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© T.A.Grudenkowa (Kirov)

Deutsche und österreichische Musik in Wjatka
(19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, an der Jahrhundertwende)


Die deutsche und österreichische Musik kam nach Wjatka durch Musikliebhaber, was in erster Hälfte des 19.Jahrhunderts in Familienkreisen der gebildeten Schicht in der hiesigen Gesellschaft weit verbreitet war: unter Staatsangestellten, Mitgliedern des Gerichts, den Adligen, der Intelligenz.

Bereits in der Mitte des 19.Jahrhunderts erklärten «Wjatkskije Gubernskije Wedomosti» (Wjatkaer Gouvernements Nachrichten) Wohltätigkeitskonzerte fürs breite Publikum als hervorragende Neuigkeit im städtischen Kulturleben. Die Werke von L. van Beethoven, W.A.Mozart, ?.?.von Weber, R.Schumann waren sehr beliebt.

Bedeutend lebendiger wurde das städtische Musikleben in den 70-er Jahren durch den Bau eines Theaters. Unter den ersten stand auf seinem Spielplan "Der Freischütz" ?.?. von Webers.

Das Theater diente auch als ein Konzertsaal. Die Gesellschaft der Besitzer des Theater- und Konzertsaals und der Musikalische Zirkel, in den 80-er Jahren gegründet, entfalteten eine aktive Tätigkeit in der Organisierung von Gastspielen in Wjatka und der Durchführung von Musik- und Poesieabenden mit eigenen Kräften.

Das musikalische Leben der Gouvernementshauptstadt zog Berufsmusiker an, die sich in Wjatka für ein paar Jahre, nicht selten aber auch für ihr Leben niederließen. Der Tenorsänger N.A.Preobrashenskij, zu seiner Zeit bekannt als Darsteller der Hauptrolle in R.Wagners Oper "Lohengrin" auf der Bühne des Bolschoj-Theaters, gehört zu einem der vielen Musiker, die sich in Wjatka niederließen. Zu erwähnen ist auch der Geiger M.N.Sinizyn, der das Petersburger Konservatorium absolvierte und der es verstand, die Musik ins Land hinauszutragen (Gastspiele in Sibirien, dem Fernen Osten und Japan). Diese Musiker waren Wegbereiter der Berufsmusiker in Wjatka.

In den 90-er Jahren fuhr der Sohn eines Wjatkaer Kaufmanns W.A.Senilov nach Leipzig, um dort bei Hugo Riemann, einem großen Musiktheoretiker und -historiker zu lernen. H.Riemann führte seinen Schüler (übrigens den einzigen Russen) sowohl in die wissenschaftliche Arbeit als auch in die Leipziger Musikkreise ein, wo Richard Strauß den größten Einfluss auf den jungen Wjatkaer ausübte. W.A.Senilov begann als einer der ersten in Russland über R.Strauß zu schreiben und um sein Schaffen zu werben.

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts bekam das Wjatkaer Musikleben eine neue Richtung. 1916 eröffneten unermüdliche Enthusiasten eine örtliche Abteilung der Kaiserlichen Russischen Musikgesellschaft, was eine breitere und offizielle Unterstützung bei der Errichtung von Musikklassen zur Folge hatte.

Eine Gruppe Gleichgesinnter schloss sich zu einem musikpädagogischen Berufskollektiv zusammen, dem es gelang, eine Musikschule zu errichten und in den 30-er Jahren - eine Musikfachschule (heute Kunstfachschule).

G.A.Rylov, M.N.Sinizyn, A.A.Rumjanzev, K.S.Sorokin, B.D.Kublanov, I.W.Kasenin und andere Musiker legten weitsichtig die musikalische Klassik Deutschlands und Österreichs zur Grundlage einer beruflichen Ausbildung in Wjatka. Darin ist die ganze musikalische Sprache enthalten, alles, was eine Musikrede ausmacht. Ohne I.S.Bachs, W.A.Mozarts, L. van Beethovens Schaffen zu erforschen und sich anzueignen, ist es nicht möglich, einen Berufsmusiker auszubilden. Und die Aneignung dieser Grundlage bietet einem den Zugang in andere nationale Musikstile.

Es vergingen Jahre bedächtiger pädagogischer Arbeit. Die persönlichen Kontakte, die Reisen von Wjatka-Musikern ins Ausland blieben karg. M.I.Myschkina und E.I.Ergina wurden im Leipziger Konservatorium ausgebildet, sie widmeten ihr Leben einer unermüdlichen pädagogischen Tätigkeit in Wjatka-Kirov.

Heute setzt Sofia Chorobrych in Deutschland (Würzburg) ihre Ausbildung fort, sie hat bei W.Ju.Schaposchnikov die Kunstfachschule absolviert. Nach einem erfolgvollen Abschluss des Petersburger Konservatoriums fördert Sofia ihr Talent als Orgelspielerin und lernt die Musikkunst auf alten Instrumenten (Klavierzimbel und Hammerklavier).

In den 90-er Jahren unseres Jahrhunderts begann ein Prozess der schöpferischen Kontakte örtlicher und ausländischer Musiker, der Gastspielaustausch.

Ein großes Aufsehen erregte das Festival der österreichischen Kunst 1993. Es wurde von den Enthusiasten der neuen Generation organisiert: Frau Dr. N.I.Pospelowa, Herrn W.G.Bojev, durch die von ihm geleitete Kunstfachschule und die örtliche Abteilung der Allrussischen Musikgesellschaft. Das Festival wurde propagiert vom Bürgermeister der Stadt Kirov, A.M.Michejev. Von österreichischer Seite übernahm R.Fleischhacker, ein Musiker und Journalist, die Schirmherrschaft.

Er besuchte uns oft zusammen mit seinen Schülern. Sie machten die Wjatka-Musiker mit den Werken der gegenwärtigen österreichischen Komponisten vertraut. Der Komponist und Professor des Konservatoriums in Graz, Franz Cibulka, weihte das Auditorium in manche Geheimnisse der schöpferischen Arbeit eines modernen Komponisten mit verschiedner Aufnahmeausrüstung ein.

F.Cibulka machte unserer Stadt ein großzügiges Geschenk: ein Werk unter dem Namen "Wjatka". Seine Ausführung durch das Blasorchester der Kunstfachschule im Dezember 1996 in der Anwesendheit des Autors wurde zu einem richtigen Fest moderner Musik.

Die Suite für das Blasorchester "Wjatka" von F.Cilbulka nahm man als ein obligatorisches Werk in Programme der Festivals für Blasorchester in einer Reihe der Länder: in Österreich, Spanien, Italien, der Tschechei. Jetzt wird unsere Stadt durch ihr musikalisches Bild in ganz Europa bekannt. Und was auch sehr wichtig ist - unter ihrem richtigen, historischen Namen.

Die Gäste leisteten einen Beitrag zur Organisierung der Gastspiele unserer Musiker im Ausland. Deutschland und Österreich besuchte das Wjatka-Quintett einige Male. 1992-93 machten S.W.Rjasanzev, I.W.Chudjakov, A.W.Grekov, A.I.Andrejev, A.N.Sachwatkin erfolgreiche Gastspiele in einigen Städten Kärntens ab. Bei den Zuhörern aus Österreich stieß vor allem die Musik der russischen Komponisten A.P.Borodin und D.D.Schostakowitsch auf großes Interesse.

Einen Besuch in Deutschland stattete der bekannte Künstler Russlands Ju.W.Sibirjakov ab. Das Publikum empfing den Pianospieler mit besonderer Aufmerksamkeit.

Das nahende 21. Jahrhundert öffnet neue Perspektiven der Entwicklung schöpferischer Beziehungen von örtlichen musikalischen Kräften mit Musikern und Musikliebhabern aus Deutschland und Österreich. Wir haben ein Wjatka-Volkslieder, Chöre und Orchester. Es gibt eigene Komponisten. Galina und Andrej Karpikov schaffen in ihrem Werk ein malerisches und schönes Musikbild unserer Stadt und unserer eigentümlichen Wjatka-Region.

Übersetzung. Arkadi Makarov. - Kirov (Russland), 2000.