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© W.B.Pomelov (Kirov)

Der bedeutende Orientalist und Pädagoge W.W.Radlov


Wassilij Wassiljewitsch (geb. Friedrich Wilhelm) Radlov (Ratloff) wurde am 5.Januar 1837 in Berlin geboren. Sein Vater, Reserveoffizier, Teilnehmer im Krieg von 1813 als Stadtpolizeikommissar. Als einziger Sohn bekam Friedrich Wilhelm eine gute Ausbildung. Seine Schulzeit auf dem Gymnasium fiel mit den Revolutionsereignissen des Jahres 1848 zusammen, die einen tiefen Eindruck auf den wissbegierigen Jungen machten. Später gedachte er seiner Kindheit, er erinnerte sich an diese Tage, als er zusammen mit seinen Altersgenossen den Erwachsenen half, Kugeln aufzuschneiden, mit Pistolen zu schießen, wobei die Pistolen aus dem Grund des Mangels an der Munition mit Nageln statt Kugeln geladen waren.

Besondere Aufmerksamkeit in deutschen Gymnasien jener Zeit wurde den klassischen Sprachen gewidmet. Lehrer waren nicht nur gründliche Fachmeister, sondern auch große Enthusiasten, denen es gelang, ihre Schüler in Latein und Altgriechisch, zu bekannten Schriftstellern, Philosophen und Rednern des Alten Rom und Griechenland hinzureißen. Klassische Literatur war für diese bescheidenen Pädagogen der einzige Kanal, den sie benutzen konnten, um ihre freiheitliebenden Gedanken auszudrücken. Nicht von ungefähr teilte der Professor des Lehrstuhls für griechische Literatur Benari so viel Zeit zum Studium der Reden von Dämosphen zu. Er versuchte, im Laufe der Deklamation so lebhaft und überzeugend seinen Hörern die künftige Tragödie zwischen Athen und Mazedonien wiederherzustellen, als ob es um Ereignisse in seiner Heimat handelte. Mit Dank erinnerte sich F.W.Radlov an die Lehrer der deutschen Literatur. Er lernte lange Abschnitte von J.W.Goethes "Faust", F.Schillers "Die Glocke", H.Heines "Das Lied der Lieder" kennen.

Das Erlernen der klassischen und modernen Literatur in deutschen Gymnasien erzog beim jungen Radlov die Liebe zur Philologie an, trug der Formung seines klaren, lakonischen und eleganten literarischen Stils bei.

1854 bezog F.W.Radlov die philosophische Fakultät der Berliner Universität. Zuerst interessierte er sich für die Theologie, aber sehr bald verlor er das Interesse für dieses Gebiet und wandt sich der Philosophie zu, die im Geiste von J.F.Gerbart gelehrt wurde. Aber seine wahre Berufung für sein Leben blieb die Philologie.

Die Formung F.W.Radlovs philologischer Neigungen wurde von jenem Umstand stark beeinflusst, dass in Jahren seines Studiums eine neue Philologierichtung nämlich Vergleichende Sprachwissenschaft sich rasch entwickelte. Damals arbeitete an der Berliner Universität der Gründer dieser Richtung Franz Bopp, sowie weitere bekannte Philologen wie Trendelenburg, Mischellee und der künftige Gründer der Völkerpsychologie Steintahl. Zwei Semester verbrachte F.W.Radlov in Halle. Dort besichtigte er Lektionen von August Pott - des bekannten Phonetisten, eines der Gründer der Vergleichenden Sprachwissenschaft.

Allmählich formierte sich die Hauptrichtung der wissenschaftlichen Nachforschen des künftigen Forschers F.W.Radlov. Unter dem Einfluss von dem Polyglott-Orientalisten Schott, dem Autoren solcher bekannter Werken wie, z.B., "Älteste Nachrichten von Mongolen und Tataren" (1845), "Über die echten Kirgisen" (1865), "Zur Ungurenfrage" (1874-1875), spezialisierte sich Radlov für die Orientalistik. Dazu lernte er Pharsi, Idisch, Arabisch, Chinesisch, Türkisch und die Mantschzhurensprache. Schotts Untersuchung der Ural-Altai-Sprachen erlaubte ihm, enge Beziehungen zu einflussreichen Personen in Russland zu stellen. Letztere halfen Schott, in Berlin das Archiv zur wissenschaftlichen Kunde von Russland zu gründen, wo er seine wichtigsten Werke veröffentlichte. Schotts Kontakte zu Russland beeinflussten entscheidend F.W.Radlovs Schicksal. Unter dem Einfluss seines Lehrers traf er eine Entscheidung, sein Leben dem Studium der Fern-Östlichen Sprachen zu widmen. Dazu entschloss er sich, nach Sankt Petersburg zu fahren.

Kurz davor, 1854, wurde in Sankt Petersburg die Orientalische Fakultät gegründet, wo bedeutende Wissenschaftler (Tantavi, Kasem-Bek, Beresin, Popov, Chvolsson, Wassiljev) tätig waren. In der russischen Hauptstadt wohnte der prominente Gelehrte Betlingk - Autor des Werkes über die Jakutensprache, das zu einem der Gründe zum weiteren Studium auf dem Gebiet der Vergleichenden Grammatik der türkischen Sprachen diente und einen großen Eindruck auf den Studenten F.W.Radlov machte. Einen anderen wichtigen Begleitumstand, der zum Umzug des jungen deutschen Gelehrten nach Sankt Petersburg beeinflusste, bestand in weitentwickelter Tätigkeit der russischen Regierung und der Akademie der Wissenschaften (weiter - AW), die im Zusammenhang mit dem Anschluss an Russland der ausgedehnten Amurregion gut ausgerüstete und andauernde Expeditionen nach dem Fernen Osten veranstalteten. Im Nieder-Amur-Gebiet arbeitete die Expedition der AW unter der Leitung von Schränk. Die Russische Erdkunde-Gesellschaft bereitete die Expedition unter der Leitung von F.B.Schmidt vor. Die Teilnahme an einem solchen Unternehmen war eine Verführung für den jungen Linguisten, der seine theoretischen Kenntnisse zum Studium der modernen Sprachen und ihren Trägern zu verwenden suchte.

Im Prozess der Vorbereitung zur wissenschaftlichen Karriere in Russland lernte Radlov die russische Sprache kennen und zur Universitätsbeendigung konnte er russisch freilich sprechen. Am 20.5.1858 bekam er an der Universität Jena den Doktorgrad für Philosophie verliehen. Bald danach verlobte er sich mit der Schullehrerin Pauline Augusta Fromm, und dann reiste er nach Russland. Hier arbeitete er meistens in der Bibliothek des Asiatischen Museums und beschäftigte sich mit dem Studium der Geschichte und Sprachen der Völker der fernöstlichen Region.

Bald fand Radlov einen hochgestellten Gönner - Baron P.K.Meiendorf, der früher als der russische Gesandte in Berlin tätig war. Leider war die Schmidt-Expedition verlegt. Unter anderem strebte der junge Gelehrte zur praktischen Arbeit. P.K.Meiendorf schlug ihm vor, eine unbesetzte Arbeitsstelle des Deutsch-Latein-Lehrers in der Barnauler Bergschule, die bald darauf in ein Gymnasium umgebildet werden sollte, einzunehmen. Der Lohn war nur 1000 Rubel pro Jahr, und das war natürlich nicht so verlockend. Anziehender Teil dieses Vorschlags bestand darin, dass er jährlich (1859-1863) 700 Rubeln auf Sommerexpeditionen in der Altairegion bekommen sollte. F.W.Radlov nahm diesen Vorschlag, dringend legte die Prüfung ab, die ihm das Recht gab, im Gymnasium zu lehren, und im Mai 1859 reiste er nach Barnaul, - damals Goldextraktiveindustriezentrum. Hier nahm er einen neuen Vor- und Vatersnamen - Wassilij Wassiljewitsch.

Diese Reise dauerte 5 Wochen. In Barnaul leistete dem Gelehrten der russifizierte Deutsche, der Bergsgebietsleiter A.E.Fräse die Hilfe, der sich gleich auf eine Inspektionsreise nach Kusnezkbezirk vorbereitete. Als er über wissenschaftliche Interessen von Radlov erfahren hatte, schloss er sich ihm ein. Es war Radlovs erste Bekanntschaft mit diesem Gebiet.

1860 fand seine erste selbstständige Expedition im Altai-Gebiet statt - zum Tschu-Fluss und zur russisch-chinesischen Grenze. W.W.Radlov sammelte eine große Anzahl der Beispiele der hiesigen Folkskunst, lernte Beziehungen zwischen Russen und fernöstlichen Völkern kennen. Hier lernte er einen Teleuten, Tschevalkov, kennen, lud ihn nach Barnaul ein und lernte von ihm den ganzen Winter die teleutische Sprache. (Er studierte in ähnlicher Weise die Sprachen von Kalmyken und anderen Altai-Völkern.)

Im Frühling 1861, zusammen mit Tschevalkov, reiste W.W.Radlov zum Telezkoje-See - zu Teleuten und Gebirgs-Kalmyken des West-Altai-Gebiets. Es gelang den Reisenden, bis zu Ssojoten, am Ssajan-Gebirge wohnendem und zu jener Zeit überhaupt unbekanntem Stamm zu reisen. 1862 führte W.W.Radlov die Forschungen in der ost-kirgisischen Steppe, - an einem Siedlungsraum der Kasak-Kirgisen. Dann durchsuchte er das von Kalmyken, Mantschzhuren, Kirgisen und Chinesen bevölkerte Ili-Thal und erreichte den Issyk-Kuhl-See. Das wissenschaftliche Resultat dieser Reise schloss nicht nur eine reiche Sammlung des kirgisischen Folklore-Stoffs ein, sondern auch geschichtlich-erdkundige Beschreibung dieses Gebiets, die zum ersten Male in der wissenschaftlichen Literatur verwirklicht wurde. Als erster begann W.W.Radlov die Erforschung der alten Grabstätten im Altai.

1863 begab er sich zum Osten des Altais, durch Tohm, Taschlyk und Minussinsk, zu den Abakan-Tataren. Gleichzeitig setzte er linguistische Forschungen und archäologische Untersuchungen in diesem Gebiet der Bronze-Kultur fort.

"Deutsche Landsmannschaft" in Sankt Petersburg (Akademiemitglied Baer, Hoffräulein Edith von Raden) half Radlov, eine neue staatsfinanzielle Beihilfe auf 5 Jahre zum Studium der Sprache und Ethnographie der west-sibirien Tataren zu erhalten. 1868-1869 untersuchte W.W.Radlov Ssemiretschje (Sieben-Flusse-Treffpunkt).

Gleichzeitig unternahm die Regierung die Eroberung von Turkestan, und Radlov hatte die Möglichkeit, in diesem turksprachigen Gebiet seine Untersuchungen fortzusetzen. Die Verwaltungsbehörde dieses Gebiets und die damalige Gesellschaft interessierten sich sehr für die Sprachen und die Ethnographie der hiesigen Völker. W.W.Radlov half der Administration als Dolmetscher und Fachmann in komplizierten Fragen, wie der Grenzestellung zwischen dem durch Russland eroberten Territorium und benachbarten Khanaten.

Gesammeltes Material sollte mehrfach geprüft, systematisiert, bearbeitet und veröffentlicht sein. Schon in der Barnaul-Periode erschienen seine ersten Artikel und Berichte im "Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland", "Petermanns Mitteilungen", "Ermanns Archiv", "Bulletin der Akademie der Wissenschaften". Er veröffentlichte seinen ersten Band des monumentalen Werkes "Beispiele der Literatur der Türkischen Völker" unter dem Titel "Dialekte der Altaier, Teleuten, Tschern - und Lebedin-Tataren, Schorzen und Ssajaner". 1868 erschien der zweite Band - "Tschuym-, Kysyl- und Abakan-Dialekte (Sagai, Kobal, Katschi)", 1870 - der dritte Band - "Kirgisische Dialekte", 1872 - der dritte Band - "Dialekte der Barybin-, türkischen, Tobol- und Tjumehn-Tataren". Diese ausführlichen Werke verlangten viel Arbeit bei der Übersetzung und Transkribierung und enthielten werte sprachliche und folkloristische Stoffe.

Diese Werke machten den Namen von Radlov dem weiten Kreis der Folkloristen und Linguisten bekannt. Akademiemitglied Schiffner bemerkte im Vorwort zum ersten Band die wesentliche Bedeutung dieses Werkes; er stellte nicht nur eine linguistische Erforschung vor, sondern auch, dank ihrem werten Inhalt "öffnete auch neue Möglichkeiten für vergleichende Untersuchungen im Gebiet der Mythologie und Folklore." Seine Voraussage ging in Erfüllung. Bald danach erschien die Monographie von W.W.Stassov "Die Herkunft der altrussischen Sagen", die sich in bedeutendem Ausmaß auf W.W.Radlovs Materialien gründete. Der bekannt? Folklore-Forscher A.Wesselowski empfiel die Werke von W.W.Radlov als höchstnotwendige für jeden Forscher auf diesem Wissenschaftsgebiet. Bis jetzt erhalten ihren Wert einige von seinen Artikeln, z.B., "Mittleres-Zaravschan-Thal", "Ili-Thal in Hoch-Asien und ihre Bewohner", "Handelsbeziehungen zwischen Russland und der West-Mongolei und ihre Perspektive" aufrecht, sowie verschiedene Berichte seiner Reisen, die in "Nachrichten der Russischen Geographischen Gesellschaft" veröffentlicht wurden.

Radlovs Kollegen erkannten seine Werke als eine Art von Enzyklopädie, die ihrer Meinung nach den neuen und wertvollen Stoff in die türkische Linguistik, Ethnographie, Erdkunde und Archeologie des West-Sibirien, des Altai und des Mittleren Asien einführte. Diese Arbeit wurde gewürdigt. 1868 verlieh die Universität Derpt W.W.Radlov "pro maxima inelligentia linguarum orientalium" den Doktortitel als Ehrentitel für Phylologie "honoris causa".

1871 reiste W.W.Radlov nach Sankt Petersburg. Unterwegs hatte er ein Treffen mit dem hervorragenden Ausbilder der nicht-russischen Völker N.I.Ihlminski und dem Kurator des Kasaner Ausbildungsgebiets P.D.Schestakov. Man sprach über den Stand des Bildungswesens der Tataren und ihre Schulen in Kasan, Wjatka und anderen Gebieten. W.W.Radlov bekam den Antrag, diese Schulen zu leiten, das heißt ein Inspektor für tatarische, baschkirische und kirgisische Schulen zu werden. Diese Schulen selbst existierten damals noch nicht. Sie sollten noch errichtet werden. W.W.Radlov nahm diesen Vorschlag an und begann die Verwirklichung seines Programs der Eröffnung der Schulen für Tataren in dieser Region. Es gelang ihm, sein Program in kürzester Zeit bei dem Volksausbildungsminister D.A.Tolstoi und dem Staatsrat zu bestätigen.

Die islamische Bevölkerung traf Radlovs Tätigkeit sehr feindlich. Fanatisch gestimmte Leute leisteten Widerstand allen Bemühungen des Auklärers, russische Schulen für Tataren zu öffnen, und verfolgten jeden, der es wagte, ihm Hilfe zu leisten. In der Stadt Tetjuschi beispielsweise willigte nur ein einziger Hausinhaber ein, eine Etage seines Wohnraums für solche Schulen zu vermieten, wohingegen sich jedoch auf einer anderen Etage ein Bordell befand. Und Radlov war gezwungen, dies einzuwilligen.

Der Inspektor W.W.Radlov fuhr oft nach Kasan und in südliche Bezirke des Wjatka-Gebiets, da diese dicht von Tataren bevölkert waren. Er versuchte sie zum Europastudium begeistern zu können.

So gründete er zunächst in Ufa ein Lehrer-Seminarium, da dort alle notwendigen Dokumente vorbereitet waren, und dann eines in Kasan. Die ersten Lehrer waren Russen, aber allmählich erschienen die nationalen Kader: Herausgeber vieler Bücher in tatarischer Sprache, Verfasser des russisch-tatarischen Kalenders Abdul Kajumov, Student der Universität, später Inspektor des Kasan-Seminariums Achmerov, Tierarzt Teregulov, der naturwissenschaftliche Fächer lehrte.

Die ersten Schüler des Seminariums waren überalterte Schüler (Schakirden) aus einer Medrese. Ihre Weltanschauung glich sich der mittelalterlichen Scholastik an. Es war nötig, für sie eine besondere didaktische Methode zu nutzen, um das Interesse zu weltlichen Kenntnissen zu erwecken. Da andere Pädagogen zu unerfahren waren, musste W.W.Radlov den gesamten Lehrbetrieb kontrollieren. Er verfasste auch einige Lehrbücher, z.B. das erste Tatar-Lehrbuch für nicht-russische Schulen.

Eine interessante Methode nutzte W.W.Radlov, um das Vertrauen der Bevölkerung für seine Tätigkeiten zu erlangen. Er glaubte, dass die Hauptursache des Unvertrauens seitens der Tataren zu russischen Schulen dar bestand, dass sie sich davor fürchteten, "vom richtigen (moslemischen) Weg" abgebracht zu werden. Deswegen bemühte er sich, seiner Lehrerschule einen religiös-islamischen Charakter zu verleihen. Es gab zunächst eine schwierige Aufnahme. In der Schule herrschte strenge Disziplin und strikte Erfüllung aller islamischen Forderungen. Das schürte, wie Radlov es schon ahnte, den Protest der Schüler, die sich oftmals auch vom Islam abwandten.

In Kasan fand W.W.Radlov Gesinnungsgenossen - beispielsweise den Linguisten Iwan Aleksandrowitsch Boduen de Kurtene, der damals in dieser Stadt wohnte. Von B. de Kurtene übernahm Radlov das Interesse für allgemeinlinguistische Probleme. 1881 schrieb Radlov einen Bericht für den Kongress der Orientalisten. Das Thema seines Berichtes war "Lautalternationen und ihre Bedeutung für die Sprachentwicklung, belegt durch Beispiele aus den Turksprachen".

In diesen Jahren veröffentlichte man seine Werke, wie z.B. "Vergleichende Grammatik der nord-türkischen Sprachen", "Phonetik der nord-türkischen Sprachen", "Konsonanten in nord-türkischen Sprachen". Das letzte Werk, das in Kasan veröffentlicht wurde - "Aus Sibirien" - schloss die Tagebuch-Notizen und Artikel, die den Problemen der Religion, Archäologie und Ethnographie der westsibirischen Völker gewidmet waren, ein. Ein Abschnitt dieses Werkes "Schamanentum und sein Kultus" bleibt bis jetzt eine wichtige Quelle für Erforscher der religiösen Darstellungen der östlichen Stämme in Russland.

Von 1883 bis zu seinem Tode (12.05.1918) lebte W.W.Radlov in Sankt Petersburg. Er war Direktor des Asiatischen Museums (1885-1890) und des Museums für Antropologie und Ethnographie der AW (1894-1918). 1884 wurde er Akademiemitglied der AW auf dem Gebiet "Geschichte und Altertum der asiatischen Völker". Er war einer der Initiatoren und Vorsitzender des "Russischen Komitees für Erforschung Mittel- und Ost-Asiens" (1903-1918). 1891 leitete er selbst die sogenannte Orchonskaja-Expedition, die ethnographische und linguistische Untersuchungen in der Mongolei durchführte. 1898 organisierte er mit demselbem Ziel unter der Leitung von D.A.Klemenz die Turuhanskaja-Expedition, die ihre Arbeit im Zentral-Asien ausführte.

In dieser Zeit veröffentlichte W.W.Radlov folgende Werke: "Älteste türkische Unterschriften in der Mongolei" (1894-1895), "Einführungsgedanken zur Beschreibung der Morphologie der türkischen Sprachen" (in vier Bänden) (1882-1909). Er beendete eine 10-Bändige Forschung "Beispiele der Volksliteratur der türkischen Völker" (1866-1907). Einige seiner Werke waren der Ethnogenesis, der Klassifikation und der Geschichte der Dialektologie der türkischen Völker und der Untersuchung der einzelnen Sprachen gewidmet ("Über die Sprache der Kumanen. - S.-Pb., 1884).

Wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeit von W.W.Radlov, "eines russischen Sohns des deutschen Volkes", war auf die Überwindung der Kenntnislosigkeit und der mittelalterlichen Scholastik ausgerichtet. Dafür verdiente er eine tiefe Dankbarkeit. Seine methodischen Werke nutzte man aktiv im Ausbildungsprozess im Mittel-Wolga-Gebiete in Schulen für nicht-russische Kinder. Seine Zeitgenossen, der bekannte Aufklärer W.A.Bogorodizki, N.I.Ihlminski, Direktoren der Volksschulen des Wjatka-Gebiets A.A.Krassev und A.I.Anastassiev würdigten seinen großen Beitrag zur Ausbildung der hiesigen Bevölkerung. Der Autor zahlreicher Lehrbücher für nicht-russische Schüler I.S.Michejev schätzte W.W.Radlov als bedeutenden Wissenschaftler und Aufklärer. Einheimische Gelehrten W.M.Gorochov und A.F.Efirov meinten, dass W.W.Radlov die Basis der Vergleichenden Sprachwissenschaft der Sprachen einiger Völker Russlands gelegt und den Beginn ihres Aufklärens begonnen habe.


Anmerkungen
S. im russischen Text des Artikels

Übersetzung. Arkadi Makarov. - Kirov (Russland), 2000.