt der Mantel des Schweigens. Die Frage, ob die Transsib ein unfreiwilliges Geschenk Frankreichs an Russland war, bleibt unbeantwortet.
Der Wilde Westen lässt grüßen
Mit dem Bau der Transsib veränderte sich das Leben in Sibirien schlagartig. Als die westsibirischen Abschnitte eröffnet wurden, setzte eine wahre Einwanderungsflut ein. Jedes Jahr im Mai brachten Sonderzüge die "Auswanderer" über den Ural. Die Regierung unterstützte die Besiedlung Sibiriens und bot günstige Fahrpreise an. Die Siedlungswelle in Sibirien wurde immer mit der Eroberung des Wilden Westens in Amerika verglichen.
|