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deutsche.html © E.I.Pakina (Kirov) Dokumente des Staatsarchivs der Region Kirov zum Bau einer deutschen Kirche in der Stadt Wjatka Anfang des 20.Jahrhunderts lebten in Wjatka ca. 60 Menschen lutherischen Glaubens. Sie kamen aus allen Gesellschaftsschichten: Beamte der Gouvernementsverwaltung, Pharmazeuten, Bierbrauer, Bankiers (Dok. 1, 4, 5). Eine eigene Kirche hatten die Lutheraner in Wjatka nicht, und für ihren Gottesdienst liehen sie verschiedene Räume in Wohnhäusern und gesellschaftlichen Gebäuden der Stadt. Im Oktober 1909 machten die Mitglieder des Kirchenrates der Wjatkaer evangelisch-lutherischen Gemeinde den ersten Versuch, Gelder für den Bau einer lutherischen Kirche in Wjatka zu sammeln, indem sie eine Bitte an den Gouverneur P.K.Kamyschanskij vorbrachten (Dok. 2). Der Gouverneur jedoch lehnte diese Bitte ab und erklärte seine Absage folgendermaßen: „1. Die Zustimmung der geistlichen Obrigkeit für den Bau der Kirche (ist) nicht erbeten, 2. Es sind dafür nötige Gelder nicht angegeben und 3. Der Plan für den Kirchenbau ist nicht zusammengestellt unter der Berücksichtigung technischer Erfordernisse des Baustatuts“ (ГАКО. Ф. 582. Оп. 150. Д. 176. Л.3). Trotzdem gaben die Lutheraner den Gedanken nicht auf, die Kirche zu bauen, und 1911 wies die Wjatkaer Stadtduma der evangelisch-lutherischen Gemeinde einen Platz für den Kirchenbau zu (Dok. 3). Leider ist es nach den Archivdokumenten nicht gelungen, ein genaues Datum der Grundsteinlegung und des Bauabschlusses der Kirche festzustellen. Doch bestätigen die Vorlagen ganz genau, dass im November 1916 der Bau noch fortdauerte - vom deutschen Staatsbürger A.Duisberg wurden die Arbeiten an der Beendigung der Innenausstattung der Kirche durchgeführt (Dok. 6). Vielleicht nach der Revolution von 1917 gab es in der Kirche keine Gottesdienste. Einige Zeit stand sie leer, und 1925 wurde das Gebäude der ehemaligen deutschen Kirche der Wjatkaer Gouvernementsabteilung für kommunale Wirtschaft übergeben, und man benutze es als Wohnraum (Dok. 7, 8). Die jetzt veröffentlichenden Dokumente werden in den Archivfonds aufbewahrt: der Kanzlei des Wjatkaer Gouverneurs (Ф. 582), der Wjatkaer Stadtduma (Ф. 630), der Wjatkaer Stadtverwaltung (Ф. 628), der Verwaltungsabteilung des Wjatkaer Gouvernementsexekutivkomitees (Ф.Р. - 1258). Die Aktensachen stehen in chronologischer Folge, dazu gibt es Textanmerkungen und Kommentare. Jedes Dokument hat Suchangaben: Fondnummer, Beschreibung, Aktensache, Blätter (Fondnummer der sowjetischen Zeit hat den zusätzlichen Buchstaben «Р»), es wird auch Echtheit des Dokuments angegeben. Dokumente, die vor dem 1.Febraur 1918 zusammengestellt worden sind, sind nach alter Zeitrechnung, später - nach neuer Zeitrechnung datiert. № 1 AUSWEIS № 1123 VON DER MITGLIEDSCHAFT IM KIRCHLICHEN RAT DER WJATKAER EVANGELISCH-LUTHERISCHEN GEMEINDE, VON DEM EVANGELISCH-LUTHERISCHEN GENERALKONSISTORIUM AUSGEHÄNDIGT 31.Juli 1909 Dies wird ausgehändigt vom Evangelisch-lutherischen Generalkonsistorium mit der Beilage des amtlichen Stempels dem Kirchlichen Rat der Wjatkaer evangelisch-lutherischen Gemeinde für die anhängigen Verordnungen davon, dass der vermerkte Kirchenrat bestehend aus seinem Vorsitzenden - dem Oberlehrer, Staatsrat Nikolaj Werw, dem Sekretär - dem Oberlehrer Kollegienrat Richard Emberg, dem Kassierer - dem Bierbrauer Karl Schneider und den Mitgliedern: dem Gouvernementspharmazeut, Staatsrat Adalbert Johanson, dem Provisor Hugo Bock, dem Inspektor der technischen Fachschule Hofrat Ewald Althof, dem Provisor Pawel Reinson und dem Bankdirektor Heinrich Oldekope. Das Echte mit den Stempeln des Außerordentlichen Geistlichen Mitglieds und des Sekretärs. Stempel: U. Des Evangelisch-lutherischen Generalkonsistoriums. Die Echtheit bestätigt: Der Vorsitzende des kirchlichen Rats N.Werw Der Sekretär R.Emberg № 2 BITTSCHRIFT DES VORSITZENDEN DES KIRCHLICHEN RATS DER WJATKAER EVANGELISCH-LUTHERISCHEN GEMEINDE N.M.WERWS AN DEN GOUEVERNEUR P.K.KAMYSCHANSKIJ VON DER ERLAUBNIS DES GELDSAMMELNS FÜR DEN BAU EINER LUTHERISCHEN KIRCHE 26.Oktober 1909 Aus der beigelegten Kopie des Bittschreibens, die vom Evangelisch-lutherischen Generalkonsistorium, am 31.Juli l.J. unter № 1123 ausgehändigt wurde, wird ersichtlich, dass es bei der Wjatkaer Evangelisch-lutherischen Gemeinde einen Kirchenrat gibt bestehend aus folgenden Personen: dem Vorsitzenden - Nikolaj Werw, dem Sekretär - Richard Emberg, dem Kassierer - Karl Schneider und den Mitgliedern - Adalbert Iohanson, Hugo Bock und anderen. Hinsichtlich einer großen Zahl der in der Wjatka und im Gouvernement Wjatka lebenden lutherischen Familien entstand bei der örtlichen lutherischen Gemeinde der Gedanke, in der Stadt Wjatka eine lutherische Kirche zu bauen. Zur Verfügung der örtlichen lutherischen Gemeinde steht ein gewisser Fond für den angenommenen Bau, leider nicht ausreichend. In Folge dessen ich - als Vorsitzender des örtlichen kirchlichen Rats und im Auftrage seiner Mitglieder - habe die Ehre, Ihre Exzellenz zu bitten, dem Wjatkaer kirchlichen Rat der Evangelisch-lutheranischen Gemeinde zu erlauben, in Grenzen des Gouvernements Wjatka nach Subskiptionsblättern und Kuponbüchern freiwillige Spenden für den Bau einer lutherischen Kirche in der Stadt Wjatka zu sammeln. Stadt Wjatka, 26.Oktober 1909 Der Vorsitzende des kirchlichen Rats N.Werw Der Sekretär R.Emberg Adresse: Stadt Wjatka Pjatnizkaja-Straße Haus von Puschkarjov Original № 3 AUS DEM TISCHREGISTER DER VERORDNUNGEN DER WJATKAER STADTDUMA FÜR DAS JAHR 1911 10.Februar - Nach dem Gesuch des Rates der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Stadt Wjatka über Zuweisung des Platzes für den Kirchenbau Beschlossen: 1. Dem Rat der Evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Stadt Wjatka kostenlos ein Stück Stadtboden dem 79.Viertel gegenüber hinter dem Glasis zuweisen, Ecke Stefanowskaja- und Glasisnaja-Straße, mit dem Ausmaß von 300 quadratsashen, für den Kirchenbau, für die ganze Zeit ihrer Existenz. 2.Wenn der Rat der Evangelisch-lutherischen Gemeinde aus irgendwelchen Gründen mit dem Kirchenbau auf dem zugewiesenen Boden im Laufe von 3 Jahren vom Tage dieses Beschlusses nicht beginnt, so wird dieser Platz an die Stadt zurückgegeben ohne jeglichen Streit. Original № 4 AUSWEIS FÜR FREIEN AUFENTHALT IM RUSSISCHEN KAISERTUM DES DEUTSCHEN UNTERTANEN K.SCHNEIDER. 30.Juli 1914 Original № 5 FORMULAR „GENOSSENSCHAFT DER WJATKAER BIERBRAUEREI K.O.SCHNEIDER“ 12.August 1914 Original № 6 BITTSCHREIBEN DES KIRCHLICHEN RATES DER EVANGELISCH-LUTHERISCHEN KIRCHE AN DEN GOUVERNEUR N.A.RUDNEW ÜBER DIE ERLAUBNIS DEM DEUTSCHEN UNTERTANEN A.DUISBERG SEINE AUFENTHALTSFRIST IN DER STADT WJATKA FÜR DIE DURCHFÜHRUNG DES SCHLOSSER- UND SCHMIEDEWERKS IN DER HIER AUFBAUENDEN LUTHERISCHEN KIRCHE 12.November 1916 Im Namen des kirchlichen Rates der lutherischen Kirche der Stadt Wjatka? habe ich die Ehre, untertänigst Ihre Exzellenz zu bitten, ob Sie es für möglich hielten, dem deutschen Untert(anen) Adolf Duisberg hier für die Durchführung der künstlerischen Schlosser- und Schmiedearbeiten in der Kirche, die hier aufgebaut wird. Im Juni l.J. legte Duisberg technische Skizzen von Metallkronleuchtern, -wandleuchten, Beschläge und Türschlösser für die Kirche vor und schlug vor, dies alles unentgeltlich herzustellen; Ende Juni musste er nach Nolinck fahren, und die Arbeit wurde nicht begonnen. Z.Z., wegen der Behandlung in Wjatka zeitweilig wohnend, muss er dorthin zurückfahren, und nur indem er von Ihrer Exzellenz die Erlaubnis für den Aufenthalt in Wjatka bekommt, könnte er die oben erwähnten Arbeiten durchführen. Für unsere Gemeinde, die keine Mittel hat, würde die unentgeltliche Durchführung solcher Arbeiten von einigen hundert Rubeln bedeutend zur Beendigung der Innenausstattung beitragen, und der Kirchenrat wäre Ihrer Exzellenz sehrt dankbar für diese Erlaubnis und bäte in diesem Fall einen Befehl erlassen mit der Nachricht an das städtische Polizeipräsidium. Mit vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit der Vorsitzende des kirchlichen Rates der Lutherischen Kirche. Nikolaj Werw. Original *) Auf dem Bittschreiben gibt es einen Vermerk des Gouverneurs, N.A.Rudnew: „in Wjatka für 2 Monate wohnen lassen“ № 7 OFFIZIELLES SCHREIBEN DER VERWALTUNGSABTEILUNG DES WJATKAER GOUVERNEMENTSEXEKUTIVKOMITEES ANS PRÄSIDIUM DES GOUVERNEMENTSEXEKUTIVKOMITEES MIT DEM VORSCHLAG ZUR ÜBERGABE DES GEBÄUDES DER DEUTSCHEN KIRCHE IN DIE VERWALTUNG DER GOUVERNEMENTSABTEILUNG DER KOMMUNALEN WIRTSCHAFT 8.Dezember 1924 In der Stadt Wjatka gibt es eine Deutsche Kirche, die z.Z. leer steht und sich nicht unter der Verwaltung der religiösen Gruppe befindet. Hinsichtlich dessen, dass es keine Bittschreiben über die Inbetriebnahme der erwähnten Kirche bis heute von religiösen Gruppen gab, gedenkt die Gouvernementsverwaltungsabteilung ihrerseits das sich in der Stadt Wjatka im Krasnopiterskij-Boulevard befindende Gebetsgebäude (Kirche) in Verwaltung der kommunale Abteilung des Gouvernements für die Benutzung als Wohnraum zu übergeben. Stellvertretender Chef der Verwaltungsabteilung Krinkin Kanzleichef Sitnikov Kopie № 8 ÜBERGABEAKTE DES GEBÄUDES DER DEUTSCHEN KIRCHE IN DEN VERWALTUNGSBEREICH DER WJATKAER GOUVERNEMENTSABTEILUNG DER KOMMUNALEN WIRTSCHAFT 31.Januar 1925 Am 31.Januar 1925 wir, Unterzeichner: Techniker der kommunalen Gouvernementsabteilung W.Kosminych, der Vertreter der Verwaltungsunterabteilung des Gouvernementsexekutivkomitees Sitnikov auf Grund des Beschlusses des Gouevernementsexekutivkomitees vom 10.Januar l.J. und der Verordnung des GUNI-Chefs der kommunalen Gouvernementsabteilung № 44 vom 27.Januar l.J.: Erstens Annahme, Zweitens Übergabe des Gebäudes der ehem(aligen) Deutschen Kirche, die sich an der Ecke des Leningradsij-Boulvards und der Jungen Garde befindet. Dabei stellte es sich heraus: Das Gebäude ist aus Stein in einer Et(age) mit einem Holzturm, inwendig sind die Wände mit Stuck bedeckt, mit einem Zementfußboden mit der Fläche von 211 Quadratmetern, einer Höhe von 4,8 m, insgesamt 1012,8 Kubikmeter. Die Fensterscheiben in den Rahmen sind alle eingeschlagen, die Türen fehlen, die hölzerne Umrahmung ist herausgeschlagen, im Schiff ist der Fußboden herausgeholt, auf dem Dach sind manche Ziegelsteine zerbrochen. Preis eines Kubikmeters 5 Rbl. 61. Prozent der Abgenutztheit 20% Preis des Gebäudes mit einer Ermäßigung wegen der Abgenutztheit 4545 Rbl 44 Kop. Alljährlicher Preis der Amortisierungszahlungen… GUNI-Techniker Kosminych Vertreter der Verwaltungsabteilung der Gouvernementsexekutivabteilung Sitnikov Kopie Übersetzung. Arkadi Makarov. - Kirov (Russland), 2000. | ||