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© E.N.Tschudinowskich (Kirov)

Deutsche Persönlichkeiten der Stadt Wjatka in sowjetischen Zeiten


Drei unter den Leitern der Stadt Wjatka in der sowjetischen Zeit schrieben in ihren Fragebögen unter dem Punkt "Nationalität" "Deutscher". Das waren der verantwortliche Sekretär des Stadt- und Bezirkskomitees der Allrussischen Kommunistischen Partei der Bolschewiki in der Zeit vom August 1930 bis zum April 1931 Alexander Iwanowitsch Fischer, der Vorsitzende des Wjatkaer städtischen Exekutivkomitees Wassilij Wassiljewitsch Schmidt (September 1932 - Dezember 1933) und der ihn in diesem Posten ersetzte Iosif Iwanowitsch Bartaschek (Dezember 1933 - März 1943).

Außer der Nationalität vereinigten sie ähnliche politische Einsichten und Überzeugungen, ihre Tätigkeit aus den ersten städtischen Positionen in den 1930-er Jahren, was ihren Beitrag zur Stadtentwicklung entsprechend der gesamtstaatlichen Politik bestimmte. Zwischen den Fragen, die unter ihrer unmittelbaren Leitung gelöst wurden, sind Fragen des städtischen kommunalen Wohnungs- und Sozialkulturellen Aufbaus, die Entwicklung der Neuererbewegung, Gewinnung der Frauen für betriebliche Tätigkeit, Kollektivierung der Landwirtschaft, Liquidierung des Analphabetentums und der Kinderobdachlosigkeit, des Schließens von Kirchen und der Nutzung von Kirchengebäuden. Alle drei wurden 1938 während der politischen Massenrepressalien durch das NKWD (Volkskommisariat des Inneren) verhaftet und bekamen einen Modeschuldbruch von damals - Beschuldigt als Spionen. Fischer zugunsten Lettlands, Schmidt - Polens und Bartaschek - Österreichs. Fischer und Schmidt wurden freigesprochen, in der Gerichtsverhandlung sagten sie ihre vom heutigen Standpunkt ganz und gar törichten Spionage- und Sabotage-Erklärungen ab. Sie konnten beweisen, dass diese Aussagen unter einem gewissen Druck gemacht worden waren (wie das vor sich gegangen war, konnte man ahnen), und Bartaschek wurde als "Agent des österreichischen Aufklärungsdienstes" erschossen (rehabilitiert 1990, weil es nach dem Rehalitierungskomissionsbeschluss hieß - "In der (Straf)sache gibt es keine objektiven Beweise seiner verbrecherischen Tätigkeit".)


Verschiedene Wege hatten sie auf den Boden Wjatkas geführt


Bild: Alexander Iwanowitsch Fischer
    Alexander Iwanowitsch Fischer wurde am 7.Juli 1889 in der Stadt Zesis der Ronenburger Wolost des Ujesd Wenden des Gouvernements Livland in der Familie landwirtschaftlicher Arbeiter geboren, beendete eine dreiklassige Landschule und eine Klasse der kirchlichen Dorffachschule. Mit 12 Jahren verließ er sein Haus in Wenden und begann als Arbeiter in einer Druckerei. Ein Zitat aus seinem Lebenslauf: «In der Druckerei begann ich seit Oktober 1914 zu arbeiten. Von hier aus wurde ich, weil der Imperialistischen Krieg begonnen hatte, als deutscher Staatsbürger wurde nach Wjatka unter die polizeiliche Aufsicht verbannt."

In Wjatka war er Arbeiter, Verpacker in einer Werkstatt für Lehrmittel, Registrier von Materialien am Bahnhof Wjatka 2. 1919 trat er in die kommunistische Partei ein, führte die Parteiarbeit als Sekretär der lettischen Sektion in der Stadt Wjatka durch, und nachdem sie sich praktisch selbst aufgelöst hatte in Zusammenhang mit der Fahrt der Letten in die Heimat, wurde er Leiter eines lettischen Klubs.

Der Dienst als Bevollmächtigter für Belieferung der Roten Armee in der Stadt Orlov und als Chef einer Lebensmitteleinheit sind weitere Etappen seiner Tätigkeit. 1922 wurde Fischer zum Mitarbeiter der TscheKa, genauer - zum Bevollmächtigten und Chef der Abteilung für politische Arbeit des NKWD für die Stadt Wjatka.

Er war bekannt als einer der Organisatoren der Kinderbewegung in der Stadt und einer der Lieblingskinderleiter jener Zeit. Die Tschekisten hatten die Patenschaft über ein Waisenhaus "F.E.Dzierzynski" inne. Alexander Iwanowitsch stiftete eine der ersten Pioniereinheiten in der Stadt. Seit 1924 war Fischer Vorsitzender des Gouvernementsbüros der jungen Pioniere im Wjatkaer Gouvernementskomitee des Allsowjetischen Leninschen Kommmunistischen Jugendverbands.

Seit 1926 leitete er Parteiarbeit. Seit August 1930 bis April 1931 führte er den Vorsitz im Wjatkaer städtischen Komitee der Partei. Eine der Hauptseiten seiner Tätigkeit in jener Zeit war die Arbeit in der Kollektivierung der Landwirtschaft im Wjatkaer Bezirk darunter auch die Organisation der Aussiedlung von Großbauern im Frühling 1931. Im Zentrum für Dokumentation der neuesten Geschichte der Region Kirov gibt es Protokolle der Sitzungen der Dreierkommission für Deportierung von Großbauern, darin finden wir auch den Namen von Alexander Iwanowitsch.

Danach arbeitete er als Chef der politischen Abteilung einer Maschinen-Traktoren-Station in Jaransk, und 1937, in der Spitzenzeit der politischen Repressalien, wurde er zum Mitarbeiter des NKWD in Moskau. Das blieb er jedoch nicht lange, weil recht schnell bekannt wurde, dass er im Ausland Verwandte hatte. (Seine Schwestern lebten damals in Deutschland.) Praktisch ein Jahr danach, 1938, wurde er selbst zum Opfer von Repressalien. Nach der Freilassung, vollständigem Freispruch und der Herstellung der Parteimitgliedschaft seit 1940 beschäftige er sich mit der wirtschaftlichen Tätigkeit.

Aus der Geschichte ist am meisten seine Pioniertätigkeit bekannt. Bis zum Lebensende (er starb 1978) erinnerte er sich mit Vergnügen daran: als «Ehrenpionier», mit dem Abzeichen des Zentralrates der Allsowjetischen Pionierorganisation "Für aktive Arbeit mit Pionieren" ausgezeichnet worden zu sein. 1967 wurde er mit dem Orden des Roten Arbeiterbanners ausgezeichnet.



Bild: Wassilij Wassiljewitsch Schmidt
    Wassilij Wassiljewitsch Schmidt wurde in Wjatka im Juni 1900 geboren. (Sein Vater war gebürtiger Kurländer.) Er arbeitete als Meister in den Wjatkaer Eisenbahnwerkstätten. Nach dem Abschluss der Wjatkaer Realschule begann Wassilij Wassiljewitsch in derselben Werkstatt zu arbeiten. Danach leistete er den Wehrdienst, trat in die Partei ein und arbeitete seit 1926 als Leiter der Kulturabteilung des Komitees der Einsenbahnergewerkschaft, stellvertretender Leiter der Kulturabteilung des Gouvernementsgewerkschaftsvorstandes, Sekretär der Einsenbahnhauptwerkstätten, u.s.w.

Ab 1931 war er stellvertretender Vorsitzender und danach Vorsitzender des Wjatkaer Exekutivkomitees, 1934-1935 arbeitete er als Chef des Baus einer Werchnekamsker Phosphoritengrube und 1935-1938 als Vorsitzender des Präsidiums des Kirover regionalen und Gebietsindustrierates. 1938 wurde er kurz inhaftiert. Nach seiner Freilassung und der Herstellung der Mitgliedschaft in der Partei im Dezember 1939 wurde er Leiter der Abteilung für Brennstoffe am Kirover regionalen Exekutivkomitee, der Trikotage- und Handschuhvereinigung, an der Bäckerei 5. Er starb 1977.

Iosif Iwanowitsch (oder Iogannowitsch) Bartaschek wurde 1875 im Dorf Iedli (Gebiet Mähren, Österreichungarn) in einer Bauernfamilie geboren. Über seine Nationalität heißt es in seiner Personalakte: Großvater (väterliche Seite) - Tscheche, Vater - Deutscher, Mutter - Deutsche, seine eigene Nationalität - «Deutscher, Muttersprache Deutsch». Er absolvierte ein Gymnasium, war Abgestellter einer Zuckerfabrik und einer Brauerei in Österreichungarn. 1905 trat er in die Partei der österreichischen Sozialdemokraten ein. 1908 wurde er nach Petrograd als Meister der Russisch-Österreichischen Manufaktur versetzt. Die letzten 4 Jahre in der Manufaktur war er ihr Verwalter. Nach der Stilllegung des Betriebs 1918 wegen des Fehlens von Rohstoffen suchte er nach der Arbeit und kam ins Gouvernement Wjatka.

Er war Ujesd-Lebensmittelkommissar in der Stadt Sowjetsk des Gouvernements Wjatka (1918-1921), wurde mobilisiert als Mitglied des Revolutionstribunals in Tjumen in Lebensmittelfragen (1921-1922), danach wurde er Steuerinspektor im Dorf Woshgaly des Gouvernements Wjatka. 1920 trat er in die AKP der Bolschewiki ein. Weiter arbeitete er als Leiter einer Konditorei, dann einer Wurstfabrik in der Stadt Wjatka, als Chef der Industrieabteilung der Wjatkaer Zentralen Arbeiterkooperative, Direktor des Maschinenwerks in Belaja Choluniza, der Fabrik für Unterrichtshilfsmittel und des Baumaschinenwerks in Wjatka. Vom Dezember 1933 bis März 1934 war er Vorsitzender des Wjatkaer städtischen Exekutivkomitees. Danach bekleidete er eine Reihe Posten in der Wirtschaft: Stellvertretender Direktor des Kirower Kombinats "Iskosh" (Kunstleder), Direktor der Kirower Bierbrauerei, Verwalter des Kirower Nahrungsmitteltrusts.

Im Februar 1938 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, verhaftet und nach dem Beschluss der Sonderdreien beim NKWD der Region Kirov im September 1938 erschossen.

Anmerkungen
S. den russischen Text

Übersetzung. Arkadi Makarov. - Kirov (Russland), 1999.