Unbekanntes Moskowiterreich
Was ist Anfang des 16.Jahrhunderts über das Land im Osten bekannt? Und über jene, die es beherrschen? Mehr als wir heute denken. Neben vielen phantastischen Geschichten, die über das ferne Moskowiterreich in Umlauf sind, gibt es auch die recht glaubhafte Beschreibung eines Reisenden.

Zoe-Büste, Uspenski Kathedrale
Ausführliche Reiseberichte
Es ist der österreichische Gesandte Sigismund von Herberstein, der seine Zeitgenossen mit einem ausführlichen Bericht über seine Reise zu den Moskowitern fasziniert und Neugier weckt. Ein beschwerlicher Weg liegt hinter ihm, als er 1526 den Kreml erblickt. Aus dem anfänglich kleinen Moskauer Fürstentum - einer Insel in dichten Wäldern - wird ein beachtlicher Staat. Das westlich orientierte Nowgorod ist erobert. Nur der Weg nach Osten ist noch durch das feindliche Tatarenkhanat Kasan versperrt. Dahinter liegt unbekanntes Land.
Wertvolle Geschenke
Von Konstantinopel, dem alten Byzanz, war der Anspruch nach Größerem gekommen. In Gestalt einer Frau, Zoe, Nichte des letzten byzantinischen Kaisers. Aus ihr wird Sofija. Ihre Geschenke an den künftigen Gemahl: Wertvoll geschmückte Ikonen. Ein kunstvolles Behältnis für ein Kreuz aus purem Silber und ein einmaliger Thron aus reinem Elfenbein, eine westeuropäische Arbeit. Die späteren Zaren halten ihn stets hoch in Ehren. Und seit der Heirat glänzt auch in Moskau der Doppeladler.
Westliche Einflüsse
Zoe war in Italien aufgewachsen; dort erlebte die Renaissance gerade ihre erste Blüte. Der reisende Herberstein stellt 50 Jahre später fest, dass die Moskauer Großfürsten nicht hinter dem Mond leben. Er reitet am kunstvoll geschmückten Facettenpalast vorbei und er erblickt die gewaltigen Dimensionen der Uspenski Kathedrale, der Krönungskirche aller späteren Zaren. Die Pracht der Kirchen und Paläste setzt ihn in Erstaunen. Die westlichen Einflüsse sind unverkennbar. Baumeister aus Italien hatten sichtbare Zeichen gesetzt. Herberstein ist tief beeindruckt von dem steinernen Ensemble, das - wie man ihm erzählt - aus einer einfachen Holzfestung emporgewachsen war.

Paradesaal im Facettenpalast, russische Ikonenmalerei
Vergleiche mit Rom und Florenz
Der Glanz des großen Paradesaals im Facettenpalast verschlägt ihm den Atem. Die russische Regierung schätzt auch noch heute dieses Ambiente bei Empfängen. Herberstein hatte viele westliche Fürstenhöfe kennengelernt, doch diese Pracht übertrifft alles. Ausführlich notiert er seine Eindrücke und zieht Vergleiche mit Rom und Florenz, den schönsten Städten, die er kannte. Sein Buch wird ein Bestseller.
Einzigartige Schätze
Den ältesten und ursprünglichsten Raum im Moskauer Kreml bekommt heute kein Tourist zu sehen, Herberstein dürfte ihn gekannt haben. Am Hof von Moskau zeigt man Fremden gern, was man hat. Der Gast aus dem Westen wird herumgeführt. Und er darf sich frei bewegen. Deshalb ist sein Bericht auch so lebendig. Nichts entgeht seinen Blicken. Das goldene Tafelgeschirr, die üppigen Speisen, Gastgeschenke wurden schon damals zur Schau gestellt.
Herberstein ist nicht nur vom weltlichen Glanz beeindruckt. Auch Kirchen und Klöster verbargen hinter ihren Mauern einzigartige Schätze. Meisterwerke russischer Ikonenmalerei von Andrej Rubljow waren zu Herbersteins Zeiten bereits über hundert Jahre alt. Sie gehören heute zu den ältesten und wertvollsten Zeugnissen einer Welt.
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