2003_pomelowa.htm
© Е.W.Pomelowa (Kirow)
Assistentin des Lehrstuhls für Fremdsprachen der Wjatkaer stattlichen humanitären Universität

Johann Gottlieb Wilhelm Treuter -
Das poetische Schaffen des Sohnes von Johann Wolfgang von Goethe


In den Materialien der regionalen wissenschaftlich-praktischen Konferenz, die der 150-jährigen Wiederkehr der Geburt des bekannten Wjatkaer Aufklärers Grigori Ewsejewitsch Wereschtschagin gewidmet war, "Die materielle und geistige Kultur der Wolga- und Uralvölker: Geschichte und Gegenwart", veröffentlicht von der Glasower staatlichen pädagogischen Hochschule "W.G.Korolenko" gibt es auch mein Material unter dem Titel "J.W.von Goethes Nachkommen im russischen Norden" (2001). Der Artikel ist dem Leben und der Tätigkeit des natürlichen Sohnes Goethes Johann Gottlieb Wilhelm Treuter gewidmet, der viele Jahre in Russland arbeitete, zum russischen Staatsbürger wurde und den eigenen deutschen Namen durch den russischen "Wassilij Wassiljewitsch" austauschte, und seinen Nachkommen, manche von ihnen wohnen zur Zeit in den Städten Kirow und St.-Petersburg. In diesem Artikel möchten wir uns solche wichtige und nicht untersuchte Seite des Lebens Johann Gottlieb Wilhelms (bzw. Wassilij Wassiljewitsch) Treuter wie seine Poesie ansehen. Es stellt sich heraus, der Sohn Goethes verfügte über eine nicht geringe poetische Gabe. Solche Schlussfolgerung zu ziehen, erlaubt uns die Bekanntschaft mit manchen seiner Werke, die deutsch geschrieben sind.

Wir bieten der Aufmerksamkeit des Lesers eine Reihe von deutschen Gedichten W.W.Treuters an, die es sich im Artikel der Urenkelin Treuters Ekaterina Aleksejewna Treuter, die heutzutage in St.-Petersburg wohnt, gibt (Treuter Е.А. Aus der weimarischen Umgebung Goethes // Russland und Westen: Aus der Geschichte der literarischen Beziehungen. - L., 1973. - S. 208-219). Die Übersetzung der Werke W.W.Treuters aus dem Deutschen ins Russische ist von uns gemacht.


AM NEUEN JAHR 1807

Oft Geschiedner, kehrst Du wieder
Nach der lang enteilten Zeit
Sei Willkommen! Steige nieder
Aus der Nacht der Ewigkeit!
Doch erwarte nicht Gesaenge,
Keinen freudevollen Ruf,
Der noch Glück und Freude klänge,
Den sonst dein Erscheinen schuf.

Jene Zeiten sind verloren,
Graue Ewigkeit verleibt!
Andre Zeiten sind geboren,
Die mit Unheil sind beweibt! -
Siehst Du jenen kräft'gen Alten,
An die Eiche dort gelehnt,
Schmerzen ihm im Busen wallten,
Dass er furchtbar kläglich stöhnt.

Kennst Du dieses würd'ge Wesen?
Mit ihm fühlend klagst Du: Nein!
Als er Jüngling noch gewesen,
Kehrst Du froehlich bei ihm ein!
Monde schufen ihn zum Greisen,
Kummer hat sein Haupt gebleicht,
Dass er statt mit frohen Weisen,
Klagend nun durch Wälde schleicht.
(1807)

  Nicht erkennst Du diesen hohen
Schutzgeist vaterländ'scher Flur!
Seine Kraft ist ihm entflohen
Seit ein Gott sein Elend schwur.
Und sein Schutzland ist verändert,
Unerkennbar ist es jetzt!
Da ein Fremder es geändert
Und ihm neue Ordnung setzt.

Können wir Dich froh begrüßen,
Da das Vaterland jetzt weint!
Wir den Fremden weichen müssen,
Die sich gegen uns vereint!
Doch bringst Hoffnung Du uns wieder,
O! so zaudre nicht und sprich!
Frohe, nie gehörte Lieder
Grüßen denn statt Klagen Dich!

Ja! So hört doch meine Worte,
Die durch mich der Gott jetzt spricht:
Ausgetobet hat die Horde,
Die frech jede Grenze bricht!
Mein Erscheinen ist ihr Scheiden.
Auf! Erwacht zu neuen Freuden.
Bald vertreibt der Reussen Arm
Jener frank'schen Tigerschwarm!




НА НОВЫЙ 1807 ГОД

После длительной разлуки
Новый год приходит к нам!
Прежде не было с ним скуки -
Были рады стар и млад.

Но не слышно больше песен
На немецкой стороне.
Времена переменились.
Враг царит во всей стране.

Посмотри! Вон прислонился
К ели пожилой тевтон.
Рана губит его тело,
Из груди - предсмертный стон.

А ведь был и он здоровым
И веселым молодцом.
И в сражениях кровавых
Слыл отчаянным бойцом.
  Не узнаешь ты ни поля,
Ни лесов, ни рек родных.
Красоту их враг коварный
Отнял. Силой утвердив

Свой закон, порядок новый
И «привольное житье»
Для сирот и вдов бездомных
В поле и в глуши лесной.

Все Отечество родное
Умывается слезой.
Уступаем вражьей силе,
Окружившей нас стеной

Подари же нам надежду
Долгожданный Новый Год!
Принеси победу Миру
Над французскою ордой!


(Ob der Dichter voraussehen konnte, dass seine ethnischen Nachkommen zweimal im 20.Jahrhundert als eine "Horde" über ganz Europa gehen werden und unzühlige Leiden Millionen Menschen in der ganzen Welt bringen?!) Wie es aus diesem Gedicht ersichtlich ist, vergaß W.W.Treuter seine erste Heimat Deutschland nicht, interessierte sich lebendig für politische Ereignisse in Europa. Mit einem scharfen politischen Gefühl, dem Vorgefühl tragischer Veränderungen, die im Stande sind, auch Russland zu ergreifen, ist sein Grdicht "Bonaparte" durchtrunken.


BONAPARTE

Wie ihn nennt, den Corsen, dereinst die deutsche Geschichte,
Darob grübelst Du, Freund! Schwer verlegnen Gesichts?
Kluges Ungeheuer ist wahrlich der passendste Namen,
der ihm vom Freunde und Feind' ob seiner Taten gebührt!
(1806-1807).



БОНАПАРТ

Под именем каким в историю войдет сей корсиканец?
Об этом размышляешь ты, смущенно морща лоб.
Умнейший изверг! - Вот достойное определенье,
Которым его друг, иль недруг, назовет.

In seinem Gedicht "Weimar" betont Treuter die untrennbare Verbindung dieser Stadt der deutschen Kultur mit Goethe.



WEIMAR

Wie die Natur zur Kunst durch Menschenhaende und Kunst wird,
Zeigt uns die liebliche Flur, zeigt uns der heitere Park.
Und wie die Kunst zur Natur durch Menschenhände und Geist wird,
Zeigt deiner Bildener Werk, zeigt deiner Genien Lied.
Heiter müssten dann wohl in solchen Mauern die Stunden
Schwinden, wo die Kunst und Natur gaukelnd die Rollen vertauscht.
(1818-1820).



ВЕЙМАР

То, как природа благодаря труду человека
И его уменью обращается в искусство,
Показывают нам твои нива и веселый парк.
А как искусство становится природой
В руках мастера и при посредстве человеческого духа,
Показывают Твое Изобразительное Искусство,
Песни Твоего Гения.
Весело, должно быть, протекали в твоих стенах часы,
Где искусство и природа дополняли друг друга.
(1818-1820).


Zum 80-jährigen Juliläum J.W.von Goethes 1829 schrieb W.W.Treuter das Gedicht "Rundgesang" ("Заздравная"), in welchem er Goethe als den König der Dichter verherrlichte ("der Fürste der Dichter"). Treu und ehrlich diente der "deutsche Sohn des russischen Volkes" W.W.Treuter seiner neuen Heimat. Er hatte neun Kinder. Einer seiner Enkelkinder - Wassilij Aleksejewitsch Treuter - war einige Zeit lang Hauptkommissar der provisorischen Regierung im Gouvernement Wjatka 1917, mit anderen Worten trug er seine Verpflichtungen als Leiter des Gouvernements, und später war er als Dozent an der Wjatkaer pädagogischen Hochschule tätig. Treuters Nachkommen leben und arbeiten bis heute auf dem Wjatka-Boden.

Fr. Elena W. Pomelowa
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