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© E.N.Tschudinowskich (Kirow) «Die deutsche Frage» im Gebiet Kirow Im Staatlichen Archiv der sozialen - politischen Geschichte des Gebietes Kirow werden viele Dokumente aufbewahrt, die die Geschichte der Deportationen oder der gewaltsamen Migrationen und ihrer Folgen beleuchten, welche in der UdSSR 1919-1953 praktiziert wurden. Der Doktor der geographischen Wissenschaften, der Historiker und der Philologe Pawel Poljan zählt 47 "durchgehende Deportationsoperationen", durchgeführt in der UdSSR, auf, wenn zahlreiche Gruppen der Menschen und sogar ganze Völker den Zwangsmigrationen unterworfen wurden. Nach dem Stand von 1989 waren im Maßstab der UdSSR Deutsche das größte repressierte Volk (1). Da die Wjatka-Region traditionell eine Region der Verbannung war, konnte sie von den Massendeportationen der sowjetischen Deutschen nich unberührt bleiben. Es hat im Gebiet Kirow zur Herausbildung der "inneren Diasporen" geführt, nach den Dokumenten unseres Archivs, als Ergebnis der Durchführung einiger Deportationsoperationen (nach P.Poljans Klassifikation): 1. Die Verbannung der "Arbeitsarmisten". Die ersten Gruppen der Deutschen kamen ins Gebiet Kirow Anfang 1942 wie die Kämpfer der Arbeitsarmee des NKWDs, mobilisiert aus den Krasnojarsker und Altairegionen, der Kasachischen SSR, wohin sie im Anfang des Großen Vaterländischen Krieges nach der Liquideirung der Autonomen SSR der Wolga-Deutschen umgesiedelt worden waren. Die Arbeitsarmisten (Trudarmisten) wurden im Wjatlag (im Razon Kai) gehalten, und am 15. April 1942 zählte man hier ca. 7000 Menschen. 2. Die Deportation der zivilen deutschen Bevölkerung aus den Ländern Europas und Zwangrepatriation. Laut des Schreibens der Verwaltung des KGB beim Ministerrat der UdSSR im Gebiet Kirow (1974) "nach dem Abschluss des Großen Vaterländischen Krieges wurden einige Tausende Deutsche 1945-1947 ins Gebiet Kirow ausgesiedelt, die früher in den Regionen gewohnt hatten, welche durch die deutsch-faschistischen Armeen zeitweilig besetzt wurden. Viele von ihnen, als sowjetische Bürger, waren aus Deutschland, Polen, Frankreich, Belgien und anderen europäischen Ländern repatriiert, wohin sie nach der Anordnung der faschistischen Verwaltung Deutschlands ausgeführt oder freiwillig mit den rückziehenden Hitlerarmeen geflüchtet waren" (2). Am 26. Oktober 1972 erschien die Verordnung des ZK der KPdSU "Über Sonderkategorien der Bürger, die in der Vergangenheit von den Orten ihres Aufenthaltes in andere Bezirke der UdSSR umgesiedelt waren", und am 26. Juni 1974 - "Über die Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit unter den Bürgern der UdSSR der deutschen Nationalität", welche sowohl Mängel in der Arbeit mit den Personen der deutschen Nationalität, als auch das Vorhandensein bei den letzteren Auswanderungsstimmungen bezeichneten. Diese Verordnungen gibt es im Archiv nicht, doch man kann man über ihren Inhalt nach der Reaktion der Kirower Gebietsleitung der KPdSU urteilen. In Erfüllung dieser Verordnungen versuchte die Gebietsleitung, wie es in seiner eigenen Verordnung vom 16. August 1974 gesagt war, "tief und allseitig sich den Zustand der Arbeit unter den Bürgern der UdSSR der deutschen Nationalität klarzumachen, die wirksamen Maßnahmen für die Beseitigung der existierenden Mängel, für die immer aktivere Einbeziehung der deutschen Bevölkerung in das gesellschaftspolitische, wirtschaftliche und kulturelle Leben zu erarbeiten und durchzuführen... "(3) Es wurde auch die Geschichte dieses Problems erforscht. Es wurden die Anfragen an die Verwaltung des KGB beim Ministerrat der UdSSR für das Gebiet Kirow, das statistische Gebietsamt, die Rayons- und Stadtkommitees der KPdSU geschickt. Die Verwaltung des KGB hat mitgeteilt, dass "sich die ins Gebiet Kirow ausgesiedelten Deutschen bis 1955 Sondergesiedelte waren ohne Recht der freien Ausfahrt in andere Regionen des Landes. Sie waren angesiedelt hauptsächlich in den Rayons Omutninsk, Nagorsk, Werchnekamsk (??i - die Autorin), Sujewka, Belaja Cholunitza, Slobodskoj, Oparino, Lusa (Lalsk - die Autorin). Sie arbeiteten im allgemeinen in den Betrieben örtlicher Industrie und in den Sowchosen. Laut Stand Juli 1952 lebten im Gebiet Kirov 6789 Deutsche -Sonderansiedler, unter ihnen 1539 Männer, 2925 Frauen, 2325 Kinder. Von den Erwachsenen waren 3500 Menschen vom Ausland nach dem Krieg repatriiert, neunhundert waren die aus der ehemaligen Republik der Wolga-Deutschen umgesiedelten Deutschen. 1955 war das Regime der Sonderansiedlung in Bezug auf die Deutschen aufgehoben, und von dieser Zeit an fing der aktive Prozess ihrer Migration in andere Regionen des Landes an: nach Kasachstan, auf den Altai, nach Moldawien, in den Nordkaukasus, ins Baltikum ». Bis zum Jahr 1974, unter Berücksichtigung der Kinder aus gemischten Ehen, blieben im Gebiet Kirov 1200 Menschen deutscher Herkunft. Im Schreiben werden auch die Auswanderungsstimmungen der Wjatka-Deutschen betont, dass "zur vorliegenden Zeit (d.h. 1974 - die Autorin) 16 Familien zum ständigen Wohnort in der BRD verreisten, 27 Familien stellten einen Antrag (auf die Auswanderung - der Übers.), aber die Auswanderung wurde ihnen abgesagt..." (4 ) Im Schreiben des statistischen Amtes sind die Daten über "die Bevölkerung deutscher Nationalität, wohnhaft im Gebiet Kirow » nach den Zählungen von 1959 und 1970 aufgeführt. [Bürger deutscher Nationalität] nach den Daten der Zählung 1959 1970 Insgesamt Unter ihnen von ihnen besitzen eigene Sprache Insgesamt 3140 2057 1378 472 Männer 1550 940 726 225 Frauen 1590 1117 652 247 Städtische Bevölkerung Insgesamt 1240 565 724 225 Männer 661 281 397 114 Frauen 679 284 327 111 Ländliche Bevölkerung Insgesamt 1900 1492 654 247 Männer 889 659 329 111 Frauen 1011 833 325 136 Kirow - - 151 39 Männer - - 97 29 Frauen 54 105 Die Rayons und Stadtleitungen der KPdSU schickten entsprechende Informationen, Listen und Charakteristiken der Abgeordneten deutscher Abstammung , die in Sowjets gerwählt wurden, Mitglieder der KPdSU, Charakteristiken der Siedlungen, wo die Wjatka-Deutschen wohnten. Im Laufe der Ausführung der Verordnungen des ZK und des Büros der Parteigebietsleitung bearbeitete diese Übersichtsbescheinigung und beleuchtete den Stand der "deutschen Frage" im Gebiet Kirow 1974. Es stellte sich heraus, dass es im Gebiet ca. 860 Bürger deutscher Nationalität lebten. Unter ihnen: im Rayon Werchnekamsk - 411 Menschen, darunter in der Siedlung Oshmegowo - 90, der Siedlung Tschernigowskij - 119, der Siedlung Sosimskij - 32, der Siedlung Lesnoj - 140, der Siedlung Rudnitschnyj - 30, im Rayon Sujewka - 66 Menschen, darunter im Sowchos "?uchinskij" - 34, im Werk "Sokolowka" -17, im Werk "Kossinskij" -8, im Rayon Lusa - 130, darunter in der Stadt Lusa ca.100, im Rayon Kirowo-Tschpezk - 53 (vor allem in der Stadt Kirowo-Tschepezk), In Kirow - ca. 100 Menschen. Ein Teil der Deutschen wohnte in den Rayons Belaja Cholunitza, Nagorsk, Podosinowetz, Chalturin, Jurja und einigen anderen. Im Allgemeinen sind es gemischte Familien (Beispiele solcher Familien werden gegeben, wo der Mann ein Deutschee, die Frau und die Kinder Russen sind). Nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung erkannte Deutsch als Muttersprache an. 59 Menschen waren Mitglieder und Kandidaten in die Mitglieder der KPdSU, 110 Mitglieder des Komsomol. 13 Menschen, unter ihnen 10 im Rayon Werchnekamsk, sind als Abgeordnete der ländlichen und Siedlungssowjets (nicht höher) erwählt. Viele erledigten verschiedene öffentliche Aufträge, waren Mitglieder von Partei-, Gewerkschaften, Komsomolkomitees, politische Informatoren und Propagandisten. Als einer der besten Propaganda-Männern im Kirowo-Tschepezker Chemiebetrieb war der Chefmechaniker des Autohofes ?.R.Schäfer genannt. Es wurden Beispiele der durch Medaillien und Orden Ausgezeichneten angeführt. So wurden im Rayon Werchnekamsk von 259 in den Betrieben, Behörden und Sowchosen Arbeitenden 2 Menschen mit dem Orden "Das Zeichen der Ehre"", 4 den Medaillen "Arbeitsauszeichnung", 36 den Jubiläumsmedaillen " Für ruhmreiche Arbeit. Zu Ehren des 100.Wiederkehr der Geburt W.I.Lenins". Unter 35 Menschen, die im Lusaer holzindustriellen Kombinat arbeiten, sind 4 Menschen mit der Medaille " Für ruhmreiche Arbeit. Zu Ehren des 100.Wiederkehr der Geburt W.I.Lenins", drei sind in das Buch der Ehre des Kombinates, zwei an die Werkwände der Ehre eingetragen, neun ist der Rang "Der Aktivist der kommunistischen Arbeit" verliehen. Von 41 im Kirowo-Tschepezker Rayon Arbeitenden sind 20 Menschen mit Medaillen UdSSR, den Abzeichen "Der Sieger des sozialistischen Wettbewerbes 1975 ", Ehrenurkunden der Betriebe und der Sowchose ausgezeichnet. Es wurde vermerkt, dass auch die Förderung der Deutschen zur Leitungstätigkeit vorhanden sei. Zum Beispiel berichtete die Kirowo-Tschepetzker Stadtparteileitung über ?.I.Lipse, der die Baumontageverwaltung Nr. 2 leitete, R.P.Schielke den Chef einer Halle im Nowowjatsker Kombinat der Holzplatten Nr. 41, ?.?.Wuckert den Leiter der reparatur-mechanischen Werkstatt des Sowchoses "Ardaschewskij"t; die Werchnekamsker Parteileitung über G.?.Ganzhorn - den Direktor des Sowchoses der Anstalt K-23I, E.R.Demidik - den Direktor der Mittelschule in der Siedlung Sosimskij, ?.?.Eidel - den Leiter einer Abteilung im Kai-Fortswirtschaft; die Parteileitung aus Sujewka über W.E.Lamparter - den Hauptingenieur der mobilen mechanisierten Kolonne 75. Der Bericht stellte einen lebendig guten Zustand der Lebensbedingungen in den Städten und den Siedlungen für die Mehrheit der Bürger der deutschen Nationalität fest. Ein Beispiel dafür war die Siedlung Oshmegowo des Rayons Werchnekamsk, wo es bei einer Bevölkerungszahl von 1216 Menschen eine Mittelschule, ein Krankenhaus mit 25 Betten,einen Klub, einen Flughafen, eine Poststelle, einen Kindergarten und eine Kinderkrippe gegeben hat . Dieses erfreuliche Bild verdarben ein wenig manche Mängel, die in den Dokumenten erwähnt sind, so etwa in den Rayons Sujewka, Kirowo-Tschepetzk, Lusa gab es keinen Vertreter der deutschen Bevölkerung in örtliche Sowjets ; in den Rayons Werchnekamsk, Sujewka hatten fast 2/3 Personen über 16 Jahre nur die Grundschulausbildung; im Werchnekamskij Rayon wurde die Abwesenheit der Perspektiven der Entwicklung der Waldsiedlungen anschaulich, man gab auch Beispiele der Absagen der Fahrt als Tourist der Wjatka-Deutschen in die DDR. Dabei hatten viele im Gebiet Kirow wohnhafte deutsche Familien, wie die Dokumente mitteilten, ihre Verwandten in der BRD und anderen kapitalistischen Ländern, standen mit ihnen im Briefwechsel, und die letzteren preisten das Leben im Ausland aktiv hoch. 1974 haben 3 Familie aus der Siedlung Tschernigowskij des Rayons Werchnekamsk und eine Familie aus dem Rayon Sujewka die Einladungen ihrer Verwandten aus der BRD bekommen und erstrebten die Erlaubnis auf die Auswanderung aus der UdSSR. Außerdem, "brüteten die Auswanderungsstimmungen" verschiedener Stufe andere 11 Familien (6). Solche Lage bedarf unverzüglich der Konterpropaganda... Zum Schlus ein Zitat aus der geheimen zusammenfassenden Information über die durchgeführte Arbeit: Für die Senkung der Auswanderungsstimmungen sind augearbeitet und werden verwirklicht folgende Maßnahmen: Aus der Zahl der Deutschen sind die Personen für die Arbeit mit den deutschen Familien ausgewählt. Zu denselben Zwecken werden die Möglichkeiten der Gebietspresse, des Rundfunks und des Fernsehens verwendet. Im Oktober 1974 war in der Zeitung « Kirowskaja Prwada" (Die Kirower Wahrheit - der Übers.) ein Bericht über den aktiven Arbeiter des Oritschi-Turfbetriebs, das Mitglied der KPdSU, den Schlosser W.R.Richard, das Interview mit dem Sekretär der Parteileitung des Rayons Werchnekamsk ?.W.Saletin "In der gemensamen Familie" über die Arbeit und die gesellschaftliche Tätigkeit mancher hier wohnenden Deutschen veröffentlicht. Im November erschien in dieser Zeitung der Artikel "Vergleiche und staune" der Handelsarbeiterin N.E.Derischewa-Lampater, die in die BRD mit dem privaten Visum im August 1974 ausfuhr. Am 5. Dezember war in der Zeitung "Komsomolskoje Plemja" (Komsomolzengeneration - der Übers.) der Artikel aus der Zeitung "Die Jugend Estlands" "Ich komme zurück, egal früh oder spät..." ... Im Gebietsrundfunk wurde die Funkskizze "Die Freude der Arbeit" über die Melkerin des Sowchoses "Sokolowskij"E.N.Dinius ausgestrahlt ..." Weiter versicherte der erste Sekretär der Kirower Gebietsleitung der Partei Iwan P. Bespalow, dass die Arbeit nach der Ausführung der Verordnung des ZK der KPdSU "Über die Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit unter den Bürgern der deutschen Nationalität" fortgesetzt werde (7). "Die deutsche Frage" blieb offen ... Anmerkungen 1. Poljan P. Geliebte Spielzeuge des Diktators (Aus dem Internet). 2. GASPI KO. F.1290. ?p.70. D.122. L.30. 3. Ebd. D.43. L.3-5. 4. Ebd. D.122. L.30-3. 5. Ebd. L.. 41. 6. Ebd. D.54. L.145-149. 7. Ebd. D.122. L.1-7. | ||