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Staatliche Autoinspektion (SAI)

Aus der Geschichte der Straßenverkehrs-Behörde der Region Kirov


Die Gründung der SAI Kirov und ihre Tätigkeit

Am 3.Juli 1936 unterschrieb der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, W.Molotov, auf die Vorlage des Volkskommsissars des Inneren die Bestimmung über «Die Bestätigung des Statuts der Staatlichen Autoinspektion», und eben diesen Tag halten wir für den Geburtstag der gegenwärtigen SAI. Die bis dahin existierende gleichnamige Organisation, die Teil der Straßen- und Transportabteilungen der Regionen war, wurde durch den gleichen Erlass abgeschafft. Von diesem Moment an wurde die SAI dem Volkskommissariat des Inneren übergeben und wurde zum Bestandteil der Hauptverwaltung der Arbeiter- und Bauernmiliz.

Der Autobestand

1936 gab es in Kirov insgesamt nur 106 Autos. Über die größte Anzahl davon verfügten örtliche Partei- und Sowjetmachtorgane und natürlich auch die regionale Verwaltung des Volkskommissariats des Inneren. Der mächtigste Transportbetrieb in der Region war der Trust «Autogushtrans». Anfang 1938 hatte er über 40 LKW und 2 Busse. Der Trustleiter, N.N.Tretjakov, organisierte noch 1935 die erste Fahrschule des Krajautotrans (Ende 1935 wurde in Kirov noch eine Fahrschule eröffnet) und war einer der aktivsten Helfer der SAI. Private Autos gab es praktisch nicht. Und doch um diese Zeit begann das «eiserne Pferd» das Bauernpferd zu ersetzen. Zu dieser Zeit erschienen sogar kurze Volkslieder, worin man über das Auto sang.

Die Aufgaben

Der Straßenverkehr wurde immer intensiver. Es kamen auch Autounfälle vor. Schon damals waren betrunkene Fahrer ein großes Problem. Die regionale Zeitung «Kirowskaja Prawda» veröffentlichte am Geburtstag der SAI am 3.Juli 1936 einen Artikel zu diesem Problem. Solche Zwischenfälle, wenn der Fahrer wie dieser ein staatliches Auto zu eigenen Zwecken genutzt hatte und dazu noch betrunken gefahren war, erforderten die Einschaltung der Miliz. Davon ausgehend wurden die Aufgaben der SAI im ersten «Statut der SAI der Hauptverwaltung der Arbeiter- und Bauernmiliz des Volkskommissariats des Inneren der UdSSR» festgelegt.

Vor den Mitarbeitern des SAI wurden 4 Aufgaben gestellt:
  1. Kampf gegen Autounfälle und unbefugten Autogebrauch;
  2. Erarbeitung der technischen und metrischen Normen des Autogebrauchs;
  3. Aufsicht über die Vorbereitung und Erziehung von Fahrern;
  4. quantitative und qualitative Kontrolle der Autos.
Mit diesem Ziel musste die SAI die Statistik von Autounfällen führen, ihre Gründe klären und jene Fahrer und andere Schuldige zur Verantwortung ziehen, technischen Zustand des Autobestandes kontrollieren. Damals wie heute war die SAI verantwortlich für Registrierung von Autos und Motorrädern, gab polizeiliche Kennzeichen und technische "Pässe" für Autos aus. Außer gewöhnlichen Funktionen bekam die SAI 1936 noch die Verpflichtung, technische Verbrauchsnormen für Brennstoff, Öl und Reifen zu erarbeiten, dazu noch allgemeine Messungen des Autogebrauchs, solche wie Effektivität der Nutzung von Autos, Betriebsstundenzahl der Tätigkeit eines Autos im Jahr, seine Laufzeit usw. durchzuführen.

Laut «Statut» von 1936 gehörten zur SAI auch Qualifizierungskommissionen, die Fahrausweise aushändigten und Recht auf den Unterricht an Fahrkursen verliehen. Die gleichen Kommissionen durften Fahrern die Erlaubnis für das Fahren nehmen, wenn man systematisch Verkehrsregeln verletzte.

Außerdem hatte die SAI psychotechnische Labors und Versuchsgaragen, um Fragen der Verkehrssicherheit, technische Verbrauchsnormen von Materialien und Messungen der Tätigkeitt des Verkehrs auszuarbeiten,

Blick auf die Anfänge

Obwohl als Geburtstag der SAI der 3.Juli 1936 gilt, d.h. das Datum der Unterzeichnung der Verordnung des Rates der Volkskommissare der UdSSR, begann die Vorbereitungs- und Organisationsarbeit früher. Bereits am 3.März 1936 wurde die Verordnung unterzeichnet über die Übergabe des «Zudortrans» der SAI (in den Interessenbereich des Innenministeriums). Am 14.März desselben Jahres gab der Chef der Kirower Regionalen Verwaltung des Innenministeriums einen Befehl über den Zusammenschluss der Autoabteilung des «Dortrans» mit der SAI und über die Übergabe der SAI unter die Obhut der regionalen Milizverwaltung. Die Autoabteilung des «Dortrans» wurde der neuen Struktur mit dem ganzen Personal, Hab und Gut untergeordnet.

Unter den ersten SAI-Mitarbeitern in der Region Kirov gab es 12 Menschen mit Herrn an der Spitze (angestellt am 2.April 1936). Im gleichen Befehl wurden die Gehälter der ersten festgestellt: von 570 beim Chef bis 210 Rubel für die Sekretärin. Die Abschnittsinspektoren bekamen 500 Rbl. Alle Dienststellen der SAI wurden aus dem Staatshaushalt bezahlt. Die Mitarbeiter der Qualifizierungskommission erhielten ihren Lohn aus den Mitteln, die von Organisationen für die erwiesenen Dienstleistungen gekommen waren.

Der Kommissionsvorsitzende bekam 400 Rbl., Mitglieder 350 Rbl. pro Monat.

Der erste Vorsitzende der Qualifizierungskommission der SAI der Region Kirov war Sergej A. Tscharuschnikov. Er wurde 1887 geboren und war der älteste Fahrer des ehemaligen Gouvernements Wjatka. Er arbeitete seit 1904 als Fahrer beim Schiffbesitzer Bulytschjov. 1911 legte er in Sankt-Petersburg Fahrer-Prüfungen ab, bekam aber keine Erlaubnis, in Grosstädten zu arbeiten, weil er an der revolutionären Bewegung teilnahm. 1914 war er als Fahrer an der Front und bekam dort 2 Sankt-Georg-Medaillen «Für Tapferkeit». Nach dem Krieg war er einer der ersten Organisatoren des Autotransports in unserer Region. Er spielte auch bei der Fahrervorbereitung eine große Rolle. 1927 organisierte er als erster eine kleine Vertretung des "Awtodor" (d.h. der Organisation für den Straßenverkehr - Übers.) in der Stadt Kirov. Danach war er Leiter der «zivilen» SAI und anschließend der Qualifizierungskommission.

Einzug von Strafgebühren

Der Übergang der SAI ins Innenministerium wurde durch einige Veränderungen der Aufgaben begleitet. Bis dahin gab es in der «zivilen SAI» eine ziemlich interessante Praxis auf dem Gebiet der Strafen und Gebühren, die heutzutage vielleicht all zu demokratisch zu schätzen wäre. Jeder Verkehrsinspektor hatte in einer örtlichen Sparbank sein Konto, worauf er von den «Kunden» erhaltene Summen überwies. Dafür schrieb er ihnen eine Quittung aus. Die Leitung des Innenministeriums sah darin eine Möglichkeit für Übergriffe. Darum wurde es im Juni 1936 angeordnet, dass die Autoinspektoren das Geld selbst nicht mehr annehmen durften. Ihre Konten mussten geschlossen werden; Quittungs- und Strafbücher wurden abgeschafft. Der Rest des Geldes musste an die Rechnung der Finanzabteilung des UNKWD (der Außenstelle Kirov des Volkskommissariats des Inneren) gehen. Von diesem Moment an mussten alle Übertreter der Verkehrsverordnungen ihre Strafen direkt an die genannte Stelle schicken.

Einheitliche Kennzeichen

In der Vorkriegszeit gab es Ereignisse, die die Tätigkeit der SAI direkt angingen und beeinflussten. 1937 begann die SAI, neue Kennzeichen internationalen Musters für alle Autos auszuhändigen - weiße Ziffern und Buchstaben auf schwarzem Hintergrund (Standardmetalltabellen). Die Buchstaben gaben eine bestimmte Region der UdSSR an. (Bis vor diesem Zeitpunkt wurden Kennzeichen ohne jeglichen Standard vor Ort nach der Bestellung der SAI produziert.) Mit den neuen Kennzeichen wurden gleichzeitig neue Kraftfahrzeugbriefe ausgehändigt.

Führerschein-Richtlinien

Im Februar 1937 wurden in der ganzen UdSSR gleiche Führerscheine eingeführt. Es wurden 5 Fahrerkategorien festgelegt: Fahrer erster, zweiter und dritter Klasse, nicht professionelle Fahrer und Motorradfahrer. Diese Klassen wurden je nach der Erfahrung eines Fahrers und nach der entsprechenden Prüfung ihm verliehen.

Die Qualifizierungskommission der SAI führte die mündliche Prüfung nicht nur nach den Regeln, sondern auch nach dem Bau aller Mechanismen und Aggregate eines Autos durch. Die Prüfung schloss mit einer praktischen Fahrt ab.

1937 bekam die Qualifizierung auch einen medizinischen Aspekt: wo ein Arzt Beschluss aushändigte, ob man aus gesundheitlicher Sicht ein Kraftfahrzeug führen durfte.

Im Juni 1936 veröffentlichte die regionale Jugendzeitung «Komsomolskoje Plemja» eine Nachricht, dass das regionale Filmausleihkantor und die SAI in Kirov einen Auto-Kinokurs gedreht hatten. Das war das erste Autolehrbuch. Der Unterricht war nicht frei und fand in den Räumen der SAI Drelewskij-Strasse 41 statt.

Straßenverkehrsordnung

Zur Zeit der Gründung der SAI in der Region Kirov hatte die Stadt Kirov bereits «Die Regeln über die Stadtverkehrsordnung», die vom Stadtrat am 21.April 1936 gebilligt worden waren. Das Problem bestand darin, dass es bis 1960 keine gemeinsamen Straßenverkehrsregeln für die ganze UdSSR gab. Jede Region und nicht selten auch einzelne Großstädte hatten ihre eigenen Verkehrsregeln.

So etwas gab es auch in Kirov. Als eine der ersten Regelungen in Kirov des Jahres 1936 wurde der Satz eingetragen, der auch heute nicht minder aktuell ist: Die Autofahrer müssen während der Fahrt unbedingt nüchtern sein. Die Strassen in den 30er Jahren waren nicht besonders breit. Darum erließ man die Vorschrift: Das Auto, das leer fährt, muss dem beladenen Auto die Vorfahrt gewähren. Die Geschwindigkeit in der Stadt wurde auch begrenzt: PKW und Motorräder bis 40 km/h, LKW 30 km/h, Busse nicht schneller als 25 km/h.

Heute klingt es ein wenig komisch, wenn man es damals dem Fahrer verbot, während der Fahrt zu rauchen. Der ganze Abschnitt «Autofahrt» hatte nur 13 Punkte, und der Organisierung der Straßenverkehrsregelung sind nur ein paar Zeilen gewidmet. Außerdem nannten die Regeln Namen der Strassen, wo man parken durfte oder nicht. Den 13. Punkt widmete man Strafen.

Im 2. Abschnitt besprach man die Regeln des Radfahrens und im 3. - «Pferde- und Kutschenverkehr». Dieser 3.Abscnitt war der größte in den Regeln, weil man damals auf den Straßen Kirovs eben mehr Kutschen sehen konnte. Sowohl Kutschen als auch Autos, Motorräder und Räder mussten Kennzeichen haben. Der letzte Abschnitt galt den Fußgängern gewidmet. Er bestand aus nur 7 Punkten und war im Prinzip den heutigen gleich.

Die nächste Ausgabe der Verkehrsregeln kam 1938, die letzte Vorkriegsausgabe 1941 heraus. Es war eine Broschüre bzw. ein Flugblatt und wurde zur Information den Bürgern ausgehängt. Leider gab es schon damals Menschen, die diese Regeln verletzten.

1940 begann man im Regionszentrum mit dem Bau einer Straßenbahnlinie dort, wo wir heute den Oktoberprospekt haben. Es war ein Depot für 200 Straßenbahnwaggons beabsichtigt, dazu eine Garage, Werkstätten... Leider wurde der Bau nicht abgeschlossen, weil der Krieg kam. Schließlich wurden die Gleise wieder demontiert.

Im Prinzip waren die 30er Jahre eine Zeit des weiteren Ausbaus des Straßennetzes in der Region. Man baute Haltestellen sowie Busbahnhöfe und richtete einen Busverkehr zwischen den Städten ein, der die Ortschaften mit dem regionalen Zentrum verband.

Krieg und Nachkriegszeit

Während des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945 hatte die SAI wie die ganze Miliz andere Aufgaben als die zu Friedenszeiten, obwohl eben im Juni 1941 eine neue Mannschaft im Rahmen der Miliz geschaffen wurde, die den Straßenverkehr in wichtigen Stadtteilen regelte. Natürlich wurde der Autobestand der SAI bedeutend geringer, weil viele Autos an die Front geschickt wurden.

Das Jahr 1945 war in vieler Hinsicht ein Jahr des Neubeginns. Gleich nach dem Kriegsende schenkte man der Bekämpfung der Kriminalität viel Aufmerksamkeit. Erst langsam kam es zur Stabilität, und ein Zeichen dafür war der rege Straßenverkehr. Es gab immer mehr Autounfälle, wobei Menschen verletzt und getötet wurden. 1949 erschien auf den Straßen Kirovs wiederum ein Auto der SAI, der mit Straßenordnungsschildern behängt war. Die Lage auf den Strassen verschärfte sich dermaßen, dass man 1954 eine Sonderberatung zu diesem Thema einberief. Die Aufgabe der Straßenaufsicht bekamen praktisch alle Mitarbeiter der Miliz, so schlecht war die Situation.

Diese harte Arbeit trug bereits ein Jahr später ihre Früchte. Die Anzahl von Autounfällen verminderte sich um 30%! Nicht nur aber das. Die SAI hatte verschiedene technische Abteilungen und auch eine Qualifizierungskommission. Praktisch hatte die SAI in der ganzen Region ihre Abteilungen und Filialen.

Eine der wichtigsten Änderungen war auch die Umgestaltung von Strassen und Bürgersteigen. Ungefähr um dieselbe Zeit bekam die Stadt erste Verkehrsampeln. Dazu kamen neue Brennstoffpumpen auf den Tankstellen, ein neues Gebäude für die SAI und nicht zuletzt technische Ausrüstungen, um die Kenntnisse über Straßenverkehrsordnung zu testen. Man muss hier unterstreichen, dass die Kirover SAI eine der ersten in der ehemaligen UdSSR war, die den neuesten Stand der Technik in ihrer Tätigkeit nutzte. Damit beschäftigte sich eine Filiale des Allunionsinstituts für Sicherheit des Straßenverkehrs des Innenministeriums der UdSSR.


Die SAI der Region Kirov besteht aus folgenden Abteilungen:

Autotechnische Inspektion

Eine der wichtigsten Abteilungen der SAI Kirov ist ohne Zweifel die Abteilung für technische Kontrolle aller Fahrzeuge und Transportmittel. Hier prüft man auch Sicherheitsmaßnahmen für Straßen und Autos, ihre Zuverlässigkeit im Gebrauch.

Straßeninspektion

Die Region Kirov hat ein ziemlich breites Autostraßennetz. Dazu kommen auch noch Autobrücken, Verkehrszeichen u.a.m. In der jüngsten Zeit baut man bedeutend mehr Autostraßen als vor Jahren. Das ist auch noch ein zusätzliches Stück Arbeit für die Straßeninspektion.

Straßenstreifendienst

Heute leisten mehr als 200 Mitarbeiter ihren Dienst in dieser Abteilung, die eine der größten Stellen der Miliz in unserer Region ist. Ihre Inspektoren ermitteln Autounfälle, überwachen die Geschwindigkeit oder stoppen Autos, deren Fahrer das nicht machen wollen oder nach dem Unfall zu flüchten versuchen. Im Prinzip prüft diese Abteilung, ob ein Auto den technischen Forderungen der Verkehrsregeln entspricht. Dazu gehört entsprechende Ausrüstung wie der Radar oder das Ultraviolettstrahlengerät, mit welchem man Dokumentenfälschungen prüft usw. Dazu braucht man Wissen, und dieses Wissen erwerben die Mitarbeiter in der Anfangsstufe, dann in Schulungen und den Fortbildungskursen.

Registrierungs- und Prüfungsabteilung

Jedes Transportmittel muss bei der SAI registriert werden. Damit beginnt sein Leben auf den Straßen. Man bekommt ein Kennzeichen, und, um einen Wagen fahren zu dürfen, braucht man noch einen Führerschein. Jedes Jahr leistet diese Abteilung eine gute Arbeit: 80.000 Registrierungen von Verkehrsmitteln, 60.000 Fahrerprüfungen werden durchgeführt und 20.000 Fahrausweise ausgehändigt. In der jüngsten Zeit bekam diese Abteilung auch neue Computer, die es ermöglichen, einen Führerschein praktisch in wenigen Minuten auszufertigen.

Alle Außenstellen dieser Abteilung gehören zu einem gemeinsamen Netz. Das hilft, alle Fragen der Registrierung oder der Prüfung von Autos in wenigen Minuten zu lösen. Es muss auch gesagt werden, dass man heute Fahrausweise internationalen Musters aushändigt.

Sondermontageabteilung

Diese Abteilung arbeitet an der Ausrüstung der Straßen mit verschiedenen Zeichen (in der Region Kirov mehr als 42.000) und Verkehrsampeln.


Die SAI Kirov leistet auch weiterhin viel Arbeit bei der Propagierung von Straßenverkehrskenntnissen sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern. Sie veröffentlicht regelmüßig viele Artikel zu diesen Themen. Es werden auch die Möglichkeiten des Radios genutzt. Jeden Tag gibt es Informationen im Fernsehen und in allen städtischen und regionalen Hörfunksendern.


© Deutsche Fassung. Arkadi Makarov (Russland), Helmut Ernst (Deutschland). - Kirov, 2000