stolbowa.htmDas "Liebeskind" des großen DichtersGoethes Ururenkelin unterrichtete Physik an einer Hochschule in Wjatka
Die bekannte Wjatkaer Persönlichkeit, ein Arzt und Dozent an der hiesigen pädagogischen Hochschule Wassilij Treuter, schrieb noch in den 20er Jahren in sein Tagebuch: "Nach Worten meines Vaters und nach manchen Andeutungen weiß ich, dass Nachrichten, die man aus Deutschland bekommen hatte, darauf hin zusammenflossen, dass mein Großvater ein Liebeskind des großen Goethe und der Henriette Treuter gewesen sei. Das erklärt auch einen lebendigen Briefwechsel zwischen Goethe und meinem Großvater, und auch das, dass mein Großvater auch ein poetisches Talent besessen hatte." Wer ist sie, diese rätselhafte Henriette? Goethe, 1775 schon durch sein Drama "Götz von Berlichingen" und den Roman "Die Leiden des jungen Werther" bekannt, kam nach Weimar. Hier hatte er ein Liebesverhältnis mit Charlotte von Stein, mit welcher es aber nicht lange dauerte, und danach richtete er seinen Augenmerk auf die nette Nachbarin - Henriette Treuter. Die Schwester von Elena Pawlowna, die Hüterin des Familienarchivs ist, hat eine Visitenkarte von Goethe mit seiner eigenhädigen Aufschrift, wo er Frau Treuter am 22.Oktober zum Tee einlädt. Im August 1781 kam ein Erbe des glücklichen Kammerrevisors zur Welt. Ob er gewusst hatte, wer der richtige Vater des Kindes gewesen war? Die Historiker betonen die Ähnlichkeit des Sohns von Henriette Johann Wilhelm mit dem Dichter. Goethe hatte immer das Interesse am jüngeren Treuter, sie wechselten Briefe, und Goethe machte dem jungen Mann auch Geschenke. Auf jeden Fall musste der Sohn 1805 sein väterliches Haus verlassen und weit von seiner Heimat leben. Er übersiedelte nach Russland, nach Sankt Petersburg. Hier wurde er getauft und bekam einen russischen Namen - Wassilij Wassiljewitsch. Letzten Endes wurde er Chefarzt am Kaiserlichen Erziehungshaus. Bald danach entstanden wiederum Gespräche über die Verwandschaft mit dem großen Goethe, weil der Sohn des Kammerrevisors heiraten wollte - und eben die Freifrau Elena Karlowna von Zeumern (Ururugroßmutter von Elena Pawlowna). Für eine solche Ehe brauchte man die Zustimmung des Heiligen Sinods und des Kaisers Nikolaus des Ersten. Darum unternahm der Bruder der Braut, Freiherr von Zeumern, eine Reise nach Weimar, um die Bestätigung der edlen (sei es auch die natürliche) Herkunft des zukünfitigen Manns seiner Schwester zu bekommen. Seine Fahrt war erfolgvoll, und am 14.Oktober 1827 gab der russische Kaiser eine Eheschließungserlaubnis. Wassilij Treuter diente seinem neuen Vaterland sehr gut und erhielt den russischen Adelsbrief. Er war viermal verheiratet und hatte 9 Kinder. Im Großen und Ganzen ist das Geschlecht der Treuter talentiert. Jede Generation hatte Ärzte und Musiker, Wissenschaftler und Pädagogen. Übrigens sind der bekannte russische Komponist Andrej Petrov und der Physiker, Akademiemitglied Ewgenij Welichov auch Treuters Verwandte. Elena Pawlowna studierte Physik in Sankt Petersburg, damals an der Leningrader Universität, und wurde später Doktor. Ihr Leben lang unterrichtete sie Physik an der Kirower polytechnischen Hochschule. Sie schrieb auch Gedichte. Ewgenij Pjatunin // Moskauer Deutsche Zeitung. - 2001. - Nr. 6 (51). - März. - S.17 (Russische Fassung). Der Text ist leicht gekürzt. | |||||