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© E.W.Zarewa (Kirov)

W.W.Vogel - der Verwalter der Wjatkaer Abteilung der Staatsbank


Unter den Verwaltern der Wjatkaer Abteilung der Staatsbank vom Zeitpunkt ihrer Gründung seit 1865 und bis 1919 kann man viele würdige Namen nennen. Zu diesen Personen konnte man ohne Zweifel den Namen von Werner Wassiljewitsch Vogel rechnen, der die Wjatkaer Abteilung der Bank in den Jahren 1912-1919 geleitet hat. Es war eine Periode komplizierter politischer und ökonomischer Lage, als sich die finanzielle Tätigkeit der Abteilung unter den Bedingungen der Kriegszeit, des Wechsels des politischen Systems verwirklichte. Unter solchen Bedingungen erlaubten es persönliche Eigenschaften des Verwalters als eines erfahrenen Finanziers, der über eine Kenntnis örtlicher Bedingungen, der Geschicklichkeit richtig die Beziehungen mit den Bankkunden aufzubauen verfügte, der die politische Lage erkannte, der Abteilung vollständig Bankaktionen durchzuführen.

Die Laufbahn des Berufsangestellten einer Bank begann sich noch lange Zeit vor der Ankunft Werner Wassiljewitschs auf dem Wjatkaboden zu bilden. 1897 beendete Werner Vogel seinen Lehrgang am Demidow-Juralyzeum in der Stadt Jaroslawl. Die Jaroslawler höherer Wissenschaften Fachschule, gegründet 1805 und umgestaltet 1870 zum Demidowschen Juralyzeum, nahm seinen Platz gleich hinter den Universitäten. Unter den zu erlernenden Fächern gab es: Mathematik, Physik, Chemie, russische und lateinische mündliche und schriftliche Literatur, Philosophie, Geschichte, Bürger- und Strafrecht, Politische Ökonomie und Finanzen, Statistik und Buchhalterei, Deutsch und Französisch, Gottesgesetz. Für einen Menschen, der eine allseitige Bildung bekommen wollte, gab das Lyzeum eine gute Möglichkeit. Nach dem Lyzeumsabschluss wurde Vogel in die 2. Strafabteilung des St. Petersburger Kriegsgerichts geschickt. Nach einem Jahr wurde er in die Kursker Abteilung der Staatsbank als Buchhalterhelfer 3.Grades versetzt. Seit diesem Moment gewann die Finanzkarriere Überhand über der juristischen und bestimmte sein weiteres Leben. 1903, als er bereits Kontrolleurshelfer war, wurde er in die Rybinsker Abteilung der Staatsbank geschickt. Danach folgten die Sewastopoler (1905), Saratower (1908) Abteilungen der Staatsbank, wo W.W.Vogel als Buchhalter tätig war. Seit 1909 versetzte man Werner Wassiljewitsch schon als einen Abteilungsverwalter. In diesem Jahr stand er an der Spitze der Taganroger Filiale, seit 1911 leitete er das Charkower Kantor der Staatsbank, und am 25.Juli 1912 wurde der Hofrat Werner Wassiljewitsch Vogel "durch den Höchsten Befehl im Bürgeramt zum Verwalter der Wjatkaer Abteilung der Staatlichen Bank ernannt."

Im Platz seines Dienstes kam W.W.Vogel im September 1912 mit seiner Frau Elena Alexandrowna (geb. Lewizkaja) und der Tochter Ludmila, 10 Jahre alt, an. Nach der Ankunft in Wjatka besuchte die Tochter Ludmila das 2.Frauengymnasium. Im Passport, der Elena Alexandrowna 1907 ausgehändigt wurde, war auch sein Sohn Alexander Wernerowitsch vermerkt, geboren 1903. Wahrscheinlich nach 1907 und bis zum Moment ihrer Ankunft in Wjatka 1912 war der Sohn gestorben, weil er später in den Dokumenten beider Eltern nicht aufzufinden war. 1912 laut Formularregister war Werner Wassiljewitsch 42 Jahre alt (Er wurde am 27.November 1869 geboren), er gehörte der evangelisch-lutherischen Konfession an. Seine Frau und Tochter waren orthodoxer Konfession.

Zum Moment des Postenbeitritts von W.W.Vogel verwirklichte sich die Tätigkeit der Wjatkaer Abteilung auf Grund Des Statuts der Staatlichen Bank, das 1894 bestätigt worden war und als ihr Ziel folgendes bestimmt hatte: "Erleichterung des Geldumlaufs, Unterstützung des vaterländischen Handels, der Industrie, der Landwirtschaft durch kurzfristige Kredite, und auch Festigung des Geldkreditsystems." Die Wjatkaer Abteilung führte den Geldumlauf auf dem Territorium des Gouvernements Wjatka durch 12 Staatskassenstellen, die ihm "zugeschrieben waren" durch, auf welche Pflichten "der Geldsummenbewegung von einer Staatkassenstelle zur anderen oder zur Staatsbank auferlegt" waren. Außerdem wurden auf die Wjatkaer Abteilung der Staatsbank die Aufsicht über Anstalten kleineren Kredits im Gouvernement auferlegt: Kreditgenossenschaften, Leih- und Spargenossenschaften und Semstwo-Kassen. Der Inspektionskreis der Abteilung schloss ca. 54 Kreditgenossenschaften und ca. 78 Anstalten kleineren Kredits. Die Abteilung führte Aktionen mit Kontos. Unter den Deponenten der Wjatkaer Abteilung der Staatsbank waren: Regierungsbehörden - Wjatkaer Gouvernementsverwaltung, Wjatkaer Kreisgericht, Verwaltung des staatlichen Guts, Wjatkaer Geistliches Konsistorium u.a. Gesellschaftliche Institutionen - Dorfgesellschaften, Verwaltungen u.a. Die Kirchen der Ujesde Wjatka, Glasow, Orlow u.a. Privatpersonen - Kaufleute Dolguschiny, Sonowy, Wachruschewy u.a.

Der erste Weltkrieg brachte manche Korrekturen in die Tätigkeit der Bankabteilung, die W.W.Vogel leitete. 1914 für die Kriegsperiode gab die Wjatkaer Abteilung der Staatsbank Sonderrechte für Kreditvergabe an Bankkunden, die Staatsaufträge für die Armee erfüllten. Unter ihnen waren grundlegend Besitzer von Lederfabriken, die "Kredite bis zum vollen Ausmaß und sogar über die Norm eines offenen Kredits aufnahmen." Außerdem schlug die Wjatkaer Abteilung hinsichtlich der Wichtigkeit für den Staat einer Konzentration des Goldvorrats in der Staatsbank den Vorständen der Kredit- und Leih- und Spargenossenschaften vor, in ihre Kasse kommende Goldmünze zum Umlauf nicht zu geben, sondern in der Abteilung der Bank "auf dem Wege des Umtausches gegen Kreditbillets abzugeben."

In die Zeit des Krieges fiel das 5-jährige Jubiläum der Wjatkaer Abteilung der Staatsbank. Der Vorstand mit dem Verwalter W.W.Vogel an der Spitze rechnete das Feiern als nicht rechtzeitig, darum begrenzte sich darauf, dass "am 19.September 1915 im Raum der Abteilung ein Gottesdienst abgehalten wurde." Der komplizierte Prozess des Geldumlaufs führte zur Gründung an der Wjatkaer Abteilung der Staatsbank einer Ausrechnungsabteilung 1916, dessen Teilnehmer wurden: Die russische für den Außenhandel Bank, Die Sibirische Handelsbank, die Wolshko-Kama-Kommerzbank u.a. Ein halbjähriger Umlauf von Mitteln der Ausrechnungsabteilung ging über 17 Mio. Rbl. hinaus. Also, in vieler Hinsicht eben durch die Tätigkeit des Verwalters und ungeachtet aller Schwierigkeiten stoppte die Wjatkaer Abteilung ihre Aktionen nicht. Noch mehr, am 23.Januar 1916 schickte W.W.Vogel dem Staatsbankverwalter "Entwurf einer Erweiterung des Netzes der Staatsbankorganisationen im Gouvernement Wjatka" zu, in welchem eine allmähliche Einführung des Kreissystems von Bankorganisationen durch die Eröffnung neuer Abteilungen. Dieses Projekt kam aber nicht in Erfüllung.

Die Revolutionsereignisse überfluteten das ganze Land, lockten die Leben hundert tausender Menschen in einen Wirbel politischer Geschehnisse ein. Es wurden nicht nur gut funktionierte Finanzmechanismen, wie die Staatsbank mit ihren Abteilungen; sondern auch Schicksale hundert tausender Menschen gebrochen. Unter ihnen war auch W.W.Vogel. Durch den Erlass des Gouvernementsexekutivkomitees des Wjatkaer Rates von Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten vom 18.März 1918 wurde er von seinem Posten abgesetzt und übergab seine Verpflichtungen dem Kontrolleur W.A.Fruktow. Der Kommissar der Wjatkaer Bankabteilung Slobin, der die "Akte Vogel" untersucht hatte, berichtete dem Hauptkommissar der Volksbank der RSFSR, dass die Grundlagen des Absetzens des Verwalters von seinem Posten die Anklage des ehemaligen Kommissars der Wjatkaer Bankabteilung Zelischtschew und auch die Agitation von Zelischtschew und des Buchhalterhelfers Schabalin gegen Vogel" gewesen waren. Die Unzufriedenheit der Letzteren wurde durch das Verbot des Verwalters den Bankmitarbeitern hervorgerufen, an einem Streik Anfang Januar 1918 teilzunehmen und auch durch die Absage der Ausgabe einer 6-monatigen Unterstützung "ohne Verordnungen vom Zentrum".

Die offizielle Anklage wurde durch eine anonyme Denunziation begleitet, worin zur Schuld Vogels eine Reihe falscher Handlungen gestellt worden war: "- trotz Telegrammen der Volksbank im Januar 1918 führte /er/ Transaktionen mit annullierten Papieren durch; - Manchen Kunden erlaubte er, ihre Wechsle neu zu schreiben ohne Prozente dafür zu nehmen." Im Prüfungsergebnis wurden alle Beschuldigungen als nicht zulänglich anerkannt. Der Kommissar Slobin stellte vor dem Hauptkommissar der Volksbank der RSFSR ein Gesuch für Herstellung Vogels in seinem Posten des Abteilungsverwalters. Er schrieb: "Vogel ist nicht nur ein erfahrener und gewissenhafter Verwalter, er kennt dazu noch ausgezeichnet örtliche Bedingungen, die Situation im Handel und der Industrie und die ganze örtliche Kundschaft, groß und klein."

Durch die Verordnung des Hauptkomissars der Volksbank vom 30.April 1918 wurde W.W.Vogel in seiner Position hergestellt. In einer Periode von mehr als 20 Jahren des Dienstes an den Abteilungen der Staatsbank war dies der erste Fall, als man Vogel der Dienstübergriffe beschuldigt hatte. Alle bisherigen Jahre seiner Arbeit wurden nur durch Auszeichnungen und Dienstvoransteigen vermerkt. Er arbeitet in einem Land, das seine Verdienste bemerkte. Damit verband er seine Zukunft, weil er 1915 in Wjatka zum Orthodoxen wurde und sich nicht Werner, sondern Walerij zu nennen begann.

Das Jahr 1917 hat alles geändert. Der Sturm erreichte ihn diesmal nicht, aber als ein kluger Mann verstand Vogel, dass alles sich wiederholen konnte. 1919-20 unternahm er Versuche, nach Lettland zu fahren (ins Livländische Gouvernement, Stadt Riga). Eine Grundlage für die Ausreise nach Lettland konnten nach der Instruktion für Reevakuierung der Flüchtlinge 1920 solche "keine Zweifel erweckenden Dokumente" dienen: Passport, ausgehändigt am vorigen Wohnort; Flüchtlingsbuch, Bescheinigung über Deportierung auf Befehl höherer Gewalten und auch Dokumente, die die Geburt auf dem lettischen Territorium bestätigen (Registereintragungen oder ihre Kopien). In der Registrierungskarte Vogels ist nicht vermerkt, auf Grund von welchem Dokument die Ausreiseerlaubnis gegeben worden ist. Vielleicht waren dies Registereintragungen. Leider weder in der Arbeitsliste Vogels noch im Passport gibt es keine Angaben über seinen Geburtsort. Laut statistischen Angaben über das Gouvernement Livland auf die 60-5r Jahre des 19.Jahrhunderts (Bogel wurde 1869 geboren.) nahmen Deutsche den dritten Platz in der Bevölkerungszahl des Gouvernements ein, hatten 164 evangelisch-lutherische Kirchen und historische Wurzeln, die zum Liwonenorden im 12.-15.Jahrhundert zurückzufinden gewesen waren.

So ist es wahrscheinlich, dass das Gouvernement Livland die Heimat von W.W.Vogel sein konnte. Trotzdem erwähnt er seine deutschen Wurzeln nirgends. Im Flüchtlingsregister 1920, die für die Fahrt nach Moskau zur Verfügung von Zentroewak /Zentrum für Evakuierung - Dolm./ bestimmt waren, erklärt sich Vogel, schon wieder als Werner und nicht Walerij, einen Letten. Die Mitglieder seiner Familie sind auf die Liste auch als Letten aufgenommen. Die Wjatkaer Gouvernementstscheka teilte am 8.Dezember 1920 dem Gubewak mit, dass "es keine Hindernisse zur Verschickung Vogels und seiner Familie nach Lettland gibt."

1921 verlässt Vogel mit der Familie Wjatka mit der Hoffnung, außerhalb Russland zu fahren. Dokumente der späteren Periode zeugen davon, dass Elena Alexandrowna und Ludmila Walerjewna Vogel nach Wjatka zurückkehren mussten, diesmal aber als Verwaltungsverbannte. Sie wurden aus Moskau auf Grund einer "falschen und geschicktengemachten Denunziation verbannt", wie es Ludmila Walerjewna schrieb. Den Vater erwähnt sie nicht. Vielleicht wurde er in Moskau verhaftet. Wjatka als ihren Verbannungsort wählten sie selbständig. Während der Verbannung arbeitete Ludmila Walerjewna zuerst im Lager des "Sojussagotkosh" /Verband für Lederbereitstellung - Übers./, später im Wjatkultpromsojus /ca. Wjatkaer Kultur- und Industrieverband - Übers./ als Ökonom. Für das Jahr 1934 stehen beide Frauen auf der Liste der Wahlrechtentzogenen. Nach dem Erlass des Kirower /der neue Name für Wjatka - Übers./ städtischen Rats vom 17.Juli 1936 wurden Elena Alexandrowna und Ludmila Walerjewna Vogel von der Liste der Rechtentzogenen ausgeschlossen als ihre Frist der Verwaltungsverbannung abgebüßten.

Das sind letzte Angaben, die man finden konnte in den Dokumenten des Staatsarchivs der Region Kirov. Anfragen an das Archiv des Föderalen Sicherheitsdienstens (FSD) der Region Kirov, die Abteilung für Sonderfonds und Rehabilitierung von Opfern politischer Repressalien des Informationszentrums des Innenministeriums für die Region Kirov, gaben keine positiven Ergebnisse. Es besteht noch die Möglichkeit, sich an das Archiv des FSD in Moskau wenden, wo die Spuren von Werner Wassiljewitsch verschwinden. Wie sich auch sein Schicksal entwickeln konnte, hinterließ er seine Spur auf dem Wjatka-Boden, er ist ein Teil seiner Geschichte.

Anmerkungen:
S. den russischen Text dieses Artikels

Übersetzung. Arkadi Makarov. - Kirov (Russland), 2000.